Flüchtlingskrise: Kinder berichten von Flucht

SOS hilft Flüchtlingskindern und Familien in Not

Tausende Kinder und Familien sind zurzeit auf der Flucht. Besonders Kinder leiden unter den Folgen der Flucht. Im Libanon leistet SOS seit mehreren Jahren umfassende Nothilfe für Flüchtlingskinder und Familien. Drei Flüchtlingskinder schildern ihre Fluchtgeschichte.

Der vierjährige Tarek lebte nach der Flucht lange mit seiner Familie auf der Straße. Jetzt wohnt er mit seinem Bruder im SOS-Übergangszentrum. Foto: Bjørn-Owe Holmberg

„Wenn ich an Syrien denke, dann werde ich immer sehr traurig und schlimme Erinnerungen kommen hoch.“

Tarek (4): „Als eine Bombe explodierte, stürzte in unserem Haus alles ein. Wir haben alles verloren, was wir besaßen. Meine Eltern flohen mit uns in den Libanon. Wir hatten weder Geld für Essen noch hatten wir Geld, um eine Wohnung zu mieten. So blieb uns nichts anderes übrig als auf der Straße zu leben. Wir lebten in ein paar Kartons und bettelten, um etwas zu Essen zu haben. Meine Mutter wollte dieses Leben nicht länger mitmachen. Sie hat uns verlassen. Wir haben lange nichts mehr von ihr gehört. Heute wohne ich mit meinem Bruder im SOS-Übergangszentrum in Khenshara. Auch meinem Vater geht es besser. Er bewirbt sich jetzt um eine Arbeitsstelle. Ich hoffe, er findet bald eine Arbeit. Dann können wir wieder zusammen in einer Wohnung leben. Wenn ich an meine Heimat Syrien denke, dann werde ich immer sehr traurig. Schnell kommen all die Erinnerungen in mir hoch. Ich möchte später Arzt werden. Dann kann ich vielen kranken Menschen helfen.“

 


Liliane ist 10 Jahre alt. Sie musste mit ihrer Familie aus Syrien fliehen. Jetzt wohnt sie im SOS-Übergangszentrum in Khenshara. Foto: Bjørn-Owe Holmberg

„Ich hoffe, dass es bald Frieden in Syrien gibt. Dann will ich dorthin zurückgehen, denn ich vermisse es sehr“

Liliane (10): „Von einem Moment auf den anderen war alles anders. Ich wohnte mit meiner Familie in Aleppo, als vor unserem Haus eine Bombe explodierte. Unser Haus stürzte ein. Für einen meiner Brüder und meinen Vater kam jede Hilfe zu spät. Sie starben unter den Trümmern des Hauses. Meine Mutter, mein anderer Bruder und ich wurden von den Helfern gerettet. Meine Mama wurde stark verletzt. Ihr musste bei einer Operation eine Niere entfernt werden. Um sie besser behandeln zu können, wurde sie in den Libanon gebracht. Auch mein Bruder und ich wurden durch die Bombenexplosion verletzt: mein Bruder am Auge, ich am Arm und an der Schulter. Als meine Mutter erfuhr, dass ich und mein Bruder überlebt hatten, kam sie zurück, um uns mit in den Libanon zu nehmen. Die Strapazen der Reise führten allerdings dazu, dass es meiner Mutter wieder viel schlechter ging. Sie ist jetzt immer noch im Krankenhaus. Bis sie wieder gesund ist, wohnen ich und mein Bruder im SOS-Übergangszentrum. Hier gefällt es mir. Alle sind sehr nett und kümmern sich gut um uns. Wenn ich erwachsen bin, will ich Innenarchitektin werden. Ich hoffe, es gibt bald Frieden in Syrien. Dann kann ich wieder in meine Heimat zurückgehen. Ich vermisse das Land sehr.“

 


Elyas spielt gerne mit SOS-Mitarbeiter Hani Safadi Fußball. Beide kommen aus Syrien. Foto: Bjørn-Owe Holmberg

„Syrien bedeutet für mich Explosionen und Krieg. Der Libanon ist jetzt meine Heimat“

Elyas (8): „In Syrien lebte ich bei meinem Großvater. Er ist ein zorniger Mann, der mich immer wieder geschlagen hat. Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen, deswegen musste ich bei ihm leben. Dann brach der Krieg aus und wir mussten in den Libanon fliehen. Dort angekommen wollte ich nicht mehr geschlagen werden von meinem Opa. Ich bin einfach davongelaufen. Zum Glück haben mich Sozialarbeiter gefunden und ins SOS-Übergangszentrum in Khenshara gebracht. Dort fühle ich mich sehr wohl. SOS achtet darauf, dass ich eine gute Schulbildung bekomme. Ich habe hier auch gelernt, anderen Menschen immer mit Respekt zu begegnen. Der Libanon ist jetzt meine Heimat – ich möchte für immer hier bleiben. Wenn ich an meine Heimat Syrien denke, habe ich immer Bilder von Explosionen, Schießereien und toten Menschen vor Augen. Ich möchte später Lehrer werden und eine eigene Familie gründen. Ich will meine Kinder ganz ohne Schläge großziehen.“

 

Das SOS-Übergangsheim in Khenshara

Im SOS-Übergangsheim im libanesischen Khenshara werden unbegleitete syrische Flüchtlingskinder im Alter von zwei bis 14 Jahren betreut. SOS-Mitarbeiter bieten dort medizinische Versorgung, psychosoziale Betreuung, Unterricht sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Hauptziel ist, die Eltern oder Angehörigen der Kinder ausfindig zu machen und diese wieder mit ihren Familien zu vereinen.

 

 

Die SOS-Flüchtlingshilfe

Die SOS-Kinderdörfer leisten in Syrien und im benachbarten Libanon bereits seit mehreren Jahren umfassende Nothilfe für Familien und Kinder, die unter den Folgen des syrischen Bürgerkriegs leiden.

Während der blutige Konflikt weiter andauert, stranden immer mehr syrische Flüchtlinge auch in Europa. Angesichts der Flüchtlingskrise an der EU-Grenze haben jetzt auch die SOS-Kinderdörfer in Serbien und Mazedonien mit der Nothilfe vor Ort begonnen und werden diese in den kommenden Wochen verstärken.

Die Länder sind zu zentralen Durchgangsländern geworden – täglich kommen Tausende Flüchtlinge in Lagern und großen Städten wie Belgrad an. Die Lage vieler Flüchtlinge ist verzweifelt, es mangelt am Nötigsten. Die SOS-Hilfe richtet sich vor allem an unbegleitete Flüchtlingskinder, unterernährte Kinder, Mütter mit Babys und Kleinkindern, Jugendliche, Kinder mit Behinderungen und Schwangere.

Hier erfahren Sie mehr zur SOS-Nothilfe in der Flüchtlingskrise.

 

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