Rettung für Erdbeben-Waisen

SOS-Kinderdorf in Nepal nimmt drei Geschwister auf

Am Abend des 24. April sollte es zurückgehen. Die letzten Stunden vor dem Abflug verbrachte Khem mit seiner Frau und seiner Tochter in Kathmandu. Doch dann begann mittags die Erde zu beben. Die beiden Eltern starben in den Trümmern des Dharahara-Turms, als das historische Bauwerk über einem belebten Marktplatz zusammenbrach. Ihre Tochter Adrika* (14) sowie die beiden Söhne Ambar (11) und Amir (5) haben niemand mehr. Die Erdbebenwaisen wurden jetzt im SOS-Kinderdorf Gandaki aufgenommen.

Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal


Das Erdbeben in Nepal hat ihnen Vater und Mutter genommen: Die drei Geschwister brauchen ein neues Zuhause.

Khem war kein Tourist, der in Nepal von der Erdbebenkatastrophe 24. April 2015 überrascht wurde. Er stammte aus einem nepalesischen Himalayadorf und gehörte einer unteren Kaste an. Khem und seine Frau arbeiteten auf den Feldern und Märkten als Tagelöhner. Doch das Geld reichte der Familie kaum zum Leben. Um seinen Kindern eine Perspektive bieten zu können, beschloss Khem, als Gastarbeiter an den Golf zu gehen - wie so viele Nepalesen, die der Not in ihrer Heimat entkommen wollen.

Rückkehr vom Golf

Allein in den vergangenen zwei Jahren gingen über 500.000 Nepalesen ins Ausland, um dort nach Arbeit zu suchen. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist der arme Himalaya-Staat damit Asiens Spitzenreiter. Viele Nepalesen arbeiten in Malaysia oder in der Golf-Region: zum Beispiel auf den Baustellen der WM-Stadien in Katar, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften.


Wo sind die Eltern? Ein Mädchen irrt nach dem Erdbeben durch die Trümmer. Foto: Zishaan Akbar Latif

Khem arbeitete drei Jahre in der Fremde, bis er das Geld für einen Heimflug zusammengespart hatte. Nach langer Trennung konnte er endlich seine Familie in Nepal besuchen. Als er wieder zurück an den Golf reisen musste, begleiteten ihn seine Frau und seine Tochter Adrika nach Kathmandu, um ihn zum Flughafen zu bringen.

Tod in den Trümmern des Dharahara-Turms

Sie stiegen in einem Hotel in der Nähe des berühmten Dharahara-Turms ab, einem der Wahrzeichen der nepalesischen Hauptstadt. Am nächsten Morgen hatten sie bis zum Rückflug am Abend noch etwas Zeit und spazierten durch die Straßen. Als sie den Markt am Fuße des 61 Meter hohen Dharahara-Turms besuchten, erzitterte Kathmandu. Das Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert hielt den Erschütterungen nicht stand und brach zusammen. Unter den Trümmern starben 60 Menschen, darunter Khem und seine Frau. Adrika überlebte.

SOS-Helfer suchen Angehörige der Erdbeben-Waisen


Ein SOS-Kind beim Abendessen: In den zehn nepalesischen Kinderdörfern und ihren Jugendeinrichtungen wachsen 1800 Kinder und Jugendliche auf. Foto: Thomas Ernsting
Helfer der SOS-Kinderdörfer, die in den Notcamps der Erdbebenopfer, in Krankenhäusern und auf Polizeistationen nach verwaisten und unbegleiteten Kindern suchen, fanden das traumatisierte Mädchen. Zusammen mit den örtlichen Behörden stellte SOS Nachforschungen an. Die 14-jährige Adrika sowie ihre beiden jüngeren Brüder Ambar (11) und Amir (5), die im Heimatort der Familie zurückgeblieben waren, haben niemand mehr, der sich um sie kümmern könnte. Denn ihre Großeltern und Onkels sehen sich nicht in der Lage, die Kinder bei sich aufzunehmen. Sie leben in Armut und die Bande zwischen ihnen und Khem, der im Ausland sein Geld verdiente, waren seit längerem zerrissen. So entschied man, die Waisen in einem der zehn SOS-Kinderdörfer in Nepal aufzunehmen.

Ankunft im SOS-Kinderdorf

Nachdem die Kinder von ihren Eltern nach hinduistischem Brauch Abschied genommen hatten, kamen sie ins SOS-Kinderdorf Gandaki. Dort leben sie nun in einer SOS-Familie. Ihre SOS-Mutter und das Team tun alles, um den drei Erdbeben-Waisen die Ankunft in ihrem neuen Zuhause zu erleichtern. Doch es wird einige Zeit dauern, bis die drei Geschwister wieder Halt finden.

* Namen zum Schutz der Privatsphäre der Kinder geändert

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