Chile: Plünderer bedrohen SOS-Kinderdörfer im Erdbebengebiet

02.03.2010 - Nach dem schweren Erdbeben in Chile herrscht in Concepción und anderen betroffenen Gebieten der Ausnahmezustand. Die SOS-Kinderdörfer im Katastrophengebiet berichten von Plünderungen und Schusswechseln in ihren Nachbarschaften.

Wie Dorfleiterin Jessica Lange meldet, ziehen bewaffnete und gewaltbereite Gruppen durch die Straßen von Concepción. Plünderer versuchten gestern, auch in das Kinderdorf einzubrechen. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage bleiben alle Kinder und Mitarbeiter in den Häusern.
Auch Norma Valdes, die Leiterin des SOS-Mütterausbildungszentrums nahe Concepción, berichtete von Schusswechseln und der Plünderung sämtlicher Geschäfte in der Umgebung.
Im SOS-Kinderdorf in Chaimávida, rund 20 Fahrminuten von Concepción entfernt, wurden SOS-Mitarbeiter Zeuge, wie in der Nachbarschaft Autos und Treibstoff gestohlen wurden.

SOS-Hilfstransporte sind unterwegs

Erdbebenschäden im SOS-Büro in in Santiago
Erdbeben in Chile: In einigen SOS-Einrichtungen entstanden Gebäudeschäden, wie hier im SOS-Büro in Santiago.
Ein SOS-Hilfsteam befindet sich derzeit auf dem Weg nach Concepción. Es wird von Pablo Perez geleitet, der erst kürzlich von einem Hilfseinsatz für SOS-Kinderdorf in Haiti zurückgekehrt ist. Ein Lastwagen mit Hilfsgütern (Trinkwasser, Mehl) für die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen ist ebenfalls unterwegs nach Concepción. Ein weiterer Transport soll von Puerto Mont aus Decken, Zelte, Wasser und andere Hilfsgüter zu den SOS-Kinderdörfern liefern.

Schutz der SOS-Kinderdörfer

Die Mitarbeiter des nationalen SOS-Büros in Santiago versuchen derzeit, mit Polizei und Armee in Kontakt zu treten, um den Schutz der SOS-Kinderdörfer im Katastrophengebiet sicherzustellen. Die SOS-Kinderdörfer in Chile sind außerdem in Kontakt mit der nationalen Jugendwohlfahrtsbehörde, um etwaige Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.

Erst wenn sich die Lage beruhigt hat und feststeht, wie hoch der Bedarf in den SOS- Einrichtungen ist, kann an Hilfsaktionen für betroffene Kinder und Familien in den Nachbarschaften gedacht werden. In der Erdbebenregion befinden sich sechs SOS-Kinderdörfer, die grundsätzlich in der Lage sind, unbegleitete und besonders hilfebedürftige Kinder zeitweise aufzunehmen, bis ihre familiäre Situation geklärt ist.

Das Erdbeben, das am 27. Februar Chile erschütterte, forderte in den SOS-Kinderdörfern des Landes keine Verletzten. Im SOS-Kinderdorf Bulnes wurden durch die Erdstöße jedoch sechs Familienhäuser schwer beschädigt. In anderen SOS-Einrichtungen entstanden nur leichtere Gebäudeschäden.