Ebola: Schulen bleiben geschlossen

Für Millionen Kinder fällt das neue Schuljahr aus

07.11.2014 - Wegen der grassierenden Ebola-Epidemie in Westafrika bleiben die Schulen für fünf Millionen Kinder geschlossen. "Ebola hat verheerende Auswirkungen auf die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen in unserem Land", sagt Emmanuel Woode, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Sierra Leone. Da auch die SOS-Schulen geschlossen bleiben müssen, erhalten die SOS-Kinder Heimunterricht.

Die Schule fällt auf unbestimmte Zeit aus, Millionen Kinder in Westafrika müssen wegen der Ebola-Epidemie zu Hause bleiben - Foto: Tommy Trenchard

In Sierra Leone, Liberia und Guinea sollte jetzt eigentlich nach dem Ferienende das neue Schuljahr beginnen. Doch daran ist aufgrund der allgegenwärtigen Ansteckungsgefahr nicht zu denken.

"Es zeichnet sich ab, dass die Schulen nicht vor Mitte 2015 öffnen können", sagt Emmanuel Woode, SOS-Leiter in Sierra Leone. "Das bedeutet letztlich, dass ein ganzes Schuljahr verloren ist." Auch in den von der Ebola-Epidemie schwer getroffenen Nachbarländern Guinea und Liberia bleiben die Schulen auf unbestimmte Zeit geschlossen.

"Was wir durchleiden ist ein neuer Krieg"

Die Ebola-Epidemie droht somit den Bildungsnotstand in den betroffenen Ländern zu verschärfen. In Sierra Leone und Liberia ist während der Bürgerkriegsjahre eine Generation von Analphabeten herangewaschen. In Sierra Leone können rund zwei Drittel der Erwachsenen nicht lesen und schreiben, in Liberia ist etwa jeder Dritte Analphabet. "Ebola wird gravierende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben", warnt der liberianische SOS-Direktor George Kordahi. "Was wir durchleiden ist ein neuer Krieg – aber in einer anderen Gestalt."

Kein Ersatz: Schulsendungen in Radio und TV

Als Behelfslösung werden in Sierra Leone Schulsendungen in Radio und TV ausgestrahlt, wie sie auch in Liberia geplant sind. Doch in Sierra Leone zeigt sich bereits, dass sich ein Großteil der Kinder und Jugendlichen dadurch nicht erreichten lässt. Denn in vielen Haushalten gibt es keinen Fernseher und der TV-Unterricht wird zudem durch die vielen Stromausfälle gestört. Radiogeräte sind hingegen relativ weitverbreitet. Doch die Kosten für Batterien sind seit der Ebola-Krise im Zuge der allgemeinen Preisexplosion in die Höhe geschnellt und werden für viele Familien zunehmend unerschwinglich. "Am besten kann man die Bildungsprogramme noch über Mobil-Telefone verfolgen, weshalb man in den Städten viele Kinder sieht, die ihre Ohren an ein Gerät drücken", sagt Woode.

Heimunterricht in den SOS-Kinderdörfern


Im Juni wurde die SOS-Schule in Monrovia nach Abschluss der Renovierung eröffnet. Nun muss die Schule geschlossen bleiben.

Wegen der Ebola-Epidemie müssen auch die insgesamt elf SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen und acht SOS-Kindergärten in Sierra Leone, Guinea und Liberia geschlossen bleiben. Um den Kindern zumindest einen grundlegenden Basisunterricht zu bieten, springen die SOS-Mütter ein. In den drei SOS-Kinderdörfern in Sierra Leone hat seit dieser Woche zudem ein geregelter Hausunterricht begonnen: Nach sorgfältigen medizinischen Checks untersuchen einige ausgewählte Lehrer die SOS-Kinder innerhalb des Kinderdorf-Geländes in den Kernfächern. "Unsere Kinder haben Glück", betont SOS-Leiter Woode. Die Ebola-Waisen in den Auffangheimen kämpfen dagegen ums Überleben.

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