SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Die Arbeit der SOS-Kinderdörfer im Senegal begann 1975 im Rahmen eines Besuches des damaligen senegalesischen Staatschefs Senghor in Österreich. Der Gründer der SOS-Kinderdörfer Hermann Gmeiner unterbreitete dem Gast den Vorschlag, in seinem Land einen Kinderdorf-Verein zu gründen. Senghor war von der Idee begeistert. Gmeiner besuchte daraufhin das Land am Atlantik und kümmerte sich um die Vorbereitungen. 1976 wurde der Zusammenschluss offiziell gefeiert und dem Bau des ersten SOS-Kinderdorfes stand nichts mehr im Wege. Noch im gleichen Jahr legte die spätere Gattin des Präsidenten den Grundstein für das Kinderdorf in Dakar. Heute stehen dort 15 Familienhäuser, rund zehn Kilometer vom Zentrum der Millionenstadt entfernt. Die Umgebung ist ruhig und in der Mitte des Dorfes wächst ein riesiger, alter Affenbrotbaum, um den die Familienhäuser gruppiert sind.
Etwa 200 Kilometer südlich von Dakar liegt das zweite SOS-Kinderdorf im Senegal. Kaolack befindet sich in der heißesten und trockensten Region des Landes, die wegen dem hier vorherrschenden Anbau von Erdnüssen als "Erdnußprovinz" bezeichnet wird. Rund 100 Kinder leben in dem Dorf. Der Kindergarten und die Hermann-Gmeiner-Schule werden auch von den Kindern aus der näheren Umgebung besucht, so dass ein reger Austausch zwischen den jungen Menschen stattfindet. Der ganze Stolz von Kaolack ist ein medizinisches Zentrum, das auch eine Geburtshilfe-Station beinhaltet. Nach dem Bau des dritten SOS-Kinderdorfes Louga nordöstlich der senegalesischen Hauptstadt Dakar folgte im Jahr 1998 das bislang jüngste Dorf im Süden des Landes. Im SOS-Kinderdorf in Ziguinchor leben fast 100 Kinder in zehn Familienhäusern.
Angesichts der hohen Analphabetenrate in Senegal ist Bildungsarbeit ein Schwerpunkt des Engagements der SOS-Kinderdörfer im Land. Außer in Kaolack entstand eine zweite SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen in Louga. Die beiden Schulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Bildungsniveaus und genießen aufgrund ihres hohen pädagogischen Standards einen ausgezeichneten Ruf.
Neben den vier Dörfern haben die SOS-Kinderdörfer im Senegal zudem ein Programm zur Stärkung der Familie ins Leben gerufen. Ziel der Maßnahme ist es, die Lebensbedingungen der Kinder armer Familien zu verbessern, ihnen Nahrung und Medikamente zu geben und den Schulbesuch zu ermöglichen. Im Rahmen der Initiative werden Eltern beispielsweise bei der Arbeitssuche unterstützt. So kann verhindert werden, dass Eltern ihre Kinder aus Armut vernachlässigen oder fort geben.
Auch als im Jahr 2002 ein fürchterliches Schiffunglücks zahlreiche Menschenleben forderte und viele Kinder dadurch ihre Eltern verloren, waren die SOS-Kinderdörfer zur Stelle. Es wurde ein ein Nothilfeprogramm initiiert, in dessen Rahmen Lebensmittel, Medikamente und Schulmaterial zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem wurden mehr als 100 elternlose Kinder in den senegalesischen SOS-Kinderdörfern aufgenommen. Hierfür musste unter anderem das SOS-Kinderdorf Ziguinchor um zwei Familienhäuser erweitert werden.
Zurzeit gibt es in Senegal vier SOS-Kinderdörfer, drei SOS-Jugendeinrichtungen, vier SOS-Kindergärten, zwei SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, ein SOS-medizinisches Zentrum und fünf SOS-Sozialzentren (Familienstärkungsprogramme). Eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule ist in Bau und ein weiteres SOS-Kinderdorf in Planung.