Die Bauarbeiten zur Errichtung des SOS-Kinderdorfes Agadir begannen im Sommer 2006. Das Konzept des SOS-Kinderdorfes Agadir folgt den gleichen Grundsätzen wie das SOS-Kinderdorf El Jadida und hat zum Ziel, die Integration der Kinder des SOS-Kinderdorfes in ihrer lokalen Umwelt dank der zentralen Lage innerhalb der Stadt zu vereinfachen. Die Besonderheit des SOS-Kinderdorfes Agadir liegt darin, dass dessen Bau fast gänzlich durch Mittel lokaler Vereine, der Gemeinde und der Provinzregierung finanziert wird.
Die Küstenstadt Agadir befindet sich im Südwesten des Landes, 508 Kilometer südlich von Casablanca, 235 Kilometer westlich von Marrakesch und zählt derzeit etwa 700.000 Einwohner. Im Mittelalter stellte Agadir eine der wichtigsten Handelszentren Marokkos dar. Zwischen dem XVI. und XVIII. Jahrhundert erlebte die Stadt eine lange Phase des Wohlstands, der in der Mitte XVIII. Jahrhunderts an den Hafen von Essaouira verloren ging und Agadir bis zum Beginn des XX. Jahrhunderts in Lethargie stürzte. Im Jahre 1960 verwüstete ein Erdbeben Agadir, bei dem in nur 15 Minuten 15.000 Personen ums Leben kamen - die Stadt zählte damals 40.000 Einwohner - und die Stadt fast gänzlich neu aufgebaut werden musste. Heute ist Agadir eine moderne und aktive Stadt, die eine bedeutende Expansion erlebt, insbesondere dank seiner ergiebigen landwirtschaftlichen Produktion (Datteln, Gewürze) aber auch dank seiner starken Entwicklung im Tourismus.
Das SOS-Kinderdorf Agadir wird nach Fertigstellung aus vier dreistöckigen Gebäuden bestehen und bis zu 126 Kindern ein neues Zuhause bieten. Das SOS-Kinderdorf wird 14 Wohnungen für SOS-Kinderdorf-Familien, ein Verwaltungsgebäude, die Wohnungen des Dorfleiters und des stellvertretenden Dorfleiters, eine Gästewohnung sowie einen Lagerraum umfassen. Auf einem Gelände von 0,86 Hektar errichtet, liegt es in der Mitte einer Wohnsiedlung der Stadt und in unmittelbarer Nähe zu städtischer Infrastruktur (Unternehmen, eine Berufsbildende Schule und eine Privatschule, die sich in Bau befindet). Dank dieser Nähe können die Kinder die Schulen der Stadt besuchen und sich damit so gut wie möglich in der Gemeinde integrieren. Die wachsende Aktivität der Stadt wird den auszubildenden Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten hinsichtlich Praktika und Arbeitsplätzen bieten, besonders im Tourismussektor.