Tod mehrerer Mädchen nach Beschneidung

SOS-Kinderdörfer fordern schärfere Gesetze gegen die Beschneidung von Frauen

01.09.2016 - Rund 200 Millionen Mädchen und Frauen weltweit wurden bereits beschnitten. Obwohl die weibliche Genitalverstümmelung (female genital mutilation, auch FGM) in den meisten Ländern verboten ist, wird sie weiterhin praktiziert: "FGM ist Körperverletzung. Die Mädchen müssen grundlos ein Leben mit Schmerzen ertragen, einige sterben sogar nach der extrem grausamen Prozedur", erklärt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Die Beschneidung wird in der Regel an jungen Mädchen durchgeführt und verursacht körperliche und seelische Schmerzen, die ein Leben lang anhalten. Foto: Paul Hahn

Allein in den vergangenen Monaten wurden fünf Fälle bekannt, bei denen Frauen in Kenia, Sierra Leone, Guinea, Gambia und Ägypten an den Folgen des Eingriffs gestorben waren. Das ägyptische Kabinett hat nun einen Gesetzesentwurf für die Erhöhung des Strafmaßes für FGM-Praktizierende und Helfer beschlossen, der aber noch vom Parlament verabschiedet werden muss. Obwohl FGM in Ägypten seit 2008 illegal ist, sind dort 87 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten.

Gesetzesänderungen notwendig

"Das ägyptische Parlament muss dem Gesetzesentwurf zustimmen, damit die Täter durch eine mehrjährige Gefängnisstrafe abgeschreckt werden und nicht noch mehr Mädchen leiden müssen", sagt Yassin. Zudem müssten Länder wie Sierra Leone, Liberia, Sudan und Mali, in denen FGM noch legal ist, schnellstmöglich die weibliche Genitalverstümmelung verbieten.

Allerdings sei es mit Verboten allein nicht getan, erklärt Yassin: "Die jeweiligen Regierungen müssen die Bevölkerung – Männer wie auch Frauen – darüber aufklären, dass es sich bei weiblicher Genitalbeschneidung um eine brutale Verstümmelung und kein harmloses Ritual handelt."

Der langsame Weg zum Umdenken

Die SOS-Kinderdörfer weltweit kämpfen unter anderem in Kenia, Gambia, Guinea und im Sudan gegen FGM, indem sie die Menschen in traditionellen Gemeinden mit Aufklärungsarbeit zum Umdenken bewegen. Außerdem bietet die Kinderhilfsorganisation betroffenen Mädchen medizinische Hilfe an und stärkt und bildet Frauen, damit sie nicht von der Ehe mit einem Mann abhängig sind, um zu überleben: "In vielen Gemeinden hat eine unbeschnittene Frau keine Chance, geheiratet zu werden. Sie gilt als unrein. Deshalb bleibt einem mittellosen Mädchen ohne Ausbildung oft keine andere Wahl, als FGM über sich ergehen zu lassen, um einen Ehemann zu finden und dadurch abgesichert zu sein", erklärt der SOS-Pressesprecher.

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