Indonesien

Wie die SOS-Kinderdörfer in Indonesien helfen

SOS-Kinderdorf ist seit Beginn der 70er Jahre in Indonesien tätig. Das erste Projekt wurde in Lembang nahe Bandung auf West-Java ins Leben gerufen. Die Arbeit unserer Organisation hat sich den jeweiligen Bedürfnissen der indonesischen Bevölkerung angepasst. In einigen Regionen wurden Nothilfeprogramme gestartet, um den Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten zu helfen. Aus der Nothilfe wurden häufig langfristige Programme. SOS-Kinderdorf unterstützt derzeit Kinder, Jugendliche und Familien an acht verschiedenen Standorten in Indonesien.

Eine ethnisch vielfältige Nation


Glücklich, in der Obhut von SOS-Kinderdorf zu sein (Foto: T. Jol).
Die Republik erstreckt sich über fast 5000 km entlang des Äquators auf mehr als 17 508 Inseln. Die Insel Borneo gehört teils zu Indonesien, teils zu Malaysia und Brunei. Auch der Westteil von Neuguinea zählt zum indonesischen Territorium (der Ostteil der Insel gehört zu Papua-Neuguinea).

Indonesien hat mit ca. 245,6 Millionen Einwohnern (Juli 2011, Schätzung) die weltweit viertgrößte Bevölkerung. In der Hauptstadt Jakarta leben 9,1 Millionen Menschen. Das Land zeichnet sich durch eine große ethnische Vielfalt aus. In Indonesien werden über 659 Sprachen gesprochen.

Ein Land im Kampf gegen soziale Ungleichheiten

Indonesien hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen durchlaufen, darunter auch den Sturz des Präsidenten Suharto im Jahr 1998, der 32 Jahre lang im Amt gewesen war. Die Festigung der Demokratie stellt dieses große, fragmentierte Land weiterhin vor einige Herausforderungen.

Bei der Armutsbekämpfung hat Indonesien zwar einige Fortschritte zu verzeichnen, aber viele Menschen leben nach wie vor in Armut und unter prekären Bedingungen. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, 47 Prozent in der Industrie und um die 39 Prozent im Dienstleitungssektor (2012, Schätzung).

Die abwechslungsreiche natürliche Schönheit und kulturelle Vielfalt des Landes machen Indonesien zu einem beliebten Ziel für Touristen. Der Tourismus stellt eine bedeutende Einkommens- und Beschäftigungsquelle dar. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 7,1 Prozent (2010, Schätzung).

Mehr als 11 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Die Armut ist vor allem in den ländlichen Gebieten weit verbreitet. Die Infrastruktur auf dem Land ist stark veraltet - Schätzungen zufolge haben lediglich 71 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur 36 Prozent zu ordentlichen sanitären Einrichtungen. Der Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem ist in den Städten ebenfalls besser als in den ländlichen Regionen.

Als Folge des Mangels an Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Land sehen sich viele Menschen gezwungen, auf der Suche nach Arbeit in die Städte zu ziehen. Die Städte Surabaya, Bandung und Medan zählen bereits jetzt jeweils über zwei Millionen Einwohner. Die prekären Bedingungen auf dem Land machen viele Menschen anfällig für die falschen Versprechungen von Menschenhändlern. Trotz neuer Gesetze und härterer Strafen wird weiterhin von Kinder- und Frauenhandel für die Verrichtung von Zwangsarbeit, Prostitution und Schuldknechtschaft berichtet.

Kinder sind von Ausbeutung bedroht


SOS-Kinderdorf führt Kindergärten, wo den Kindern ein guter Start in die schulische Ausbildung ermöglicht wird (Foto: T. Jol).
In Indonesien leben 74,4 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Trotz jüngster Verbesserungen leben viele Kinder weiterhin in großer Not.

Aufgrund der wirtschaftlichen Notlage ihrer Familien können viele Kinder nicht zur Schule gehen, sondern müssen stattdessen arbeiten. Schätzungen zufolge müssen ca. sieben Prozent der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren Kinderarbeit verrichten. Kinder arbeiten in ganz verschiedenen Sektoren, häufig unter sehr schweren Bedingungen. Die meisten Kinder, die Zwangsarbeit verrichten, besuchen keine Schule. In den gutbürgerlichen Haushalten der Städte arbeiten Kinder oft als Hausangestellte. Andere betteln auf der Straße, waschen Autos oder verkaufen Kleinwaren auf den Straßen der Städte.

Obwohl sich die genauen Zahlen nur schwer ermitteln lassen, geht man davon aus, dass überwiegend Mädchen aus armen Familien oder Mädchen, die von Zuhause weggelaufen sind, in Kinderprostitution verstrickt sind. Die Zahl der Kinderehen ist verhältnismäßig hoch; mehr als ein Fünftel aller Mädchen werden minderjährig verheiratet. Auf dem Land liegt diese Quote sogar bei 30 Prozent. Viele dieser frühen Ehen werden geschieden. Mädchen, die nicht mehr zu ihrer Herkunftsfamilie zurückkehren können, bleibt oftmals kein anderer Ausweg als die Prostitution um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

SOS-Kinderdorf in Indonesien

Die Menschen in Indonesien leiden an den Folgen von Naturkatastrophen und den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in ihrem Land. SOS-Kinderdorf ist auf die wachsenden Bedürfnisse der Menschen eingegangen und hat seine Aktivitäten im Land weiter ausgebaut. Kleine Kinder werden in den SOS-Kindergärten betreut, während ältere Kinder die SOS Hermann Gmeiner Schule in Lembang besuchen können. Junge Erwachsene können in speziellen Einrichtungen von ausgebildeten Fachkräften auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet werden. Die SOS-Sozialzentren bieten Gesundheitsberatung und im Rahmen von SOS-Familienstärkungs-Programmen wichtige Unterstützung für Familien in den Gemeinden. In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden werden Familien bei der Existenzsicherung und der Erweiterung elterlicher Kompetenzen unterstützt oder erhalten Rechtsbeistand, damit sie weiter für ihre Kinder sorgen können. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Indonesien
(verfügbar auf Bahasa Indonesia und Englisch)

 
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