Aufwachsen mit dem Trauma des Krieges

Die Geschichte von Alex und David: Wie das Leben der beiden georgischen Kriegswaisen im Kinderdorf Tiflis weiterging

Wieder hat der Krieg Leid über die Menschen in Georgien gebracht, wieder sind Tausende geflohen - und wieder haben Kinder ihre Eltern und ihr Zuhause verloren. Bereits in den Neunzigern zerrissen zwei blutige Bürgerkriege das Land. Damals verloren die Zwillingsbrüder David und Alex ihre Familie. Im SOS-Kinderdorf in Tiflis fanden sie ein neues Zuhause – und kamen dort zur Ruhe: Aus den beiden traumatisierten Kriegswaisen sind zwei erfolgreiche IT-Experten geworden.
 
SOS-Kind in Georgien
Es braucht Zeit und viel Liebe, damit seelische Wunden heilen können: ein georgisches SOS-Kind
Alex und David wurden in der Abchasien-Region geboren. Als dort 1992 der Bürgerkrieg ausbrach, waren die Jungen noch zu klein, um zu verstehen, was vor sich ging - aber doch alt genug, um sich heute noch zu erinnern: an den infernalischen Lärm explodierender Granaten, das Peitschen der Schüsse, an schreiende Soldaten. Und sie mussten mitansehen, wie ihre Eltern und mehrere ihrer Verwandten vor ihren Augen im Kugelhagel starben.

 

Nachts wachten sie schreiend auf

"Ich kannte ihr Schicksal, als sie ins Kinderdorf kamen, aber ich konnte nur erahnen, was sie wirklich durchgemacht hatten", erinnert sich ihre Kinderdorf-Mutter Dali, die beide Kinder in ihrer SOS-Familie aufnahm.

"Nachts wachten sie schreiend auf. Sie hatten panische Angst, dass die Panzer wieder kommen würden, und versteckten sich unter dem Bett. Sie haben die schrecklichen Kriegserlebnisse wieder und wieder durchlitten." Es dauerte Monate, bis die beiden begriffen, dass sie in Sicherheit waren. Die Ruhe, Sanftheit und Liebe ihrer SOS-Mutter halfen ihnen, die entsetzliche Vergangenheit hinter sich zu lassen.

 

Georgische SOS-Kinder mit ihrer SOS-Mutter
Zuhause im Kinderdorf: Georgische SOS-Kinder mit ihrer SOS-Mutter
Die beiden Jungen wichen Dali nicht von der Seite und begannen sich früh für die Hobbys ihrer Mutter zu interessieren: Malerei, Töpferei und die liebevolle Gestaltung des Gartens vor dem SOS-Familienhaus.

 

"Alex und David haben den Garten geliebt. Sie haben ihn gehegt und gepflegt und ihn in kleinen Schlosspark verwandelt: mit kunstvollen, selbstgetöpferten Vasen und prächtig bunten, geometrisch angelegten Beeten."
Im Garten kamen die beiden zur Ruhe. Er war für die beiden Zwillingsbrüder ein Ort, an den sie sich zurückziehen konnten. "Mit dem Garten haben sie uns auch gezeigt, dass sie mich und ihre SOS-Geschwister lieb haben", sagt Dali. "Und sie glühten vor Stolz, wenn uns ihre Kreationen gefallen haben."

Erfolgreicher Start in ein selbständiges Leben

Die Schule fiel den beiden Brüdern leicht. Sie waren gut in Mathe - und natürlich auch im Kunstunterricht. Nach der Schule begannen sie ein Studium und spezialisierten sich beide auf Computeranimation: So konnten sie ihre künstlerischen Ambitionen mit guten Berufsaussichten verbinden.
Nach dem Studium machte Alex sich als Freiberufler selbständig. Er hat bereits viele Aufträge und träumt davon, eine eigene Firma aufzubauen. David fand eine Festanstellung bei einem georgischen Fernsehsender. Er hat eine feste Freundin, die er bereits seiner SOS-Mutter vorgestellt hat und die er heiraten will. "Davids Freundin ist Teil unserer Familie geworden – sie nennt mich schon Mama!", erzählt Dali und ihre Augen beginnen zu glänzen. "Sie hat mir auch ihre Eltern vorgestellt. Als sie uns besuchten, saßen wir lange zusammen - in Alex` und Davids Garten."

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