Schweres Erdbeben in Chile: SOS-Kinderdörfer helfen

27.02.2010 -

Concepcion
Das SOS-Kinderdorf in Concepcion
27.02.2010 - Ein schweres Erdbeben der Stärke 8,8 hat in der Nacht zum Samstag Chile getroffen und löste vor der Pazifikküste Südamerikas eine Flutwelle aus. Das Beben, das Haitis Hauptstadt Port-au-Prince im Januar verwüstete hatte die Stärke 7.0.

Das Beben am Samstagmorgen dauerte knapp zwei Minuten  und unterbrach die Strom- und Telefonleitungen in der Hauptstadt Santiago.

Das Beben hatte sein Zentrum 200 Meilen südwestlich von Santiago in einer Tiefe von 22 Meilen. Das Epizentrum lag damit 70 Meilen von Concepcion, Chile zweitgrößte Stadt entfernt.

SOS-Kinderdörfer richten Notunterkünfte für unbegleitete Kinder ein

Im Großraum von Concepcion gibt es vier SOS-Kinderdörfer, die ab sofort bereit sind, Notunterkünfte für unbegleitete Kinder bereitzustellen und die Wiedervereinigung der Kinder mit deren Familien zu unterstützen.

Bitte unterstützen Sie die weltweite Nothilfe der SOS-Kinderdörfer mit Ihrer Spende.

Erster Situationsbericht aus Chile

Folgenden Situationsbericht haben wir am Samstag (27. Februar) von Victor Beltrán, dem Nationalen Direktor der SOS-Kinderdörfer in Chile erhalten:

Victor Beltrán
Victor Beltrán, Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer in Chile
"Ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala erschütterte die Küste von Chile am Samstagmorgen um 3:34 Uhr. Das Epizentrum lag in der Region Bio Bio, dessen Hauptstadt die Stadt Concepción ist.

Die Kommunikation mit den SOS-Programmen und mit den Mitarbeitern der SOS-Einrichtungen ist praktisch unmöglich, weil die Mobilfunknetze nicht funktionieren und das Festnetz nur in einigen Gegenden zur Verfügung steht. Wir haben bislang nur Berichte aus den SOS-Kinderdörfern Santiago und Curicó. In Santiago gab es weder Todesopfer noch Schäden an der Infrastruktur. Ebenso gab es auch in Curicó keine Schäden. Curicó liegt ganz in der Nähe des Epizentrums.

Wir wissen außerdem, dass die historischen Teile von Santiago schwer beschädigt wurden. Es gibt viele Stadtteile ohne Strom. Der öffentliche Nahverkehr der Stadt kam zum erliegen. Weder die U-Bahn noch die Stadtbusse des "Transantiago" sind derzeit in Betrieb. Es gibt nur wenige Taxis in den Straßen. Im Rest des Landes wurden durch das Ministerium für öffentliche Arbeiten verschiedenen Straßen gesperrt, da zahlreiche Brücken und Viadukte zusammengebrochen waren. Die örtlichen Behörden haben die Menschen die derzeit in den Sommerferien sind empfohlen, dort zu bleiben, wo sie sich gegenwärtig aufhalten und ihnen abgeraten in die Hauptstadt zurückzukehren. Der internationale Flughafen Arturo Merino Benitez ist beschädigt und wird für mindestens 48 Stunden geschlossen bleiben.

Im Allgemeinen hat sich die Bevölkerung ruhig verhalten. Viele Menschen verließen ihre Häuser um Zuflucht in den Parks und auf den Plätzen zu suchen, die weiter von hohen Gebäuden entfernt liegen. Die Situation ist immer noch angespannt. Überall in der Stadt sind Alarmsirenen zu hören. Mehrere Feuer wurden gemeldet.

Das chilenische SOS-Büro hat nur wenige Schäden am Dach und am Mauerwerk davongetragen. Etliche Computer und andere Büroausstattung wurde beim Erdbeben zerstört. Ein Raum kann derzeit wegen einer blockierten Tür nicht betreten werden.

Ich bin darum bemüht, Kontakt mit der Bio Bio Region und den dortigen SOS-Einrichtungen aufzunehmen. Während ich diesen Bericht schreibe gab es erneut ein starkes Beben in Santiago."

SOS-Kinderdörfer in Chile

Die SOS-Kinderdörfer sind seit 1965 in Chile aktiv. Das SOS-Kinderdorf Concepción, das in der Erdbebenregion liegt, war das erste SOS-Kinderdorf des Landes. Zur Zeit gibt es in Chile dreizehn aktive SOS-Kinderdörfer, elf SOS-Jugendeinrichtungen, vier SOS-Kindergärten, zwei SOS-Ausbildungszentren und zehn SOS-Sozialzentren.
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