Aids in Afrika

Fakten, Zahlen und Hintergrundinformationen zur Epidemie

Aids in Afrika ist eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit. Südlich der Sahara ist die Epidemie die häufigste Todesursache. Zwei Drittel aller HIV-Infizierten weltweit sind Afrikaner. Die Armutskrankheit Aids hat verheerende soziale und auch wirtschaftliche Folgen. So wachsen Millionen Aids-Waisen ohne Zukunft auf. Doch es gibt auch Fortschritte im Kampf gegen HIV/Aids südlich der Sahara.

Kampf gegen Aids durch Aufklärung: Zeichnung eines Schülers an der SOS-Schule in Bakoteh in Gambia

Die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand zu bringen - das ist eines der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die bis 2015 erreicht werden sollten. Trotz erheblicher Erfolge im Kampf gegen die Aids-Epidemie kann von der Umsetzung dieses Ziels keine Rede sein. Aids ist in Afrika nach wie vor eines der größten Entwicklungshemmnisse und eine der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen.

Aids in Afrika: Das sagen die Zahlen

Etwa 35 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert, 25 Millionen von ihnen leben in Subsahara-Afrika, darunter ca. 2,9 Millionen Kinder. Zwar ist die Zahl an Neuinfektionen in dieser von Armut und kriegerischen Konflikten gebeutelten Region zwischen 2001 und 2011 um ein Viertel gesunken, dennoch ist das Subsahara-Afrika die am stärksten von der Epidemie betroffene Region der Welt: 69 Prozent aller HIV-positiven Menschen leben südlich der Sahara.

Dank einer verbesserten medizinischen Versorgung konnte die Sterberate in vielen Ländern erheblich reduziert werden, trotzdem haben immer noch 6,8 Millionen Infizierte keinen Zugang zu Medikamenten.

Aids in Afrika: besonders stark betroffene Länder

Zu den am stärksten unter der HIV-Epidemie leidenden Ländern gehören die afrikanischen Staaten Swasiland, Botswana, Lesotho, Malawi, Nigeria und Kenia. Die meisten HIV-Infizierten leben aber in Südafrika: Mit über 6 Millionen Aids-Kranken hat das Land bei einer Gesamtbevölkerung von 50 Millionen eine der weltweit höchsten HIV-Raten. Zu erschreckenden Ergebnissen kam eine Studie der südafrikanischen Regierung aus dem Jahr 2012: 28% aller  Schulmädchen seien HIV-positiv. Da die Infektionsrate bei ihren männlichen Mitschülern nur bei 4% liegt, nimmt die Regierung an, dass die Mädchen sich bei älteren Männern, den sogenannten "sugar daddies", anstecken.

Aids-Waisen in Afrika


Die Mutter starb an Aids, nun kümmert sich die Großmutter um die verwaiste Enkeltochter: Die Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer in Bangui, Zentralafrika - Foto: Sylvain Cherkaoui

2,4 Millionen Aids-Waisen leben in Südafrika, in Tansania sind es 1,3 Millionen Kinder in Mosambik und 790.000 Kinder in Malawi - sie alle haben ein oder beide Elternteile durch die Immunschwächekrankheit verloren. Insgesamt leben 15 Millionen Aids-Waisen in den Ländern südlich der Sahara. In einigen Landstrichen des südostafrikanischen Landes Malawi hat die tückische Krankheit jedem zweiten Erwachsenen das Leben genommen und Kinder zu Waisen gemacht. Viele von ihnen haben ihre Eltern gepflegt und mussten sich gleichzeitig um ihre jüngeren Geschwister und den Lebensunterhalt für die Familie kümmern. Werden die Waisen nach dem Tod ihrer Eltern nicht von Verwandten aufgenommen, sind sie ganz auf sich allein gestellt. Viele von ihnen landen dann auf der Straße ohne Hoffnung auf eine Zukunft.

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Aids in Afrika: Ursachen für die starke Ausbreitung des HI-Virus

Die Gründe für die starke Ausbreitung von Aids im Afrika südlich der Sahara sind vielfältig. Zu den am häufigsten genannten Ursachen zählen:

  • Armut: Über 40% der Menschen in den Ländern südlich der Sahara leben unter der Armutsgrenze und leiden Hunger. Das knappe Geld reicht meist nicht, um sich durch Kondome vor Ansteckung zu schützen, geschweige denn für einen HIV-Test oder gar eine antiretrovirale Therapie.
  • Unzureichende medizinische Versorgung: Zwar erhalten auch in Afrika immer mehr Menschen Zugang zu Aids-Tests und HIV-Medikamenten. So lassen sich z.B. Babys vor Mutter-Kind-Übertragung schützen. Doch die Gesundheitssysteme in Afrika sind dem Kampf gegen die Aids-Epidemie nach wie vor nicht gewachsen. Es fehlt an Krankenhäusern ebenso wie an Ärzten.
  • Mangelnde Prävention und Aufklärung: Präventions- und Aufklärungskampagnen wurden in vielen Ländern Afrikas erst viel zu spät gestartet. Viele Regierungen ignorierten die Krankheit, mit der Folge, dass sie sich 20 Jahre lang ungehindert ausbreiten konnte. Noch heute ist das Wissen über den HI-Virus in großen Teilen der Bevölkerung unzureichend. Aufklärung wird nicht zuletzt dadurch erschwert, dass ein Großteil der Menschen keinen Zugang zu Bildung haben.
  • Tabu und Stigma: Aids gilt in vielen afrikanischen Ländern als Tabuthema. HIV-Infizierte werden stigmatisiert und von der Gesellschaft ausgestoßen. Viele halten daher ihre Krankheit geheim - auch vor ihren Sexualpartnern. Folge: Sie stecken andere wissentlich an.
  • Sexualverhalten: Die in verschiedenen Regionen Afrikas praktizierte Polygamie und Promiskuität begünstigen die Ausbreitung von HIV/Aids.
  • Prostitution: Aufgrund großer Armut ist auch Prostitution in Afrika weit verbreitet. Die Freier sind häufig Männer, die auf der Suche nach Arbeit von Ort zu ziehen und häufig wechselnde Sexualpartner haben. Prostituierte und Freier stecken sich an und tragen das HI-Virus weiter.
  • Sexuelle Gewalt gegen Frauen: Südafrika, eines der am stärksten von der Epidemie betroffenen Länder, hat eine der höchsten Vergewaltigungsraten der Welt. Viele Frauen erkranken an Aids, weil sie von einem HIV-infizierten Täter vergewaltigt wurden.

Aids in Afrika: Armutskrankheit und humanitäre Katastrophe

Aids in Afrika ist eine der größten humanitären Katastrophen der Welt und führt auf dem Kontinent zu gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Armut ist nicht nur Ursache, sondern auch Folge der Aids-Epidemie in Afrika.

Soziale Folgen:

  • durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung sinkt
  • Anzahl der Waisenkinder wächst
  • Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, steigt an

Wirtschaftliche Folgen:

  • Verlust von Arbeitskräften
  • Verringerung der Produktion, gerade auch in der Landwirtschaft
  • steigende Gesundheitsausgaben, die die öffentlichen Haushalte belasten
  • Rückgang der Steuereinnahmen
  • Rückgang der Auslandsinvestitionen
  • Verringerung des Wirtschaftswachstums
  • Entwicklungserfolge werden zunichte gemacht.

Aids in Afrika - aktuelle Trends

Nach Jahrzehnten von Hiobsbotschaften konnte UNAIDS im Jahr 2013 beachtliche Erfolge im Kampf gegen Aids in Afrika vermelden: In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara war die Zahl der Aids-Toten in den letzten Jahren rückläufig. Während im Jahr 2005 in Subsahara-Afrika noch 1,3 Millionen Menschen an dem HI-Virus starben, waren es im Jahr 2011 "nur" noch 800.000. Zwischen 2001 und 2011 gingen die Neuinfektionen in der Region außerdem um 30% zurück.

Die Zahlen zeigen, dass die eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/Aids in Afrika ihre Wirkung zeigen und die Ausbreitung der Krankheit, wenn nicht  gestoppt, dann zumindest stark reduziert werden kann.

SOS-Kinderdörfer im Kampf gegen Aids in Afrika

Trotz dieser Erfolge brauchen die Menschen in Afrika auch weiterhin Hilfe - gerade die Kinder. Die SOS-Kinderdörfer geben Aids-Waisen in Afrika ein Zuhause und eine Zukunft.