Interview: Welt-Armutstag am 17. Oktober

17.10.2016 - Heute ist der "Internationale Tag für die Beseitigung der Armut", auch "Welt-Armutstag" genannt. Ins Leben gerufen hat ihn 1992 die UN. Damals lebten rund 5,5 Milliarden Menschen auf der Erde, heute sind es schon fast 7,5 Milliarden. In jeder Sekunde kommen drei neue Erdenbürger dazu. Viele dieser Neugeborenen werden nach jetzigem Stand ein Leben in Armut führen.

Interview mit Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit:
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Als extrem arm gilt, wer von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben muss. So gesehen dürfte es in Deutschland vermutlich gar keine messbare extreme Armut geben. Ist das ein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen und zu sagen "läuft doch"?

Ganz und gar nicht. In Deutschland leben über 1,5 Millionen Kinder, die auf Hartz 4 angewiesen sind. Tendenz steigend. Das höchste Armutsrisiko haben dabei Alleinerziehende sowie kinderreiche Familien. Also ich finde das skandalös.

Wie äußert sich das ganz konkret im Alltag dieser Kinder, dieser Familien?

Glücklicherweise muss bei uns in Deutschland niemand hungern, aber: Eltern vieler Kinder müssen buchstäblich jeden Cent dreimal umdrehen! Da gibt es keinen Kinobesuch, keinen Urlaub, keine Mitgliedschaft in einem Sportverein und auch keine Spange, um die Zähne gerade zu richten. Leider geht Armut auch sehr oft mit bildungsferne einher. Das heißt: Aus armen Kindern werden arme Erwachsene, die wieder arme Kinder haben usw. Deutschland gibt sehr viel Geld für Soziales aus. Aber gerade für Alleinerziehende und kinderreiche Familien tun wir viel zu wenig.


Weltweit unterstützt SOS Kinder und Familien in Not, wie hier in Bukavu, Demokratische Republik Kongo. Foto: Catherine Flore Ngo Biyack

Blickt man auf andere Kontinente, dann bekommt der Begriff Armut ja noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Dort geht es ja nicht selten ums nackte Überleben. Welche Regionen sind da besonders betroffen? Ist es in erster Linie Afrika?

Ja, besonders betroffen ist Afrika südlich der Sahara und Südasien. Es gibt weltweit rund eine Milliarde extrem arme Menschen, die täglich nicht einmal zwei Dollar zur Verfügung haben, um zu überleben. 60 Prozent dieser Menschen leben in nur fünf Ländern: Indien, Nigeria, China, Bangladesch und die Demokratische Republik Kongo. Hier herrscht wirklich krasse Armut, Hunger und Tod.

DAS Rezept gegen Armut wird es kaum geben, aber ein oder mehrere mit Sicherheit schon. Welches wären denn aus SOS-Sicht die Punkte, welche die Armut auf der Welt am ehesten mindern könnten?

Eine Grundvoraussetzung ist natürlich Frieden. In Frieden kann man immer aufbauen. Dann kann man extrem armen Familien mit sehr einfachen Mitteln wie Mikrokrediten oder Fortbildungen und ähnlichem zu bescheidenem Wohlstand verhelfen. Die SOS-Kinderdörfer machen das momentan mit rund 100.000 solcher Familien weltweit. Bildung für Erwachsene und Kinder ist dabei der zentrale Ansatzpunkt. Nur Bildung durchbricht langfristig den Teufelskreis der Armut.

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