SOS-Kinderdörfer in Liberia

Wie die SOS-Kinderdörfer in Liberia helfen

Liberia, einst eine stolze und blühende Nation, die von befreiten afrikanischen Sklaven gegründet wurde, ist heute eins der ärmsten Länder des Kontinents. Die extreme Armut, Nachkriegstraumata und wirtschaftliche Entbehrungen machen das Leben in diesem westafrikanischen Land zu einer besonderen Herausforderung. SOS-Kinderdorf hilft der heranwachsenden zukünftigen Generation Liberias, das Land wieder auf einen besseren Kurs zu bringen.

Die politische Instabilität hat das Land geprägt

Flüchtlingskinder auf ihrem Weg zur Schule (Foto: SOS-Archiv)
Flüchtlingskinder auf ihrem Weg zur Schule (Foto: SOS-Archiv)

Die Republik Liberia liegt in Westafrika und grenzt an Sierra Leone, Guinea und an die Elfenbeinküste. Im Jahr 1822 gründeten befreite afrikanische Sklaven das heutige Liberia (“liberty”, Freiheit) und benannten die Hauptstadt Monrovia nach James Monroe, dem fünften Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten waren immer sehr eng. Dadurch blieb Liberia als eins von nur insgesamt zwei afrikanischen Ländern vom "Wettlauf um Afrika" der europäischen Mächte verschont, die in großen Teilen des Kontinents einmarschierten und die besetzten Länder der Kolonialherrschaft unterwarfen. Bis zu einem Militärputsch im Jahr 1980 war Liberia wirtschaftlich und politisch stabil. Während der 80er und 90er Jahre litt das Land jedoch unter autoritärer Herrschaft und Unterdrückung und machte einen langen, grausamen Bürgerkrieg durch. Während Liberias brutalem Bürgerkrieg verloren 250 000 Menschen ihr Leben, und viele Tausende mussten vor den Kämpfen flüchten. Auf Druck der internationalen Gemeinschaft trat der Kriegsherr und frühere Präsident Charles Taylor 2003 zurück und ging ins Exil. 2012 wurde er wegen Kriegsverbrechen für schuldig gefunden und zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt.

Seit 2006 ist Ellen Johnson Sirleaf Präsidentin und im Jahr 2011 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Trotz ernster Bemühungen der jetzigen Regierung ist der Wiederaufbau im kriegsgeschüttelten Liberia eine extrem schwierige Aufgabe. Ca. 15 000 Soldaten der UN-Friedenstruppen sind derzeit in Liberia stationiert, aber die Sicherheitslage ist dennoch instabil. Vor der weltweiten Finanzkrise stieg das BIP in Liberia um jährlich ca. 14 Prozent.

Eine stabile gesamtwirtschaftliche Situation wird entscheidend dafür sein, ein Wirtschaftswachstum zu erzielen, das auch die unteren Bevölkerungsschichten erreicht. Die afrikanische Entwicklungsbank hat ein Entschuldungspaket in Höhe von 237 Millionen US-Dollar für Liberia verabschiedet, nachdem festgestellt wurde, dass das Land alle erforderlichen Kriterien einschließlich einer erfolgreichen Bekämpfung der Armut, gesamtwirtschaftlicher Stabilität und guter Regierungsführung erfüllt. Der Wiederaufbau der Infrastruktur ist eine der höchsten Prioritäten in Liberia. In den letzten Jahren hat die Regierung Liberias große Anstrengungen unternommen, um das Straßennetz, Schulen und medizinische Einrichtungen wieder aufzubauen. Die Gesamtbevölkerung Liberias beträgt 3,7 Millionen.

Ein kriegsgeschütteltes Land auf dem Weg zurück in die Normalität

Der Bürgerkrieg in Liberia hat wichtige Teile der Infrastruktur des Landes zerstört und die extreme Armut der liberianischen Bevölkerung noch weiter verschlimmert. Liberia gehört heute zu den ärmsten Ländern Afrikas. Die Grundversorgung mit fließendem Wasser, einem öffentlichen Stromnetz oder einer Abwasserkanalisation ist entweder nur begrenzt oder gar nicht vorhanden. Der Zugang zu sanitären Einrichtungen und einem Abwassersystem ist vor allem in den ländlichen Regionen des Landes extrem selten. Ca. 83 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. In der Hauptstadt Monrovia sind die Lebensbedingungen besonders hart.

Der Friedhof in Monrovia wird häufig als Müllhalde genutzt, da es keine anderen Abfalldeponien gibt. In den ländlichen Regionen des Landes ist die Situation manchmal sogar noch schlimmer - 93 Prozent der Menschen müssen mit verunreinigtem Wasser auskommen, und Tausende sind völlig von der Wasserversorgung abgeschnitten. In einigen Gebieten nutzen die Menschen Flüsse oder Sümpfe als Latrinen. 31 Prozent der Menschen in Liberia sind unterernährt.

Der Mangel an Ressourcen gefährdet das Leben von Kindern

Dank SOS-Kinderdorf können Hunderte von Kindern in die Schule gehen und den Arzt besuche (Foto: C. Ladavicius).
Dank SOS-Kinderdorf können Hunderte von Kindern in die Schule gehen und den Arzt besuche (Foto: C. Ladavicius).

In einem Land, das durch einen 14 Jahre anhaltenden Bürgerkrieg tief erschüttert worden ist, existierten die Rechte der Kinder nur auf dem Papier. Während des Krieges waren die Kinder im Land besonders hart getroffen; Tausende wurden als Kindersoldaten rekrutiert, viele wurden zu Waisen, andere selbst getötet. Obwohl es in Liberia auch vor dem Krieg Kinderrechtsverletzungen gegeben hatte, hat der Bürgerkrieg das Problem in seiner ganzen Bandbreite und auch in fast allen Regionen des Landes noch verschärft.

340 000 liberianische Kinder wachsen derzeit ohne elterliche Fürsorge auf. Derzeit werden Anstrengungen unternommen, um für diese jungen Liberianer erträgliche Lebensbedingungen zu schaffen. Die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen im Land ist zu einer der höchsten Prioritäten im komplexen Prozess des Wiederaufbaus im Nachkriegs-Liberia geworden.
In einigen Regionen Liberias gibt es weder medizinische Zentren noch Schulen. Viele wurden während des Krieges zerstört und nie wieder aufgebaut.

Das Ergebnis ist eine alarmierend hohe Analphabetenquote von 40 Prozent bei Liberianern im Alter von 15 Jahren und darüber. Nichtsdestotrotz macht die jetzige Regierung unbestreitbar Fortschritte. Alle Kinder in Liberia haben kostenlosen Zugang zur Grundschulbildung, und das Land investiert in die schulische Infrastruktur. Bildung ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft - ein breit angelegtes Programm zur Bekämpfung der Armut in Liberia (LBPWP) umfasst deshalb auch die Sanierung und den Wiederaufbau von Schulen, um auch ländlichen Gemeinden Zugang zum Bildungssystem zu verschaffen.

Die Einschulungsraten sind daher seit 2007 deutlich gestiegen. Dennoch ist es aufgrund mangelnder Ressourcen für viele Schulen sehr schwierig, mehr Schüler aufzunehmen. Aufgrund der wirtschaftlichen Notlage können viele Familien ihre Kinder nicht ausreichend ernähren. Tausende von Kindern sind stark unterernährt, jedes fünfte Kind in Liberia ist untergewichtig. Aufgrund der allgemein bekannten Tatsache, dass die Verringerung der Jugendarmut zu mehr Stabilität und Frieden führt, sind erhebliche Anstrengungen unternommen worden, um für den jüngsten Teil der Erwerbsbevölkerung die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu verbessern.
 

SOS-Kinderdorf in Liberia

Die Tätigkeit von SOS-Kinderdorf in Liberia begann im Jahr 1978. Während der langen Jahre des Bürgerkriegs waren die SOS-Kinderdörfer immer ein sicherer Zufluchtsort für Kinder und Familien in Not. Da der Großteil der schulischen Infrastruktur des Landes zerstört wurde, ist die Hermann-Gmeiner-Schule in Monrovia von ganz besonderer Bedeutung. SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Jugendliche in Liberia durch Kindertagesstätten, Schulen und medizinische Versorgung an drei verschiedenen Standorten. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

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