Bosnien und Herzegowina

Wie die SOS-Kinderdörfer in Bosnien und Herzegowina helfen

Über 20 Jahre nachdem das Friedensabkommen von Dayton den Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet hat, ist der Großteil der zerstörten Städte, Dörfer und Regionen wieder aufgebaut. Doch der Krieg hat tiefere Wunden hinterlassen als Risse in den Häusern: Familien wurden zerstört, Kinder mussten ohne Vater oder Mutter aufwachsen. Viele Menschen leiden immer noch unter den schrecklichen Kriegserlebnissen und sind auf Hilfe von Experten angewiesen. Auch wirtschaftlich erholt sich Bosnien-Herzegowina nur langsam. Vor allem Großfamilien leben zunehmend in Armut.

 

  • In Bosnien-Herzegowina gibt es nach wie vor unzählige Landminen. Seit 1996 forderten die Sprengsätze rund 1700 Opfer, davon wurden knapp 500 tödlich verletzt. Jedes fünfte Opfer ist ein Kind. Noch immer bergen knapp drei Prozent der Landfläche die Gefahr von nicht explodierten-Sprengkörpern und Landminen. Durch die schweren Überschwemmungen und Erdrutsche im Mai 2014 wurden so genannte "wandernde Minen" auch in Gebiete gespült, die bisher als sicher galten
  • Schätzungen zu Folge geht fast jedes zehnte Kind im schulpflichtigen Alter nicht zur Schule. Vor allem Schüler aus ländlichen Regionen brechen ihre Schulausbildung vorzeitig ab. Zudem besucht nur etwa ein Fünftel der Roma-Kinder in eine Schule.
  • Roma-Familien leben häufig in extremer Armut und sind Opfer von Diskriminierung.
  • In vielen Schulen des Landes werden bosnische und kroatische Kinder nicht gemeinsam unterrichtet. Das bedeutet, dass kein Austausch zwischen Kinder unterschiedlicher Herkunft stattfinden kann.

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SOS-Kinder in Bosnien-Herzegowina

Unser Engagement im Bosnien-Herzegowina begann noch während des Krieges Anfang 1994. Damals konnten die SOS-Mitarbeiter vor Ort erreichen, dass mehr als 400 elternlose Kinder bei Pflegefamilien untergebracht wurden. Kurz darauf entstanden außerdem ein Beratungszentrum für Familien und ein SOS-Klub, der allerdings 1995 aufgrund der Kriegswirren schließen musste. Kinder hatten dort unter anderem die Möglichkeit, ihre traumatischen Kriegserlebnisse über Theaterspielen oder Malen zum Ausdruck zu bringen und zu verarbeiten.

Die beiden SOS-Kinderdörfer Bosnien-Herzegowina entstanden nach Kriegsende in Sarajewo und in der kleinen Stadt Gracanica im Norden. Im Dezember 1999 öffnete zudem das SOS-Sozialzentrum in Sarajevo seine Pforten. Es ist mit seinem breiten Kurs- und Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche eine Fortsetzung des SOS-Klubs aus Kriegstagen.


Aktivitäten des "SOS-Superbus" für Kinder in den Vororten von Sarajewo. Foto: SOS-Archiv

Im Jahr 2003 fuhr zum ersten Mal der SOS-Spielbus ("Superbus") durch die Straßen Sarajewos. Seitdem macht der Bus auf seiner Tour regelmäßig Station in Kranken- und Waisenhäusern sowie grauen Betonsiedlungen, denen ein bisschen Abwechslung und Farbe mehr als gut tut. Unter Anleitung der Pädagogen lernen die Kinder Neues und werden kreativ. Mittlerweile fährt der Bus auch andere Städte wie z.B. Mostar an.

Außerdem haben die SOS-Kinderdörfer in Sarajewo, Gorazde und Mostar drei Kindertagesstätten eröffnet. Dies erlaubt es den Müttern, tagsüber beruhigt arbeiten zu gehen und so den Lebensunterhalt zu sichern. In den Tagestätten werden die Kleinen auch auf die Schule vorbereitet. Zusätzlich haben SOS-Mitarbeiter an Schulen in verschiedenen Stadtbezirken so genannte "Playrooms" eingerichtet. Kinder aus benachteiligten Familien haben hier mehrmals pro Woche die Möglichkeit, zu spielen und zu lernen.

Unser jüngstes Projekt in Bosnien-Herzegowina sind die Programme zur Stärkung von Familien. In  Gorazde, Sarajewo und seit 2015 auch in Srebrenica werden derzeit rund 500 Kinder aus 200 Familien gefördert. Ziel des Programms ist es, Familien in Krisensituationen vor dem Zerbrechen zu bewahren und zu verhindern, dass Kinder verlassen werden. Neben Beratung oder Hilfe für den Schulbesuch können Familien auch finanzielle Unterstützung bekommen. Gleichzeitig werden mit den Eltern Wege erarbeitet, wie sie küftig besser für ihre Kinder sorgen können.

Nach den schweren Überschwemmungen im Mai 2014 startete SOS in Tuzla umgehend ein Nothilfeprogramm für betroffenen Familien.

Heute gibt es in Bosnien-Herzegowina: zwei Kinderdörfer zu denen auch vier Jugendwohngemeinschaften gehören, sowie acht Sozialprojekte wie Sozialzentren, Kindertagesstätten sowie Programme der SOS-Familienhilfe. Rund 9.000 Mädchen und Jungen kommt diese Hilfe zu Gute.


Website von SOS-Kinderdorf Bosnien und Herzegowina

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