Nepal: Telefon-Interview mit SOS-Helferin

SOS-Mitarbeiterin berichtet aus Erdbebengebiet

29.04.2015 - SOS-Mitarbeiterin Elitsa Dincheva aus München reiste privat durch Nepal, als sie von dem verheerenden Erdbeben überrascht wurde. Jetzt ist sie im SOS-Kinderdorf Sanothimi, um die SOS-Nothilfe vor Ort zu unterstützen. Im Telefon-Interview spricht sie über die aktuelle Lage im Katastrophengebiet.

Freiwillige Helfer: Jugendliche aus dem SOS-Kinderdorf versorgen eine Verletzte in Kathamandu, Nepal.

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Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal

Frau Dincheva, die erste Frage: Wie geht es Ihnen, den Kindern und den Mitarbeitern im Kinderdorf in Sanothimi?

Alle Kinder sind wohlauf, alle Mütter, alle Mitarbeiter. Es herrscht jetzt die Stimmung: Jetzt packen wir an und helfen denen, die es getroffen hat. Es gibt viele Menschen, die Hilfe brauchen und wir helfen mit gemeinsamen Kräften.

Wie müssen wir uns die SOS-Hilfe vorstellen? Geht es auch nach vier Tagen immer noch darum, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen?

Jetzt wandelt sich langsam die Hilfe, jetzt werden z.B. Nothilfe-Kitas eingerichtet, in denen Kinder betreut werden, die in den Notcamps leben. Kinder werden dort von SOS-Müttern betreut und es werden auch Frauen aus den Camps gesucht, die unter Anleitung von SOS-Mitarbeitern auf die Kinder aufpassen, so dass die Eltern z.B. Essen oder Wasser aus ihren Häusern holen können. Das können sie mit fünf, sechs Kindern derzeit natürlich nicht so leicht machen, da sie Angst haben müssen, dass ihren Kindern etwas passiert.

Stichwort Angst: Nach wie vor kann es ja Nachbeben geben, wie leben Sie, wie leben die Menschen im Katastrophengebiet mit dieser Angst?


Erdbeben in Nepal: SOS-Mitarbeiterin Elitsa Dincheva  mit Kindern im Notcamp - Foto: Zishaan Akbar Latif

Sobald es ein bisschen schüttelt, rennen alle nach draußen. Man lebt nicht in ständiger Angst, dass gleich etwas passiert, und dementsprechend gibt es auch keine Panik. Aber man weiß ganz genau, dass es gleich wieder beben kann. Deshalb ist man bereit, sofort um sein Leben zu laufen.

Hunderttausende Menschen leben seit dem Beben draußen auf der Straße oder in Notlagern. Experten fürchten, dass dort jetzt Seuchen ausbrechen könnten. Ist das die nächste ganz große Gefahr?

Das ist eine der größten Sorgen. Das ganze Wassersystem ist kollabiert. Es ist nicht sicher, woher das Wasser kommt und ob es sauber ist. Es kommt hinzu, dass es nur wenige sanitären Einrichtungen, fast keine. Die einzige Chance: Dass jetzt viele in ihre Häuser zurückkehren können.

Zum Schluss noch eine ganz persönliche Frage an Sie: Sie arbeiten schon etliche Jahre für die SOS-Kinderdörfer. Ist das, was Sie dort erleben, für Sie vorstellbar gewesen, haben Sie schon Vergleichbares gesehen? 

Nein, ich habe nichts Vergleichbares gesehen. Das ist etwas, was man sich überhaupt nicht vorstellen kann. Ich bin sehr traurig. Ich kam zwei Wochen vor dem Erdbeben hierher und ich hatte wunderbare Erfahrungen in diesem Land gemacht. Es ist unfassbar, dass so viele jetzt betroffen sind. Jetzt kann man nur helfen, damit es den Menschen ein bisschen besser geht nach dieser Katastrophe.

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