Erdbeben in Nepal: "Die Lage ist dramatisch"

Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer im Radio-Interview

28.04.2015 - Nach dem schweren Erdbeben in Nepal ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Bislang sind nach Behördenangaben mehr als 4.300 Tote geborgen worden, doch die Zahl dürfte noch deutlich steigen. Nepals Regierung befürchtet bis zu 10.000 Tote. Viele Regionen in der Nähe des Epizentrums sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Die Zahl der Verletzten ist nicht abschätzbar. Aus Nepals Nachbarländern wurden bislang etwa 90 Todesopfer gemeldet, die meisten von ihnen in Indien. Die SOS-Kinderdörfer weltweit betreiben in Nepal zehn Kinderdörfer und zahlreiche weitere Einrichtungen wie Schulen und Familienzentren. Über die verzweifelte Lage der Menschen im Erdbebengebiet spricht SOS-Pressesprecher Louay Yassin im Radio-Interview.

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Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal

Herr Yassin, noch immer ist das gesamte Ausmaß des Erdbebens nicht absehbar, zu spärlich sickern die Informationen durch. Stehen Sie denn mit den SOS-Einrichtungen in Nepal im ständigen Kontakt und bekommen aktuelle Informationen?


Erdbeben in Nepal: Eine Mutter mit Kind sucht Schutz  - Foto: Scanpix

Ja, wir bekommen Informationen, wir haben uns mit den Kollegen vor Ort ausgetauscht. Allerdings ist das nicht einfach, weil zwar die Telefone funktionieren, aber der Strom immer wieder längere Zeit ausfällt, sodass dann nichts mehr geht - keine Handy-Verbindung, keine Telefonverbindung, Skype schon gleich gar nicht. Wir sitzen dann auf Kohlen, bis wir wieder Kontakt bekommen.

Wie ist denn die aktuelle Lage in den betroffen  Regionen? Die ersten Bilder lassen ja Fürchterliches erahnen …

Die Lage ist mehr als dramatisch, möchte ich mal vorsichtig sagen. Es gibt Städte wie Bhaktapur, die praktisch gänzlich dem Erdboden gleichgemacht wurden. Unsere Kollegen waren dort und haben mitgeteilt: Die Menschen praktisch der ganzen Stadt leben auf der Straße.  Sie haben sich aus Plastikplanen Unterkünfte geschaffen, es gibt immer wieder Nachbeben, die relativ schwer sind. Es regnet, es fehlt an praktisch allem. Es ist kein Essen da, es gibt kein sauberes Wasser. Es fehlt an Holz für die Verbrennung der Toten, das heißt, es besteht akute Seuchengefahr. Man kann es sich nicht schlimm genug vorstellen.

Und die SOS-Einrichtungen selbst? Wie sehr wurden die von dem Beben beschädigt oder sogar zerstört?

Glücklicherweise bauen wir ja weltweit sehr stabil und massiv. Die Kinderdörfer und alle anderen Einrichtungen sind unbeschädigt geblieben. Es ist kein SOS-Kind verletzt worden. Das hat uns aber auch gleich in die Lage versetzt, direkt nach dem Erdbeben aus den Kinderdörfern mit Nothilfe zu beginnen.

Wie muss man sich die SOS-Nothilfe in dieser Ausnahmensituation denn vorstellen?

In manchen Kinderdörfern waren direkt nach dem Erdbeben schon mehrere 100 Menschen, die dort Zuflucht gesucht haben. Wir haben jetzt mit Nahrungsmittellieferungen begonnen. Langfristig werden wir uns gezielt um Kinder kümmern, die im Chaos des Erdbebens entweder ihre Eltern verloren haben oder von ihren Familien getrennt wurden. Sie müssen wieder mit ihren Angehörigen vereint werden - und diese müssen unterstützt werden.

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