Ukraine: "Hier herrscht Krieg!"

Neue Gefechte in Lugansk - SOS-Dorfleiterin zur aktuellen Lage

04.06.2014 - Mörserbeschuss, stundenlanges Maschinengewehrfeuer, Luftangriff: In Lugansk im Osten der Ukraine sind schwere Gefechte aufgeflammt. "Hier herrscht Krieg", sagt Ludmila Harchenko, Leiterin des SOS-Kinderdorfs in der Stadt.

"Niemand will den Krieg": Die monatelange Unsicherheit zermürbt die Menschen in Lugansk, vor allem Kinder leiden.

Am 2.6. erreichte die Gewalteskalation in Lugansk einen neuen Höhepunkt: In den frühen Morgenstunden griffen hunderte bewaffnete Separatisten ein Lager des ukrainischen Grenzschutzes an. Dabei kamen schwere Waffen zum Einsatz. Nach Medienberichten gab es Dutzende Tote und Verletzte. Auch am folgenden Tag dauerten die Gefechte an, es wurde von Schießereien im Zentrum berichtet.

Viele Bewohner fliehen aus Lugansk

Viele Bewohner fliehen aus der 600.000-Einwohner-Stadt. "Die Menschen in Lugansk sind sehr beunruhigt und verängstigt – sehr viel mehr als noch vor einer Woche", sagt Ludmila Harchenko. "Viele reden darüber, dass sie weg wollen. Die Leute glauben nicht mehr, dass die Gewalt bald zu Ende sein wird. Die monatelange Unsicherheit hat die Menschen zermürbt. Niemand will den Krieg."

Das SOS-Kinderdorf Lugansk mit seinen vier SOS-Familien befindet sich nicht in der Kampfzone. "In einem Teil der Stadt herrscht Krieg", beschreibt Ludmila Harchenko die aktuelle Lage. "Der Rest der Stadt ist zum Glück von den Kämpfen verschont geblieben, Geschäfte und Banken haben dort geöffnet."

Wegen der Gefechte wurden jedoch SOS-Mitarbeiter angewiesen zu Hause zu bleiben. Die SOS-Familienhilfe, die in Lugansk insgesamt rund 140 Familien unterstützt, hat im umkämpften Teil der Stadt ihre Arbeit vorübergehend eingestellt.

Evakuierung von Waisenhäusern

Die örtlichen Behörden haben die Evakuierung von Internaten oder Waisenhäusern in der Gefahrenzone angekündigt. Schulen haben derzeit geschlossen, da das Schuljahr bereits zu Ende gegangen ist. Aufgrund der Kämpfe besuchte zuletzt nur ein Drittel der Kinder den Unterricht.

Wie berichtet, erwägt auch das SOS-Kinderdorf in Lugansk die Evakuierung. Zwei der SOS-Familien wollen bleiben, die anderen zwei sind unentschieden.

"Wir haben unseren Optimismus nicht verloren – wir arbeiten weiter"

Derzeit organisieren SOS-Kinderdorf und SOS-Familienhilfe in Lugansk ein Sommerferien-Lager im sicheren Westen der Ukraine. Falls möglich, soll die Dauer wegen der Kämpfe auf den ganzen Sommer ausgedehnt werden.

"Wir haben unseren Optimismus nicht verloren – wir arbeiten weiter", sagt Ludmila Harchenko.

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