Südsudan: Milizionäre besetzen Kinderdorf

Baldige Rückkehr der SOS-Familien nach Malakal nicht möglich, Not-Kinderdorf in Juba geplant

14.07.2014 - Bürgerkrieg im Südsudsan: Die umkämpfte Provinzmetropole Malakal ist eine Geisterstadt, Milizionäre haben das SOS-Kinderdorf besetzt. Eine baldige Rückkehr der SOS-Familien ist ausgeschlossen. Als Übergangslösung soll nun in Juba ein Lehmhütten-Kinderdorf entstehen.

Ein Milizionär am Eingang des SOS-Kinderdorfs in Malakal. Wegen schwerer Kämpfe mussten die SOS-Familien im Februar fliehen - Foto: Till Müllenmeister

Im Februar überrannten Rebellen Malakal. Erst nach wochenlangen Gefechten gelang es Regierungstruppen, die Provinzhauptstadt am Oberen Nil zurückzuerobern. Doch die Umgebung wird weiter von Rebellen kontrolliert.


Hier waren die SOS-Kinder Zuhause, jetzt haben Bewaffnete das Kinderdorf Malakal besetzt - Foto Till Müllenmeister

Die gesamte Bevölkerung ist aus Malakal geflohen - auch nach Monaten kehren die Menschen aus Angst vor neuer Gewalt nicht zurück. "Die Stadt ist menschenleer, es gibt kein Haus, das nicht zerstört oder geplündert wurde", berichtet der Fotograf Till Müllenmeister nach seiner Reise ins Bürgerkriegsland.

Verheerende Zustände im Flüchtlingslager in Malakal

Während die Gegner verhandeln, lodern im Südsudan immer wieder Kämpfe auf. Neben Jonglai ist der Bundesstaat Oberer Nil einer der Brennpunkte. Nach wie vor drängen sich Tausende Flüchtlinge auf dem UN-Gelände in Malakal. Die Zustände dort beschreibt Müllenmeister als katastrophal. Das Camp sei völlig überfüllt und seit der Regenzeit überflutet. "Die Menschen schlafen im Wasser."

Blutspuren an den Wänden


Zerstört und geplündert: Küche in einem Familienhaus im SOS-Kinderdorf Malakal - Foto: Till Müllenmeister

Im SOS-Kinderdorf Malakal, aus dem die SOS-Familien nach Ausbruch der Kämpfe fliehen mussten, haben sich Regierungstruppen einquartiert. Während der Gefechte wurde das Dorf geplündert. Da es sich in einer strategisch bedeutenden Lage befindet - an einer Einfallstraße sowie in Flughafennähe  - wurde es zur Kampfzone. "Man kann Einschusslöcher und Blutspuren an den Wänden sehen", sagt Till Müllenmeister. Mehrere Menschen, Zivilisten und Kämpfer, wurden im Dorf getötet und auf dem Gelände begraben. Zwei Häuser sind ausgebrannt. Die anderen Gebäude sind zwar noch intakt, Plünderer haben jedoch die gesamte Einrichtung geraubt oder zerstört.

SOS-Kinder gegen Cholera geimpft

Auch in der südsudanesischen Hauptstadt Juba, wo die SOS-Familien aus Malakal Zuflucht gesucht haben, bleibt die Atmosphäre angespannt. Die Cholera-Gefahr ist nach wie vor nicht gebannt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden in Juba bis Juni 1.812 Cholera-Fälle registriert, wobei die Zahl der Neuerkrankungen zurückging. Die SOS-Kinder konnten mittlerweile gegen Cholera geimpft werden und gehen inzwischen wieder zur Schule. Die Mädchen und Jungen werden nach den traumatischen Erlebnissen ihrer Flucht aus Malakal weiter psychologisch betreut.

Kinderdorf in Lehmhüttenbauweise in Juba


In Sicherheit: Die SOS-Kinder aus Malakal sind jetzt in der Hauptstadt Juba. Dort wohnen sie mit ihren SOS-Müttern in einem angemieteten Haus - Foto: Till Müllenmeister

Derzeit sind die SOS-Familien in einem angemieteten Haus in Juba untergebracht. Dort sind die Verhältnisse jedoch sehr beengt. Die Mieten in Juba sind zudem hoch. Da eine Rückkehr der SOS-Familien nach Malakal auf absehbare Zeit nicht möglich ist, plant SOS eine alternative Unterbringung in Juba: In der südsudanesischen Hauptstadt soll nun, wie von SOS-Familien und -Mitarbeitern vorgeschlagen, ein temporäres Kinderdorf in traditioneller Lehmhüttenbauweise entstehen. Die Häuser können schnell und kostengünstig errichtet werden und die SOS-Mütter haben die Möglichkeit sich bei der Planung der Häuser einzubringen. Ein geeignetes Areal ist bereits in Aussicht.

Dramatische Hungersnot kündigt sich an

Seit Beginn des Bürgerkriegs im Dezember 2013 sind rund 1,3 Million Menschen geflohen - die Hälfte der Flüchtlinge und Vertriebenen sind Kinder. Unterdessen spitzt sich im Südsudan die Versorgungslage immer weiter zu, denn wegen der Kämpfe konnten unzählige Bauern ihre Felder nicht bestellen. Eine dramatische Hungerkatastrophe kündigt sich im Südsudan an - Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe.

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