SOS-Kinderdorf Kumasi

Ghana hatte in den letzten zehn Jahren ein deutliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Dennoch ist das Gefälle zwischen Stadt und Land nach wie vor stark ausgeprägt. Zahlreiche - häufig unbegleitete - Jungen und Mädchen verlassen ihre Heimat auf dem Land und ziehen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die Stadt. Die meisten von ihnen landen auf der Straße.

Rasante Urbanisierung und Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten


In der Schule (Foto: C. Ngo Biyack)

Kumasi liegt etwa 250 km nordwestlich von Accra. Die Hauptstadt der Region Ashanti ist mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Aufgrund seiner zentralen Lage hat sich Kumasi zu einem bedeutenden Handelszentrum für Gold, Kakao und Holz entwickelt. In Ghana ist die ländliche Armut weit verbreitet. Viele Menschen suchen im Wirtschaftszentrum Kumasi nach einer zumindest vorübergehenden Beschäftigung.

Die rasante Urbanisierung bringt jedoch viele Probleme mit sich. Häufig finden die Zugezogenen keine Arbeit in der Stadt. Viele leben in unsicheren Behausungen unter schlechten hygienischen Bedingungen, fließendes Wasser und Strom sind eher selten. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist in Kumasi sehr hoch. Zahlreiche junge Frauen und Männer verbringen ihre Tage auf der Straße und versuchen sich mit dem Verkauf von Kleinwaren über Wasser zu halten. Dieses Leben ist nicht nur wenig einträglich, sondern auch gefährlich: Straßenverkäufer werden häufig Opfer von Verkehrsunfällen oder gewalttätigen Übergriffen.

Kinder sind am meisten von Armut betroffen

Auch Kinder arbeiten auf den Straßen von Kumasi, oft als „Kayayes“ oder Lastenträger. Die meisten Kayayes sind junge Mädchen aus armen Familien in den ländlichen Gebieten im Norden Ghanas ohne Bildung oder berufliche Qualifikationen. Diese Kinder verdienen kaum genug Geld zum Überleben. Daher ist auch die Kinderprostitution auf dem Vormarsch. Ghana ist auch ein beliebtes Ziel für Sextouristen geworden. Vor allem kleine Jungen werden Opfer sexueller Ausbeutung. Kinder, die zur Prostitution gezwungen werden, sind in hohem Maße durch HIV/AIDS gefährdet, da sie oft nur wenig über die Vermeidung einer möglichen Ansteckung wissen.

Mädchen aus den nördlichen Landesteilen werden meist im Alter von 15 bis 17 Jahren verheiratet und müssen traditionell Haushaltsgegenstände mit in die Ehe bringen. Wenn sie aus armen Familien stammen, die sich diese Mitgift nicht leisten können, ziehen sie in die Stadt und versuchen etwas Geld aufzutreiben, wodurch sie zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Die Zahl der Frühehen und jungen Mütter ist sehr hoch.

Unsere Arbeit in Kumasi


Schulkinder im SOS-Kinderdorf Kumasi (Foto: SOS-Archiv)

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Kumasi im Jahr 2008. Das Dorf liegt in Asokore Mampong, einer kleinen Gemeinde am Stadtrand von Kumasi. Bis zu 120 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in zwölf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Der SOS-Kindergarten steht sowohl Kindern aus dem Kinderdorf als auch aus der Gemeinde offen. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Später besuchen sie die SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule, in der bis zu 210 SchülerInnen aus dem Kinderdorf und der Gemeinde unterrichtet werden.

Darüber hinaus gibt es ein SOS-medizinisches Zentrum, in dem jedes Jahr bis zu 12 000 Mitglieder der Gemeinde behandelt werden. Hier erhalten Menschen, die sich sonst keine ärztliche Betreuung leisten könnten, eine medizinische Grundversorgung wie die Behandlung ansteckender und nicht infektiöser Krankheiten.

An das medizinische Zentrum ist ein SOS-Sozialzentrum angegliedert, in dem ein Familienstärkungsprogramm für die ganzheitliche und nachhaltige Unterstützung der Gemeinde geleitet wird. Die Angebote umfassen Aufklärung über Krankheitsprävention, soziale und materielle Hilfe für notleidende Familien, Beratungen über Kindeserziehung sowie Berufsberatung für Eltern.
 

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