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25 Jahre nach Tschernobyl: Hilfe für krebskranke Kinder in Weißrussland 

Während Japan gegen die Reaktorkatastrophe in Fukushima kämpft, jährt sich der Super-Gau von Tschernobyl zum 25. Mal: Am 26. April 1986 explodierte in dem ukrainischen Atomkraftwerk der Reaktorblock IV. In Weißrussland, wo ein Großteil des radioaktiven Fallouts niederging, leiden heute noch Kinder unter den Spätfolgen. Im SOS-Sozialzentrum Borowljany bei Minsk erhalten krebskranke Kinder und ihre Familien Beistand - und manchmal ereignen sich dort auch kleine und große Wunder.


Kind im SOS-Sozialzentrum in WeißrusslandIm SOS-Sozialzentrum in Borowljany: Hier können Familien wohnen, während die Kinder in der nahen Krebsklinik behandelt werdenIm weißrussischen SOS-Kinderdorf Borowljany bei Minsk stehen zwei Häuser, die genauso aussehen wie die anderen Familienhäuser. In ihnen ist ein ganz spezielles SOS-Sozialzentrum untergebracht: Familien mit krebskranken Kindern finden hier Hilfe, ein offenes Ohr und einen geschützten Raum.
467 Mädchen und Jungen sowie 123 Mütter (seltener auch Väter) waren im vergangenen Jahr hier vorübergehend untergebracht. Die Kinder und Eltern stammen aus  den südlichen Gebieten Weißrusslands, die unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl besonders zu leiden haben. Manche der Kinder kommen nach Borowljany, weil sie sich einer Chemotherapie in der nahe gelegenen Spezialklinik unterziehen müssen. Sie können mit ihren Müttern im Sozialzentrum wohnen, denn im Krankenhaus ist die Unterbringung extrem belastend - wenn überhaupt möglich. Die Therapie dauert oft Monate. Im Sozialzentrum finden die Kinder gemeinsam mit ihren Müttern Abstand und Ruhe.

Viele Kinder haben chronische Krankheiten

Andere Familien kommen zur Erholung nach Borowljany. Die Kinder müssen raus aus der verseuchten Gegend und die Eltern finden hier Rat für ihre schwierige Situation: Juristische Beratung gehört dazu, aber auch Informationen zur kindsgerechten, vorbeugenden Ernährung. Und am allerwichtigsten: Psychologische Unterstützung, um den Umgang mit den extrem belastenden Lebensumständen in kleinen Schritte zu erlernen. Viele Kinder haben chronische Krankheiten, die Familien sind arm und nicht wenige davon zerbrechen unter der Last des Alltags. Zurück bleiben überforderte Mütter mit traumatisierten Kindern. Sie alle finden hier Hilfe. Ein Aufenthalt im Sozialzentrum wirkt wie eine Reha, ein Ferienlager für die Kinder wie ein Ausflug in eine andere Welt. Die Not, die Tschernobyl über die Menschen gebracht hat, wird man damit nicht abstellen, aber lindern. Und das Sozialzentrum zeigt Wege auf, mit der Not umzugehen.

Behandlung der Fachklinik in BorowljanyIn der Fachklinik in Borowljany: Ludmilla mit Wassilij und Wowa"Die größte Herausforderung für uns ist es, die Kinder nicht als Kranke zu sehen, sondern als Menschen, die einfach Hilfe brauchen“, sagt Lilya Shestakova, die Leiterin des Zentrums. Mitleid hilft nicht weiter, Mitfühlen und aufmerksames Hinschauen und Handeln dagegen sehr. Für einen Außenstehenden mögen ein paar Wochen Abstand vom Alltag nichts Besonderes sein. Für die Familien ist es sehr wohl etwas Besonderes: Die Menschen sind überglücklich, die Last einmal eine gewisse Zeit hinter sich lassen zu können und auf andere Menschen zu treffen, die Verständnis haben für die Not des Alltäglichen in den verseuchten Gebieten. Eine Mutter sagt: "Wir haben hier zum ersten Mal das Gefühl kennen gelernt, dass eine Veränderung zum Guten möglich ist. Allein das gibt uns schon Kraft."

Ludmillas Gelübde

Man schätzt, dass 70 Prozent aller weißrussischen Kinder unter Krankheiten leiden, die mehr oder weniger durch die Strahlenbelastung hervorgerufen wurden – angefangen bei Schwächungen des Immunsystems über Schilddrüsenerkrankungen bis hin zu Leukämie. Das Ausmaß an Leid, hervorgebracht durch den Super-GAU, erscheint übermächtig. Und doch gibt es gerade hier auch die kleinen und großen Wunder: Eine Mutter aus dem Norden, die ihren Sohn hierher zur Chemotherapie brachte. Im Krankenhaus fand sie einen Waisenjungen, der ebenfalls an Krebs litt - aber keiner schaute nach ihm, es war keiner da. Die Mutter, Ludmilla, legte ein Gelübde ab: Wenn ihr eigener Sohn die Krankheit überstehen würde, würde sie den anderen Jungen mitnehmen und adoptieren. Das Wunder geschah. Beide Jungen leben heute bei Ludmilla in einer Kleinstadt im Norden Weißrusslands.

Sie können den Kindern in Weißrussland helfen!

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