Flüchtlingskinder leichte Beute für Menschenhändler! / SOS-Kinderdörfer fordern sichere Unterkünfte und gleiche Bildungschancen für Flüchtlingskinder

06.08.15, München - Nach dem erneuten Sinken eines Flüchtlingsbootes vor der libyschen Küste wurde erneut deutlich: Europa muss schnell handeln und besonders für den Schutz von Kindern mehr tun! 3358 Flüchtlingskinder sind laut UNHCR bereits dieses Jahr an den Küsten Italiens angekommen. Für Kinder ist die Überfahrt in den überfüllten Booten besonders gefährlich: wenn sie nicht ertrinken, finden sie sich oft in unsicheren Massenlagern wieder, erklärten die SOS-Kinderdörfer weltweit in München.

"Diese Situation ist absolut inakzeptabel. Es ist ein klarer Verstoß gegen die Kinderrechte!“, so der Pressesprecher der Organisation Louay Yassin. Laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein verbrieftes Recht auf Gesundheit und Sicherheit. Die Realität in den Auffanglagern aber sei eine andere, so die Hilfsorganisation. "Die Kinder sind häufig traumatisiert und befinden sich in einer verzweifelten Lage. Sie haben nicht einmal Ausweise. Damit sind sie leichte Beute für Menschenhändler", sagt Yassin.

"Und anstelle von Schutz und Geborgenheit konfrontieren wir die Kinder in Europa mit Massenlagern,  in denen sie Gefahr laufen, sexuell missbraucht und als illegale, billige Arbeitskräfte ausgebeutet zu werden. Das ist unmenschlich“, so Yassin.

Die SOS Kinderdörfer weltweit fordern daher Regierungen und Organisationen auf, den Kindern und Jugendlichen nach der Überfahrt mehr Schutz  und eine dem Alter angemessene Betreuung zu bieten, um sie vor noch mehr Leid zu bewahren. Weiterhin müssen die Bildungschancen sowohl in den Aufnahme –  als auch in den Herkunftsländern drastisch verbessert werden.

"Auch hier lässt die UN-Kinderrechtskonvention keinen Zweifel: Bildung ist ein Recht, auf das jedes Kind auf der Welt den gleichen Anspruch hat – auch Flüchtlingskinder mit unklarem Aufenthaltsstatus! Wir dürfen keine Zweiklassengesellschaft zulassen!“, fordert Yassin.

Vielfältige Angebote für junge Flüchtlinge

Die SOS-Kinderdörfer engagieren sich schon seit vielen Jahren in Deutschland und Österreich für Flüchtlingskinder. Seit dem letzten Jahr hat die Organisation auf den vermehrten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge reagiert. Bildungs- und Betreuungsangebote wurden neu aufgebaut oder erweitert. Das praktische Engagement des Kinderhilfswerks reicht vom Betrieb eines Clearinghauses über betreute Jugendwohngruppen, spezifische, berufsorientierte Bildungsangebote bis hin zur Aufnahme ganzer  Flüchtlingsfamilien.
Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen zeigt immer wieder die große Bedeutung von Bildung für diese oftmals benachteiligte Gruppe. Die SOS-Kinderdörfer agieren daher nach dem Grundsatz, Flüchtlingskinder nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern ihnen auch Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu eröffnen.

Louay Yassin
Pressesprecher
SOS-Kinderdörfer weltweit
Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e.V.
Ridlerstraße 55, 80339 München
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