Ebola in Liberia: "Wir erleben die Hölle“

SOS-Klinik in Monrovia arbeitet auf Hochtouren

21.08.2014 - Angehörige stürmen Krankenstationen, Patienten fliehen aus Quarantänestationen. Die Panik wächst. Liberia ist derzeit am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffen, doch viele Menschen ignorieren das Problem. Inzwischen steigt die Sorge, dass geflüchtete Infizierte die Krankheit weiter verbreiten.

Die Situation in Liberia ist für die Menschen extrem. Foto: Christian Lesske
"Mit Ebola kam die Angst zurück. Nicht die Angst wie im Bürgerkrieg. Nun ist es die Angst, von einem Nachbarn mit dem tödlichen Virus angesteckt zu werden", berichtet George Kordahi, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Liberia.

Die Anspannung im SOS-Kinderdorf ist groß. Die SOS-Mütter, Kinder sowie die Mitarbeiter sind schon seit Wochen angehalten, das Dorf nicht zu verlassen, um sich nicht in Gefahr zu begeben. Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte inzwischen eine nächtliche Ausgangssperre. Zwei Stadtviertel, darunter eines in Monrovia mit rund 50.000 Bewohnern, wurden unter Quarantäne gestellt.

Nur der nötigste Kontakt nach Aussen


Die SOS-Familien sind derzeit sicher und gut versorgt. Doch wie wird sich die Lage weiter entwickeln? Foto: Claire Ladavicius
"Die Situation ist gefährlich. Ich musste einige unserer Mitarbeiter bitten, in ihren Gemeinden zu bleiben. Andere würden gerne nach ihren Verwandten sehen, doch Sicherheitsgründe sprechen dagegen. Einige Mütter und Mitarbeiter müssen das Dorf zwischendurch verlassen, zum Beispiel um auf dem Markt Nahrungsmittel zu kaufen. Dabei riskieren sie derzeit immer ihr Leben, weil sie sich am Ebola-Virus anstecken könnten", erzählt Kordahi.
Die Schulen in Liberia sind offiziell geschlossen. Die Kinder, die sich auf den Schulstart im September gefreut haben, dürfen auch in den nächsten Wochen ihre Freunde aus der Nachbarschaft nicht sehen.

Hochleistung im SOS-Medizinischen Zentrum

Das SOS-Medizinische Zentrum in Monrovia ist nach wie vor die einzige medizinische Einrichtung in der Stadt, die rund um die Uhr geöffnet hat. "Neben Menschen aus ganz Monrovia kommen inzwischen auch ausländische Patienten mit verschiedensten Verletzungen und Krankheiten zu uns", berichtet Kordahi.Die SOS-Klinik behandelt jedoch keine Ebola-Fälle. Diese werden an das Ebola-Behandlungszentrum weitergegeben. Davon gibt es momentan nur zwei Stück - in einem Land mit 4,2 Millionen Einwohnern. Sobald der Verdacht auf eine Infektion vorliegt, informiert das SOS-Personal die liberianischen Gesundheitsbehörden.
"Die Klinik arbeitet auf Hochtouren, das ist jetzt der Fokus unserer Arbeit", erklärt Kordahi. "Wir brauchen weiterhin Material, Desinfektionsmittel und Schutzkleidung, um uns und unser medizinisches Personal zu schützen. Nur so können wir weitermachen."

Enorme psychische Belastung

Doch Kordahi macht sich auch Gedanken um seine Mitarbeiter. Er macht sich Sorgen, wie sie all das schaffen. "Wir erleben die Hölle. Patienten und ihre Familien wollen den Befund oft nicht akzeptieren. Die Regierung hat an allen Krankenhäusern Kräfte der Polizei und der Armee eingesetzt, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Die Menschen müssen verstehen, dass es ernst ist. Obwohl so viele Aufklärungsmaßnahmen stattfinden, gibt es immer noch Menschen, die das alles nicht wahrhaben wollen."
Müde aber entschlossen fügt George Kordahi hinzu: "Wir sind  solche Situationen gewöhnt, viele von uns haben die Schrecken des Bürgerkriegs durchgemacht. Wir geben unser Bestes. Wenn wir die Nerven verlieren, tun es die anderen vielleicht auch."

Die Opferzahlen steigen weiter. In Liberia sind bereits über 500 Menschen an Ebola gestorben. Die WHO räumt ein, dass das Ausmaß der Ebola-Epidemie erheblich unterschätzt wurde und dass außerordentliche Maßnahmen notwendig sind, um die Seuche einzudämmen. Nun droht den Menschen in Liberia auch eine Lebensmittelknappheit, da durch Beschränkungen an den Grenzen und im Schiffsverkehr lebenswichtige Güter das Land kaum noch erreichen können.

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