Ruanda: Familien aus der Armut führen

Hilfe zur Selbsthilfe macht Frauen stark

In Ruanda geht es wirtschaftlich bergauf, doch noch immer ist das Land eines der ärmsten der Welt. In den Gemeinden rund um die Hauptstadt Kigali leisten die SOS-Kinderdörfer Hilfe zur Selbsthilfe: Familien in Not können sich so aus der Armut befreien.
Absolventinnen eines Schneiderkurses
Ausbildung macht stark: Diese beiden Frauen haben erfolgreich einen Schneiderkurs der SOS-Familienhilfe absolviert und erhalten feierlich ihr "Diplom". Sie können sich damit ein wirtschaftliches Standbein aufbauen und so ihre Familien selbst versorgen.

Hoffnungslosigkeit bestimmt das Leben

In den Vororten von Kigali leben viele Familien in großer Armut.

Espérance und ihr Mann haben sieben Kinder zu versorgen. Neben ihren vier eigenen Kindern kümmern sie sich zusätzlich um drei Waisenkinder aus der Verwandtschaft.
Sorgen bestimmen den Alltag der Familie: Das Geld reicht vorne und hinten nicht, um alle Kinder zu versorgen und zur Schule zu schicken, medizinische Versorgung ist unbezahlbar. Die vielen Sorgen legen die Nerven der Eltern blank: Streit gehört zur Tagesordnung und ein normales Familienleben scheint unmöglich.

Kinder können wieder zur Schule gehen

Als Espérance in das Programm der SOS-Familienhilfe aufgenommen wird, bekommt sie die Chance, etwas zu verändern. Sie besucht verschiedene Kurse und lernt, wie man einen ertragreichen Küchengarten anlegt und Schweine aufzieht. Doch das wichtigste: Sie glaubt wieder an sich und fasst Mut, ihr Schicksal zu ändern. SOS hilft ihr mit drei Ferkeln und einem Wassertank. Zusätzlich erhält die Mutter einen Mikrokredit aus der örtlichen Spargruppe und erfährt, wie sie mit ihrem Geld wirtschaften kann. Heute hat Espérance 40 Schweine und baut vor ihrer Hütte Gemüse an, das sie mit Hilfe des Wassertanks regelmäßig bewässern kann. Ihre Kinder können wieder zur Schule gehen und sind sogar krankenversichert. Statt zu hungern, haben alle dreimal am Tag etwas zu essen.

Ein eigenes Sparsystem

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder der Spargruppen, Verwalten das Geld und besprechen Investitionen.
Ihr eigener Erfolg hat Espérance motiviert, auch andere Familien zu unterstützen. Gemeinsam mit mehreren Nachbarn hat sie eine weitere Spargruppe in ihrem Viertel aufgebaut. 30 Mitglieder hat er schon, von denen jeder rund 50 Cent pro Woche einzahlt. Aus dem angesparten Geld werden Mikrokredite vergeben, die den Familien Investitionen ermöglichen. Inzwischen ist es Espérance sogar möglich, selbst monatlich etwas Geld zur Seite zu legen. Manchmal bleiben ihr bis zu 60 Euro im Monat übrig, die sie anspart. Ihr großes Ziel: Ein Grundstück, auf dem sie ihre Schweinezucht vergrößern kann.

Die Folgen des Genozids

Auch wenn Ruanda mittlerweile eine sich dynamisch entwickelnde Wirtschaft hat: Die Folgen des Genozids vor 25 Jahren sind noch immer spürbar. Viele Eltern von heute haben in ihrer Kindheit Gewalt und Grausamkeiten erlebt, ihre Familien wurden zerrissen. Das hat sie geprägt, viele lässt die Vergangenheit nicht los. In Kursen der SOS-Familienhilfe lernen Eltern, wie sie Vorbilder für ihre Kinder werden können, sie gewaltfrei zu erziehen und sie regelmäßig zur Schule zu schicken. Das Projekt bringt Familien zusammen und holt sie aus der sozialen Isolation.

Ausbildung schafft Verdienstmöglichkeiten

Auch in der Trockenzeit versorgen die kompakt angelegten Küchengärten die Familien mit frischen Gemüse.

Aufgrund von Analphabetismus und fehlender Schulbildung haben viele Familien keinen Job, der ihnen ein Auskommen ermöglicht. Die SOS-Familienhilfe in Kigali bietet daher Jugendlichen und Eltern Kurse in Gemüseanbau, Tierzucht, Nähen, Friseur und Kosmetik, Schlosserei, Hotelservice, Baudienstleistungen und mehr. Durch Führerschein-Kurse können Jugendliche z.B. als Taxifahrer arbeiten. Die Kursteilnehmer bekommen die Möglichkeit, mehrere Standbeine aufzubauen, um z.B. im Falle einer Missernte mit handwerklichen Arbeiten Geld verdienen zu können.


Helfen Sie nachhaltig!

Geben Sie Kindern, Jugendlichen und Familien die Chance auf eine bessere Zukunft. Ihre Spende wird durch öffentliche Partner vervierfacht.

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Eine Kuh – mehr als nur Milch

Familien, die entsprechenden Platz, Futtermittel und Wissen haben, können eine Kuh bekommen. Diese bringt nicht nur Milch und Dünger, sondern hebt auch das soziale Ansehen einer Familie. Die Kühe werden nicht geschlachtet. Weibliche Kälbchen müssen an andere Familien weitergegeben werden, damit auch diese im Rahmen des so genannten revolvierenden Viehzuchtsystems profitieren.

Ein Wassertank mit großer Wirkung

Der Wassertank sammel das Regenwassser. Er liefert den Familien Wasser, z.B. um ihr Gemüse zu bewässern
Viele Familien im ländlichen Ruanda haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Wege zwischen zehn und 30 Minuten zur nächsten Wasserquelle sind keine Seltenheit. Zeit, die täglich für andere Dinge fehlt. Viele Kinder kommen zur spät zur Schule, weil sie morgens noch das Wasser für ihre Familie herbeischleppen müssen. Und Wasser ist teuer. Dank eines Regenwasser-Sammlers können Familien wie die von Espérance den Küchengarten vor ihrer Hütte bewässern und ihre Kinder mit frischem Gemüse versorgen.

Ganzheitliche Entwicklung der Gemeinden

In den Gemeinden finden Veranstaltungen über Kinderrechte, Familienplanung oder HIV-Aufklärung statt. Auch Beratung und Rechtshilfe zeigt große Wirkung: Denn ohne Geburtsurkunden ist Kindern der Zugang zu staatlichen Leistungen oder der Schulbesuch oft verwehrt. Ohne Krankenversicherung erhalten HIV-Infizierte keine antiretroviralen Medikamente. Legalisierung von Ehen oder Klärung von Grundbesitz-Rechten sichern z. B. dass Kinder ihr Stück Land behalten können, falls die Eltern sterben.
Die Wirkung der Hilfe ist seh- und spürbar: Wenn die Familien merken, dass sich in ihrem Leben etwas verändert, steigt ihr Selbstbewusstsein und ihre Eigeninitiative – und sie beginnen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Helfen Sie uns dabei, mehr Familien in Ruanda eine Perspektive zu geben! Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt – Ihre Spende wirkt dabei vierfach!