SOS-Kinderdorf Cap Haïtien

Obwohl sich die Arbeit im erdbebengeschädigten Haiti als extrem schwierig erwiesen hat, haben wir unsere Bemühungen für die schwächsten Teile der Gesellschaft weiter verstärkt. Durch das Erdbeben haben Hunderttausende Kinder die elterliche Fürsorge verloren und sind völlig schutzlos und unbegleitet zurückgeblieben. SOS-Kinderdorf unterstützt diese Kinder, damit sie eines Tages ein Leben in Würde führen können.

In den Trümmern von Cap-Haïtien sind Kinder heute mehr denn je gefährdet

Schulkinder (Foto: SOS-Archiv)
Schulkinder (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Cap Haïtien liegt etwa sechs Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt. Die Umgebung ist nur dünn besiedelt und überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Cap Haïtien ist durch seinen Hafen zur zweitwichtigsten Stadt des Landes geworden. Im Januar 2010 wurde durch ein schreckliches Erdbeben ungekannten Ausmaßes fast die gesamte Insel in Schutt und Asche gelegt.

Das erdbebengeschädigte Haiti ist heute sicherlich das am wenigsten entwickelte Land in Lateinamerika und der Karibik. Millionen Menschen haben nach wie vor keinen Zugang zu fließendem Wasser, keinen Strom und keine menschenwürdigen Behausungen. Hunderttausende haben durch die Naturkatastrophe ihre Bleibe verloren und leben immer noch in provisorischen Notunterkünften oder auf der Straße und warten auf ein neues Zuhause. Das Erdbeben hat die Bevölkerung Haitis und das tägliche Leben in unvorstellbarem Ausmaß in Mitleidenschaft gezogen.

Zu allem Übel kam es nach dem Erdbeben zu einem massiven Ausbruch der Cholera. Innerhalb eines Jahres erkrankten 476 000 Menschen, 6600 Infizierte starben an den Folgen. Schon vor dem verheerenden Erdbeben war die Zahl der Kinder ohne elterliche Fürsorge in Haiti verhältnismäßig hoch. Nach der Katastrophe stiegen die Zahlen dramatisch an und liegen jetzt bei schätzungsweise zwei Millionen. Trotz der staatlichen Bemühungen und der Arbeit zahlreicher NGOs zum Schutz der haitianischen Kinder stellen der Kinderhandel und die kommerzielle sexuelle Ausbeutung derzeit zwei der größten Bedrohungen für die Kinder des Landes dar.

Unterstützung der Opfer in diesem katastrophengeschüttelten Land

Das SOS-Kinderdorf Cap Haïtien wurde im Jahr 1989 eröffnet. Unsere Arbeit hat sich nach dem Erdbeben von 2010 grundlegend verändert: wir leisteten Soforthilfe, versorgten jeden Tag Zehntausende Kinder mit Nahrung, boten medizinische Versorgung und schutzlosen Kindern eine Unterkunft. Derzeit wird die Nothilfe in ein langfristiges Sozialprogramm umgewandelt. Unser Schwerpunkt liegt auf dem dauerhaften Wiederaufbau besonders von Schulen und auf der Unterstützung von Kindern ohne elterliche Fürsorge und notleidenden Familien in der Gemeinde.

Unsere Arbeit in Cap Haïtien

Mittagessen im Sozialzentrum (Foto: S. Preisch)
Mittagessen im Sozialzentrum (Foto: S. Preisch)

Wie bereits vor dem Erdbeben leiten die Sozialzentren in Cap Haïtien weiter Familienstärkungsprogramme, um die Not der Bevölkerung auf ganzheitliche und nachhaltige Art und Weise zu lindern. Die Angebote umfassen eine Kindertagesstätte und ein Tagesmütterprogramm. Über 1000 Kinder und 500 Eltern konnten bislang die Dienste der Sozialzentren in Anspruch nehmen.

Bis zu 220 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in 22 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut. SOS-Kinderdorf erhält permanent Anfragen, mehr Kinder aufzunehmen, aber die Kapazitäten einer qualitativen Betreuung in den SOS-Familien sind begrenzt. In der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule werden bis zu 700 Kinder aus dem Kinderdorf und der umliegenden Gemeinde in der Primär- und Sekundarstufe unterrichtet.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterstützung qualifizierter Fachkräfte können sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu übernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereiten.
Unser SOS-Berufsbildungszentrum in Cap-Haïtien bietet eine Ausbildung in den Fachrichtungen Elektromechanik, Schneiderei, Schlosserei, Tischlerei, Kfz-Mechanik, Klempnerei, Kältetechnik und Kosmetik für bis zu 270 junge Menschen aus dem Kinderdorf und der umliegenden Gemeinde. Im SOS-Berufsbildungszentrum werden darüber hinaus Alphabetisierungskurse für Erwachsene aus der lokalen Gemeinde angeboten.

In Cap-Haïtien gibt es auch ein SOS-Schulungszentrum, in dem angehende SOS-Mütter und MitarbeiterInnen umfassend ausgebildet und auf ihre wichtige Rolle in einem Kinderdorf vorbereitet werden.

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