Internationaler Kindertag / Noten für die Lehrer – Neues SOS-Bildungsprojekt erfolgreich gestartet

Bei dem neuem SOS-Bildungsprojekt in Bangladesch durften SOS-Kinder über Änderungen an ihren Schule mitbestimmen.

29.5.2015, Chittagong - Die Bemühungen, den Unterricht im SOS-Kinderdorf in Chittagong (Bangladesch) zu verbessern, haben sich gelohnt. Aus Anlass des internationalen Kindertags am 1. Juni, der besonders auf das Recht auf Bildung für Kinder hinweist, hat der Leiter des SOS-Kinderdorfs Mohammad Kaibir Faizul ein erstes positives Fazit gezogen. In den ersten Tests in diesem Schuljahr haben alle Kinder bessere Noten geschrieben als im Jahr zuvor. Zum ersten Mal durften die Schulkinder selbst mitentscheiden, wie sich der Unterricht ändern sollte. Dafür nahmen an einer Umfrage 150 Kinder teil. Das neue SOS-Bildungsprojekt hat das Ziel, den Unterricht an der SOS-Schulen in Bangladesch weiter zu verbessern.

Initiator des Projekts ist der Leiter des SOS-Kinderdorfs in Chittagong (Bangladesch), Mohammad Kaibir Faizul. Der SOS-Mitarbeiter freut sich über den schnellen Erfolg des Projekts: "Dass sich alle Kinder verbessert haben, das ist ein großer Erfolg für uns. Jeder, der die Klassen besucht, merkt sofort, dass die Kinder viel mehr Spaß am Lernen und am Unterricht haben als früher. Und dass die Schüler jetzt bessere Noten haben, zeigt schwarz auf weiß, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Das SOS-Projekt trägt den Titel "Gute Lehrer und beste Bildung für alle Schüler“ und läuft seit Anfang des Jahres. Um herauszufinden, wie man den Unterricht besser machen könne und was einen guten Lehrer ausmacht, ging Mohammad Kaibir Faizul dabei einen neuen Weg. Er befragte insgesamt über 150 SOS-Schüler. Darunter waren Waisenkinder aus dem SOS-Kinderdorf, aber auch Kinder, die von SOS mit dem Familienförderprogramm unterstützt werden. "Wer kann denn besser wissen, was in unserem Unterricht nicht optimal läuft als unsere Schüler", erklärt Faizul seine Idee der Mitbestimmung. In den Fragebögen mussten die Kinder rund 20 Fragen beantworten. So wurden sie beispielsweise befragt, welche Eigenschaften ein guter Lehrer haben sollte.Die Auswertung der Fragebögen zeigte einige Überraschungen. Unter anderem war den Kindern weniger wichtig, dass ein Lehrer alles weiß und ein absoluter Experte auf seinem Gebiet ist. Lehrer dürfen nach Meinung der Kinder durchaus etwas einmal nicht wissen. Den Schülern ist stattdessen wichtig, dass ein Lehrer etwas leicht verständlich erklären kann und Geduld mit den Kindern hat. Auch mehrfache Wiederholung des Unterrichtsinhalts ist den Schülern wichtig. Lehrer sollten die Kinder außerdem ernst nehmen.

Aus den Umfrageergebnissen erarbeitete das SOS-Team ein Anforderungsprofil für die Lehrer der Schule. Nur die Lehrer, die dieses erfüllten, wurden für das aktuelle Schuljahr verpflichtet. "Die Schüler merken dadurch, dass wir uns sehr um sie kümmern und eine noch bessere Schulbildung für sie wollen. Dadurch sind sie besonders motiviert, denn sie wollen uns mit guten Noten etwas zurückgeben", sagt SOS-Projektleiter Mohammad Kaibir Faizul.

Für das aktuelle Schuljahr hat das Projektteam sich ehrgeizige Ziele gesetzt. 100 Prozent der Grundschulkinder sollen den Grundschulabschluss erfolgreich bestehen. 90 Prozent der Schüler in der Mittelstufe sollen diese Klassen erfolgreich absolvieren. Insgesamt unterrichtet die Schule rund 300 Schüler. "Die Lehrer, das SOS-Team und vor allem die Kinder sind so ehrgeizig, dass ich davon überzeugt bin, dass wir dieses große Ziel erreichen werden“, sieht Faizul diesem Ziel hochmotiviert entgegen. Die wichtigen Prüfungen finden im November statt.

Hintergrund Bangladesch:
Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Schätzungsweise die Hälfte der Bewohner Bangladeschs leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Die Analphabetenquote bei den über 15-Jährigen liegt bei über 40 Prozent. SOS-Kinderdorf ist in Bangladesch an sechs Standorten vertreten. Um notleidenden Familien zu helfen, bietet  SOS auch Familienstärkungsprogramme an, die sich in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden dafür einsetzen, dass Kinder ausreichend Nahrung erhalten und Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssektor haben. SOS-Kinderdörfer betreiben u.a. eine Kindertagesstätte für die Kinder berufstätiger Mütter und ein Schulungszentrum für die Berufsbildung Erwachsener. Die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule in Chittagong unterrichtet bis zu 300 Kinder. In Bangladesch gibt es in Dhaka und in Bogra zwei weitere Schulen.