Tenor mit Herz

Seit fast 30 Jahren singt der Tenor Helmut Seidel zugunsten der SOS-Kinderdörfer.

"Das Singen ist bis heute meine große Leidenschaft", sagt Helmut Seidel.

Wer weiß? Hätte nicht ein Arbeitskollege Helmut Seidel bei einer Betriebsfeier zufällig singen hören, wäre sein großes Talent vielleicht gar nicht entdeckt worden. Der Kollege motivierte ihn dazu doch einmal mit zum Gesangsverein zu kommen. Mit diesem Schritt kam Helmut Seidels Laufbahn als Tenor ins Rollen. Viele waren von seinem Talent begeistert. Immer wieder wurde seine Stimme mit der von Fritz Wunderlich verglichen. Im Staatsopernchor am Badischen Staatstheater Karlsruhe hätte er sogar hauptberuflich singen können. "Behalte deine Stelle bei der Bahn, das Singen am Theater ist ein hartes Brot", hatte ihm ein befreundeter Kapellmeister geraten. Seidel folgte dem Rat und hat diese Entscheidung nie bereut. "Das Singen ist bis heute meine große Leidenschaft", erzählt der 77-Jährige.

Als Kind musste er fliehen

Das merken auch seine Zuhörer. Immer wieder sind die Menschen, die seine Liedernachmittage besuchen, begeistert von seinem Können und Repertoire. Seidel hat Werke von Franz Schubert ebenso im Programm wie Lieder von Udo Jürgens und den Beatles. Er will den Menschen eine Freude mit seiner Musik machen, und das gelingt ihm immer wieder. Mehr als 20 Liederabende und -nachmittage hat er mittlerweile in seiner badischen Heimat Weingarten und anderenorts für die SOS-Kinderdörfer organisiert. Helmut Seidel übernimmt immer auch die Planung der Veranstaltungen, kümmerte sich um weitere Musiker und informiert die Zuhörer über das SOS-Projekt zu dessen Gunsten das Benefizkonzert stattfindet.

 


Mehr als 20 Liederabende und -nachmittage hat Helmut Seidel bereits für die SOS-Kinderdörfer organisiert. Danke!
Auf die SOS-Arbeit wurde Helmut Seidel über eine Aktion von Hermann Gmeiner aufmerksam. Mit "Ein Reiskorn für Korea" hatte der Gründer der SOS-Kinderdörfer 1963 die Menschen in Europa zur Hilfe für das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land aufgerufen. Was Krieg bedeutet, hatte Helmut Seidel früh am eigenen Leib erfahren. 1945 flüchteten er und seine Familie bei eisiger Kälte von ihrem Heimatort im heutigen Polen nach Berlin. Seidel war gerade mal acht Jahre alt. Seine Erlebnisse in dieser Zeit haben ihn auch dazu bewogen, sich für Kinder, die Schlimmstes erlebt haben, einzusetzen. Dafür engagiert sich Helmut Seidel bis heute. Den nächsten Liedernachmittag hat er bereits in Planung.