Die Chance auf Glück

Neues Leben: Die Zwillinge Marta und Mercy kannten bislang vor allem Hunger und Verzweiflung. Im SOS-Kinderdorf in Ghana haben sie eine neue Familie, ihre zweite Mama und einen verantwortungsbewussten Daddy gefunden.
 
Marta und Mercy im SOS-Kinderdorf
Die eine ist lebhaft, die andere ruhig - und beide sind glücklich in ihrem neuen Zuhause: die Zwillinge Marta und Mercy im SOS-Kinderdorf
Die zwei haben einen Charme, der jeden verzaubert: Marta und Mercy, die Zwillinge aus dem Haus "Denmark" im SOS-Kinderdorf Tema. Vier Jahre alt sind die beiden, und ihre SOS-Kinderdorf-Mutter Agnes sagt, sie könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die eine ist lebhaft, die andere ruhig. Sie sind sich ihres Charmes bewusst und jede schafft es auf ihre Weise, die Menschen um sie herum für sich zu gewinnen. Beide sind, so oft es geht, in ihrer Lieblingsfarbe unterwegs - rosa natürlich.

 

Marta und Mercy stammen aus einer Familie mit 15 Kindern. Dorfleiter Michael Tsagli erzählt, wie und warum die beiden vor zwei Jahren nach Monaten der Ungewissheit ins SOS-Kinderdorf gekommen sind. Die Geschichte reicht zurück in eine Zeit, als Marta und Mercy noch gar nicht geboren waren. Ihre Eltern lebten damals in einer erbärmlichen Hütte unweit von Tema. Fünfzehn Menschen, 13 Kinder, Vater und Mutter, gedrängt in einer kleinen Holzhütte. Als Marta und Mercy zur Welt kamen, waren sie 17.

 

SOS-Geschwister
Auf den Eingangstufen des SOS-Familienhauses: Marta und Mercy mit ihren Geschwistern

 

Eine Familie zerbricht

Armut war der ständige Begleiter der Familie. Die Hütte lag in einer Gegend, in der auch besser gestellte Familien lebten. Dort fand die Mutter immer wieder Gelegenheitsjobs, mal ging sie putzen, mal bekam sie Arbeit als Wäscherin. Der Vater war damals schon 72 und litt an Diabetes. Er arbeitete nicht. Was die Mutter nach Hause brachte, war zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig - in Ghana nichts Außergewöhnliches.

Den Stein ins Rollen bringt der Umstand, dass der Vater sich weigert, seine Kinder in die Schule zu schicken. Immer wieder sprechen Behörden bei ihm vor, und irgendwann erfährt auch Dorfleiter Tsagli davon. Über Monate zieht sich der Versuch hin, die Familie zu stabilisieren. Vergeblich.

„Es muss eine Lösung her, die jedem der Kinder gerecht wird“

 

Angeschmiegt an ihre Kinderdorf-Mutter Agnes
Angeschmiegt an SOS-Mutter Agnes
Zwei der 15 Kinder werden krank und sterben. Auch das Familienstärkungsprogramm der SOS-Kinderdörfer für bedürftige Familien bietet wenig Aussicht, wirkungsvoll zu helfen. Zu groß ist der Rückstand, der aufgeholt werden müsste, und kein einziger Job, der für die Mutter gefunden werden könnte, würde 15 Kinder ernähren. Der Zustand ist untragbar.
Dann zeigt Dorfleiter Tsagli den Eltern das SOS-Kinderdorf. Der Vater kommt zu dem Schluss, dass es das einfachste wäre, alle 15 Kinder ins Kinderdorf zu bringen. Tsagli ist dagegen: "Für viele der älteren Kinder wäre die Aufnahme im SOS-Kinderdorf nicht das Richtige gewesen. Sie waren schon an der Schwelle zum Berufsleben." Es muss eine Lösung her, die jedem der Kinder gerecht wird. Jetzt zahlt sich einmal mehr aus, dass die SOS-Kinderdörfer eng mit den Behörden und lokalen Organisationen zusammenarbeiten.

 

Ein sicheres Zuhause und die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft 

Gemeinsam findet man einen Weg: Die Älteren erlernen unter der Betreuung anderer Organisationen, wie sie einen eigenen Kleinhandel aufmachen oder einen anderen Beruf erlernen können. Sie sollen auf eigenen Füßen stehen - trotz ihres Bildungsrückstandes. Für die Mutter wird eine menschenwürdige Unterkunft gefunden.

 

Beim Fußballspielen
Spielen, toben, lachen: Im Kinderdorf wachsen die Geschwister in einem sicheren und liebevollen Umfeld auf.
Die sechs Kleinen, unter ihnen Marta und Mercy, finden im SOS-Kinderdorf ein neues Zuhause. Die Mutter ist froh, dass endlich die überschwere Last von ihren Schultern genommen wird, ohne dass sie dabei ihre Kinder verliert.

 

Jeden Morgen ziehen Mercy und Marta ihre rosa Uniform an und gehen in den SOS-Kindergarten. Ihre vier Geschwister gehen in die Hermann-Gmeiner-Schule. Marta und Mercy haben jetzt zwei Mütter: Agnes, die SOS-Kinderdorf-Mutter, und ihre leibliche Mutter, die regelmäßig zu Besuch kommt. Dorfleiter Tsagli ist für Marta und Mercy nicht der Dorfleiter. Sie nennen ihn, wie alle Kinder im Dorf, "Daddy". Der leibliche Vater hat seine Frau verlassen und auch den Kindern den Rücken gekehrt. Er ist in das Dorf in Zentralghana gegangen, aus dem er stammt. Wir wissen nichts mehr von ihm. Und so gesehen ist dies eine traurige Geschichte: die Familie ist auseinandergebrochen. Und dennoch: Für alle Kinder konnte ein sicherer Ort gefunden werden und eine Aussicht auf eine selbstbestimmte Zukunft - das kann ein großes Glück bedeuten. Unglück und Glück liegen oft so dicht beieinander!

Zurückgeblieben ist die hölzerne Hütte mit den Erinnerungen an Enge, Hunger und Entbehrung. Wer weiß, vielleicht ist sie auch schon abgerissen worden.

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