Erdbeben Ecuador: 22.000 Menschen leben in Notlagern

SOS-Kinderdörfer leisten Nothilfe und warnen vor Tetanus- und Gelbfieber-Ausbruch

04.05.2016 - Nach dem schweren Erdbeben in Ecuador im April leben rund 5.400 Familien in Notunterkünften. Die SOS-Kinderdörfer verteilen dort Lebenswichtiges wie Wasser, Nahrung, Medizin und Taschenlampen an die Erdbebenopfer. Sie warnen vor einem Ausbruch von Tetanus und Gelbfieber.

Ein 17-jähriges Mädchen steht vor den Überresten ihres Hauses. Sie duschte, als die Erde bebte, konnte sich jedoch in Sicherheit bringen. Fotos: Marco Garro

Ein achtjähriges Mädchen spielt in der behelfsmäßigen Behausung, die ihr Vater gebaut hat. Das Haus der Familie wurde komplett zerstört.

In Städten rund um das Epizentrum des Erdbebens wurden die meisten Straßen und wichtige Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser zerstört. Rund 5.400 Familien, insgesamt etwa 22.000 Menschen, leben in Notunterkünften. Vor allem Portoviejo und Pedernales sind betroffen.

Angst vor Tetanus und Gelbfieber

Nach dem Erdbeben in Ecuador warnen die SOS-Kinderdörfer vor einem Ausbruch von Tetanus und Gelbfieber. Bei der Katastrophe am 16. April waren mindestens 659 Menschen getötet und über 22.000 obdachlos geworden. Viele davon wurden beim Erdbeben oder der späteren Suche nach Hab und Gut in den Trümmern verletzt.

Impfungen gegen Infektionskrankheiten seien deshalb nun am wichtigsten, sagt der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Ecuador, Gontran Pelissier: "Vor allem Tetanus- und Gelbfieber-Impfungen sind nun dringend erforderlich."

SOS-Kinder in Sicherheit

Die SOS-Kinderdörfer sind an sechs Standorten in Ecuador aktiv. Alle SOS-Kinder und Einrichtungen im Land blieben unversehrt. Das Kinderdorf Esmeraldas wurde aufgrund einer Tsunami-Warnung nach dem Erdbeben evakuiert. Die Kinder und Mitarbeiter konnten bald wieder in das Dorf zurückkehren.

SOS-Nothilfe für Kinder und Familien


SOS-Freiwillige helfen einem verletzten Mann in den Rollstuhl. Sie befinden sich im temporären Nothilfelager des Portoviejo Flughafens.

Die Nothilfe-Maßnahmen der SOS-Kinderdörfer fokussieren sich besonders auf die Städte Portoviejo und Pedernales, beide nahe dem Epizentrum gelegen. Rund 13 Personen sind momentan an der Nothilfe der SOS-Kinderdörfer vor Ort beteiligt. Vier weitere Kollegen folgen in den nächsten Tagen.

Bisher konnte das SOS-Team bereits folgende Hilfsmaßnahmen umsetzen:

  • Zwei Teams aus Psychologen und Sozialarbeitern betreuen Kinder und ihre Familien in den Notlagern.
  • SOS-Mitarbeiter verteilen Wasser und Notfall-Kits in neu angelegten Verteilungszentren in Quito und Portoviejo. Die Notfall-Kits enthalten unter anderem Taschenlampen und Erste-Hilfe-Pakete.
  • Die SOS-Kinderdörfer arbeiten eng mit Experten des MHW (Medizinisches Katastrophen-Hilfswerk Deutschland) zusammen, um medizinische Hilfe zu leisten.
  • Es wurde in Pedernales ein kostenloser Zugang zu Internet und Telefon eingerichtet. Dort können die Menschen mit ihren Familien Kontakt aufnehmen und sich informieren.