Portugal

Wie die SOS-Kinderdörfer in Portugal helfen

SOS- Kinderdorf ist seit den frühen 60er Jahren in Portugal tätig. Zu dieser Zeit war der Bedarf an Unterstützung für Kinder und Familien sehr groß. Kinder ohne elterliche Fürsorge wurden nach Alter und Geschlecht aufgeteilt und in Heimen untergebracht, in denen sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten waren. SOS-Kinderdorf begann seine Aktivitäten in Estoril, ca. 25 km von der Hauptstadt Lissabon entfernt. Im Laufe der Jahre hat SOS-Kinderdorf seine Arbeit auf andere Einsatzgebiete ausgedehnt und unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in den örtlichen Gemeinden.

 

Einige Fakten über Portugal

 


SOS-Kinderdorf Bicesse (Foto: T. Stankiewicz)

Portugal grenzt im Norden und Osten an Spanien und ist an der südlichen und östlichen Küste vom Atlantischen Ozean umgeben. Auch die Madeira-Inseln und die Azoren im Atlantischen Ozean gehören zu Portugal.

Die Bevölkerung beläuft sich auf 10,7 Millionen (Juli 2011, geschätzt), die Hauptstadt Lissabon hat 2,8 Millionen Einwohner. Teils durch seine koloniale Geschichte bedingt war Portugal in der Vergangenheit ein Auswandererland; viele Portugiesen zogen nach Asien, Afrika und Südamerika.

In den 60er Jahren verließen zahlreiche Portugiesen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ihr Land, um nach Nordamerika, Australien und in den Nordwesten Europas auszuwandern. In den letzten Jahrzehnten ist Portugal zu einem Einwandererland geworden. Viele Zuwanderer kommen aus den früheren Kolonien, aber auch aus anderen Ländern. Zu ihnen gehören beispielsweise Rentner aus der Europäischen Union oder Arbeiter aus der Ukraine oder aus China.

 

Wirtschaft und Gesellschaft im Wandel

Sowohl die portugiesische Wirtschaft als auch die Gesellschaft haben viele Veränderungen durchlaufen, seit das Land 1986 der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten ist. Bis 2009 schien die Wirtschaft mit einem starken Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinsen und sinkenden Arbeitslosenzahlen recht stabil zu sein. 2009 begannen jedoch die wirtschaftlichen Probleme mit dem Anstieg der Staatsverschuldung und steigenden Arbeitslosenquoten. Im Jahr 2010 waren über zehn Prozent der Bevölkerung arbeitslos - das war das Rekordhoch der letzten 24 Jahre. Die Regierung ergriff Maßnahmen zur Senkung des Haushaltsdefizits, das auf über neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angewachsen war (2009, Schätzung). Trotz einer Reihe von Kürzungen im öffentlichen Sektor bat Premierminister Jose Socrates den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union im April 2011 schließlich um Finanzhilfen.

Zirka 18 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze (2010, Schätzung). Zu den am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen zählen ältere Menschen, Frauen (vor allem alleinerziehende Mütter oder ältere Frauen, die nicht gearbeitet und keine Rentenbeiträge einbezahlt haben), Kinder und ethnische Minderheiten. Die Armutsquoten sind regionalen Schwankungen unterworfen; in Lissabon beispielsweise liegt das BIP nahe am europäischen Durchschnitt, während in einigen nördlichen Landesteilen, in denen die Textilindustrie eingebrochen war, die Armut wesentlich weiter verbreitet ist.

Portugal hat eine der höchsten HIV/AIDS-Infektionsraten in Westeuropa; 42 000 Menschen leben mit HIV/AIDS (2009, Schätzung). Der häufigste Ansteckungsweg ist der Austausch von Spritzen unter Drogenabhängigen. Als Reaktion auf diese hohe Ansteckungsquote bei Drogenkonsumenten hat die Regierung Maßnahmen zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit ergriffen und verstärkt in Prävention und Behandlungsmethoden investiert. Im Jahr 2001 war Portugal das erste EU-Land, das offiziell den Besitz von Drogen für den persönlichen Gebrauch unter Straffreiheit stellte. Menschen, die mit Drogen für den Eigenbedarf aufgegriffen werden, erwartet keine strafrechtliche Verfolgung. Wenn es möglich ist, werden sie stattdessen bei der Bekämpfung ihrer Sucht unterstützt.

Die Lage der Kinder in Portugal

 


Beim Abendessen (Foto: T. Stankiewcz)
In Portugal leben knapp zwei Millionen Kinder unter 18 Jahren. Die Gesundheitsfürsorge für portugiesische Kinder ist gut, aber in Bezug auf Bildung und materiellen Wohlstand sieht die Lage schlechter aus. Die relativ hohe Schulabbrecherquote und das niedrige Bildungsniveau stellen die beiden größten Herausforderungen für den Bildungssektor dar.

Nahezu ein Viertel aller Kinder sind von einem Leben in Armut bedroht (2010, Schätzung). Kinder aus kinderreichen Familien und Kinder alleinerziehender Eltern sind besonders gefährdet, aber auch wenn ein Elternteil erwerbstätig ist, leiden viele Kinder unter Entbehrungen. Es wird erwartet, dass sich die Lage aufgrund der Wirtschaftskrise noch verschlechtern wird. Ca. drei Prozent der Kinder zwischen sieben und 14 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten. Die meisten sind in der Landwirtschaft beschäftigt, einige arbeiten auch in Restaurants oder Hotels. Nur 78 Prozent der Kinder, die arbeiten müssen, besuchen eine Schule.

Kinder von Einwanderern sind in vielerlei Hinsicht benachteiligt; sie leiden unter der Armut, die durch die Arbeitslosigkeit der Eltern verursacht wird. In den Vororten von Lissabon, in denen die meisten Einwanderer leben, gibt es viele soziale Probleme zu lösen: den Zustand der Behausungen, fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, die hohe Schulabbrecherquote in der Sekundarstufe und die wachsende Jugendkriminalität.

 

SOS-Kinderdorf in Portugal

SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Familien an vier verschiedenen Standorten in Portugal. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden erhalten Familien Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme. Darüber hinaus werden junge Menschen aus den örtlichen Gemeinden unterstützt und können in Sozialzentren an berufsbildenden Maßnahmen teilnehmen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Portugal
(verfügbar auf Portugiesisch)

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