Kinder und Familien auf der Flucht

"Räumen Sie der Menschlichkeit Priorität ein!"

Flüchtlingspolitik: SOS-Kinderdörfer appellieren an EU

23.04.2015 - Die SOS-Kinderdörfer weltweit äußern Entsetzen über die aktuelle Entwicklung in der Flüchtlingspolitik. Seit Jahresbeginn sind mehr als 1500 Kinder, Frauen und Männer bei ihrem Versuch, über das Meer in eine bessere Zukunft zu fliehen, ertrunken.

"Setzen Sie sich auch für eine nachhaltige Verstärkung der Ausbildungsinitiativen in den Krisenländern ein!": Die SOS-Kinderdörfer appellieren an die EU-Politik.

"Das letzte Unglück führt uns erneut deutlich vor Augen, dass die europäische Einwanderungspolitik schwere Mängel aufweist. Anstatt gangbare Wege in der Flüchtlingspolitik zu bestreiten, wird weiter über eine - leicht geänderte - Abschottung Europas diskutiert", erklärte der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, Louay Yassin in München. "Unterdessen sterben weiter Kinder und Erwachsene im Mittelmeer."

"Als Kinderhilfsorganisation fordern wir die EU-Politiker auf der heutigen Flüchtlingskonferenz in Brüssel auf: Räumen Sie dem Schutz von Kindern und Erwachsenen Priorität bei Ihren Entscheidungen ein. Das Mittelmeer darf nicht zum Massengrab für verfolgte und arme Menschen auf der Suche nach Zukunft werden. Setzen Sie sich neben einer überzeugenden Seenotrettungsmission auch für eine nachhaltige Verstärkung der Ausbildungsinitiativen in den Krisenländern ein. Um diese humanitäre Tragödie zu stoppen, braucht es viel politischen Mut und das gemeinsame Handeln aller EU-Staaten. Zeigen Sie heute gemeinsam Menschlichkeit!", forderte der SOS-Pressesprecher.

Afrikas SOS-Chefs zur Flüchtlingsdebatte: Der Schlüssel zum Flüchtlingsproblem: Bildung, Bildung, Bildung


Ein Junge in einem Binnenflüchtlingscamp in der Nähe von Berbera, Somaliland. SOS-Kinderdörfer/Katharina Ebel

Nur Bildung kann langfristig die Flüchtlingsmisere lösen. Dies ist der Tenor einer Umfrage der SOS-Kinderdörfer anlässlich der EU-Flüchtlingskonferenz am heutigen Donnerstag in Brüssel in verschiedenen afrikanischen Ländern.
Die Antworten aus Mali, Ghana, Senegal, Somalia und Äthiopien sind einhellig: Der Schlüssel liege in der Schulbildung und der Stärkung der Berufsausbildungsprogramme für Jugendliche. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass junge Menschen ihre Heimat nicht verlassen, wenn wir ihnen Zukunftsperspektiven bieten können", sagt Senegals SOS-Chefin Salimata Diagne.

"Die extremen Gefahren illegaler Auswanderung, wie Verhungern oder Verdursten in der Wüste, Kentern auf dem Meer oder Verschleppung durch Kriminelle, wird verzweifelte Menschen von einer Flucht nach Europa nicht abhalten",ergänzt Alexander Kekula, SOS-Kinderdorfdirektor in Ghana. "Es ist immer eine Frage der Wahl."

Auch Ahmed Mohamed, Leiter der SOS-Kinderdörfer im Flüchtlings-Hotspot Somalia, findet, dass eine Erweiterung der Triton-Mission allein das Flüchtlingsproblem nicht lösen werde. Man müsse vielmehr an die Wurzel des Übels. In Somaliland zum Beispiel, kranke es nicht am Bedarf guter Handwerker. Sondern am Fehlen gut ausgebildeter Leute.

"Berufsausbildungsmaßnahmen dauern in Somaliland inklusive Praktika in Unternehmen rund 4-5 Monate. Die Jugendlichen erhalten so fundierte, praktische Fähigkeiten. Viele von ihnen haben schon einen Job, bevor sie ihr Zeugnis in der Hand halten", berichtet Mohamed. Die SOS-Kinderdörfer bilden in Somaliland viele junge Menschen aus.

Ein Garant, dass ausgebildete junge Menschen nicht das Land verließen, gäbe es zwar nicht. Mit guten Perspektiven aber schränke es die Anzahl derjenigen, die ihr Leben auf der Flucht riskieren würden, extrem ein, so die Erfahrung des somalischen SOS-Leiters.