Südsudan: SOS-Kind wird vermisst

Überlebende berichten von Gräueltaten, SOS-Jugendleiter verschleppt

28.02.2014 - Die Gewalt im Südsudan dauert an. Überlebende berichten von Gräueltaten. Ein Kind aus dem SOS-Kinderdorf Malakal wird vermisst, ein Jugendleiter wurde von Rebellen verschleppt. Ein weiterer SOS-Mitarbeiter ist mit 30 SOS-Kindern am Nordufer des Nils auf der Flucht.

Auf der Flucht: Die SOS-Familien von Malakal haben im UN-Camp Schutz gesucht - Foto: Conor Ashleigh

"Die SOS-Kinderdörfer appellieren an die internationale Gemeinschaft alles zu unternehmen, um die Zivilbevölkerung im Südsudan zu schützen", sagte Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Am 18.2. fand die Waffenruhe im Südsudan ein blutiges Ende, als in Malakal heftige Kämpfe ausbrachen. Rebellen eroberten die bislang von Regierungstruppen kontrollierte Provinzhauptstadt. Die Bevölkerung ist nahezu vollständig aus Malakal geflohen, in den Straßen liegen Leichen, Verwesungsgeruch liegt in der Luft.

Das Krankenhaus in Malakal wurde geplündert. UN-Mitarbeiter entdeckten in der Klinik viele Leichen, darunter Patienten, die offensichtlich in ihren Betten getötet worden waren. Nach Berichten von Überlebenden, die sich zum UN-Camp geflüchtet haben, töteten Bewaffnete jeden, der ihnen nicht Geld oder Mobiltelefon geben konnte.

Angst und Spannungen im UN-Camp

Tausende Flüchtlinge drängen sich auf dem UN-Gelände in Malakal. Dort haben auch die Familien des SOS-Kinderdorfs in Malakal Zuflucht gesucht. Sie werden dort mit Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgt. Die Lage im Camp ist äußerst angespannt. Die SOS-Mütter befürchten, dass ethnische Gewalt auch im UN-Camp aufflammen könnte, wo Flüchtlinge der verfeindeten Volksgruppen zusammen untergebracht sind.

Ein SOS-Jugendleiter, Olyek Odgong, ist von den Rebellen verschleppt worden. Seine Mutter sagte, ihr Sohn sei in ein Dorf auf dem Weg nach Nassir gebracht worden, eine Hochburg der Rebellen.

Kämpfe in der Nachbarstadt Wau Shiluk

In den vergangenen zwei Tagen haben die Kämpfe auch Wau Shiluk erreicht, eine Nachbarstadt von Malakal, die sich auf der nördlichen Flussseite befindet. Eine SOS-Mitarbeiterin berichtet von Gerüchten, die Angreifer würden die Häuser niederbrennen.

Flucht am Nordufer des Nils

In Wau Shiluk hatten zunächst auch 35 SOS-Kinder und ein Jugendleiter Zuflucht gesucht, die vor den Kämpfen am 18.2. mit einem Boot über den Nil geflüchtet waren. Bei der Flucht über den Fluss wurde ein 5-jähriges Kind von den anderen getrennt und ist seitdem vermisst.

Einige Jugendliche aus der Gruppe blieben bei Verwandten in Wau Shiluk, der Jugendleiter setzte jedoch die Flucht mit 30 SOS-Kindern fort. Inzwischen befindet sich die Gruppe in der Stadt Kodok, etwa 60 Kilometer von Wau Shiluk entfernt. Mit dem Jugendleiter besteht nur sporadischer Telefonkontakt.

Die SOS-Kinderdörfer im Südsudan versuchen alles, um die versprengte Gruppe in Sicherheit zu bringen und das vermisste SOS-Kind ausfindig zu machen. Außerdem verhandelt SOS mit der UN-Mission, um die SOS-Familien aus Malakal zu evakuieren.

Bürgerkrieg im Südsudan

Der blutige Bürgerkrieg im Südsudan brach Mitte Dezember 2013 aus. Nach UN-Angaben sind seitdem rund 860.000 Menschen vor Gefechten und ethnischen Unruhen geflohen. Am 23. Januar einigten sich Rebellen und Regierung überraschend auf einen Waffenstillstand. Beide Seiten beschuldigen sich nun gegenseitig, die Waffenruhe gebrochen zu haben.

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