Dieter Nuhr zum Tag des Glücks

"Eigentlich lachen wir viel zu wenig."

20.03.2016 - Am 20. März ist Frühlingsanfang. Passend dazu haben die Vereinten Nationen 2013 diesen Tag zum Internationalen Day of Happiness ausgerufen. Fürs Lachen steht auch Comedian Dieter Nuhr, der sich seit vielen Jahren für die SOS-Kinderdörfer engagiert. Wir haben mit ihm gesprochen – über die glücklichen Momente zuhause und in den Kinderdörfern.

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Lachen macht glücklich: Dieter Nuhr albert mit den Kindern des SOS-Kinderdorfs Hawassa in Äthiopien. Foto. Patrick Wittmann

Herr Nuhr, was macht Sie happy? Worüber können Sie besonders gut lachen? Eher über Alltagsdinge, über Kollegen Ihres Fachs?

Ich bin ein sehr schlechtes Publikum, was andere Comedians angeht. Das ist ein bisschen so, wie wenn man Fußballer ist – da geht man auch nicht mehr zum Spaß ins Stadion und freut sich über irgendein Zweitligaspiel. Sondern man steht da und denkt übers System nach und denkt „Wieso spielt der jetzt 4-3-3? Und wieso nicht mit Raute?“ Man ist da im Grunde für sowas so verkommen. Insofern freue ich mich, wenn ich über alltägliche Dinge lachen kann.

Können Sie eigentlich gut über sich selbst lachen? Ich stelle mir gerade vor, wenn Sie an einem neuen Programm arbeiten, wie das wohl aussehen mag. Müssen Sie dann mitunter herzhaft lachen oder ist das komplett etwas anderes, da es ja Arbeit ist?

Also wenn ich meine eigenen Texte schreibe, dann ist das ja mein Humor, also entspricht das auch dem worüber ich lache und wenn ich neue Texte schreibe, lache ich auch gerne mal mit, weil ich mir ja selber Witze erzähle, die ich noch nicht kenne. Und das macht ja auch potenziell glücklich. Eigentlich lachen wir viel zu wenig – ich glaube statistisch gesehen sechs Minuten pro Tag. Das ist nicht gerade viel, aber glaube ich auch eher ein deutsches Phänomen. Der Deutsche nimmt das Leben eigentlich erst mal ernst, zumindest die ältere Generation. In der jüngeren Generation weicht sich das ein bisschen auf.

Sie sind ja sehr viel in der Welt unterwegs. Ein internationaleres Zeichen als ein Lächeln oder ein Lachen gibt es doch gar nicht, oder?

Es ist in der Tat glaube ich mit das einzige was man auf der ganzen Welt anwenden kann – außer vielleicht in Japan, wo das Lächeln sozusagen in Stein gefroren ist und gesellschaftlichen Konventionen unterliegt. Im Rest der Welt funktioniert ein Lachen immer und hat mir auch schon sehr geholfen in Situationen, wo es brenzlig wurde. Wenn man da jemanden anlacht, ich glaube dann hilft das einem schon über potenzielle Aggressionen hinweg. Das ist ein gutes Ding, um sich auch ein bisschen näher zu kommen.

Dennoch, es ist natürlich nicht immer alles happy. Sie unterstützen seit vielen Jahren die SOS-Kinderdörfer weltweit. Wie sehr trifft und berührt es Sie, wenn Sie ein Kinderdorf besuchen?

Wenn ich im Sudan bin – wo sehr viel Armut herrscht – oder in Äthiopien, dann ist dieser Ort des Kinderdorfs ja quasi ein Ort der Heilung, ein paradiesischer Ort, an dem die Kinder sowas haben wie Schulbildung, familiäre Zuneigung und so weiter.  Alles Dinge, die außerhalb nicht selbstverständlich sind. Und insofern kann man sich auch in diesen Ländern sehr oft an sehr positiven Stimmungen erfreuen. Trotzdem darf man natürlich nicht hinfahren und in Indien nur das Heitere sehen oder in Äthiopien, sondern man muss auch die Missstände wahrnehmen und muss sich fragen „Was kann ich tun?“ Ich komme dann immer sehr beseelt nach Hause und gar nicht depressiv, sondern eher glücklich.