Südsudan: Gerettet aus der "Todeszone"

SOS-Familien aus Malakal ausgeflogen / SOS-Kinderdorf geplündert

18.03.2014 - Nach schweren Kämpfen im Südsudan haben UN-Flugzeuge die Familien des SOS-Kinderdorfs Malakal ausgeflogen. 106 SOS-Kinder und ihre Kinderdorf-Mütter wurden mit zwei Flügen in die derzeit sichere Hauptstadt Juba gebracht. Ein SOS-Kind, Omojok (15), sagte: "Malakal ist eine Todeszone."
Freudenszenen nach der Landung: SOS-Mitarbeiter empfangen die geretteten SOS-Kinder und Kinderdorf-Mütter aus Malakal am Flughafen in Juba - Foto: Kalayu Fiseha
Freudenszenen nach der Landung: SOS-Mitarbeiter empfangen die geretteten SOS-Kinder und Kinderdorf-Mütter aus Malakal am Flughafen in Juba - Fotos: Kalayu Fiseha
Malakal, die umkämpfte Provinzhauptstadt im ölreichen Norden des Südsudan, war Mitte Februar von Rebellen erobert worden. Überlebende berichten von Gräueltaten: Junge Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, Patienten im örtlichen Krankenhaus ermordet. Die Stadt ist fast vollständig zerstört. Geschäfte sowie das SOS-Kinderdorf in Malakal wurden geplündert.

Der Großteil der SOS-Familien floh während der Kämpfe aus dem Kinderdorf und fand im UN-Camp Zuflucht. Doch auch im völlig überfüllten Lager loderte Gewalt zwischen den verfeindeten Volksgruppen Shilluk und Nuer auf. Nach Berichten wurden dabei zehn Menschen getötet. Die Flüchtlinge auf dem UN-Gelände leben in ständiger Angst. "Die Rebellen kommen ganz nah bis an den Zaun des Camps heran", sagte Angelica, eine 18-jährige SOS-Jugendliche. "Wer das Camp verlässt, riskiert, umgebracht oder verschleppt zu werden."


UN-Flugzeuge flogen die SOS-Kinder und Kinderdorf-Mütter aus dem zerstörten Malakal nach Juba.
Unter den Verschleppten war auch SOS-Jugendleiter Olyek Odhong. Rebellen brachten ihn nach Nasir, eine kleine Stadt etwa 30 Kilometer von der äthiopischen Grenze entfernt. Dort machte ihn der Bruder einer SOS-Mutter ausfindig und brachte ihn zurück nach Malakal zur UN-Basis. "Ich wurde acht Tage lang von Rebellen festgehalten und hatte großes Glück, dass man mich wieder laufen ließ, viele hatten nicht so viel Glück", berichtete der SOS-Mitarbeiter.

Angst im überfüllten UN-Camp

Im UN-Camp in Malakal drängen sich Tausende Flüchtlinge. Die Zustände dort sind unzureichend. "Es gibt zwar Nahrungsmittel, aber kein Wasser zum Kochen oder Waschen", berichtet die SOS-Jugendliche Angelica. Es fehlt an Latrinen ebenso wie an Zelten. Viele Flüchtlinge müssen im Freien schlafen.

Ankunft in Juba: "Der glücklichste Moment meines Lebens"

Endlich wieder sattessen: Die SOS-Familien wurden in einem Haus in Juba einquartiert - dort bekamen die Kinder als erstes eine Mahlzeit.
Endlich wieder sattessen: Die SOS-Familien wurden in einem Haus in Juba einquartiert, wo die Kinder sicher und gut versorgt sind. Als erstes bekamen die Mädchen und Jungen eine Mahlzeit.

Erst nach Wochen war es jetzt möglich, die SOS-Familien mit UN-Maschinen aus Malakal auszufliegen. Nach der Landung in Juba spielten sich am Flughafen Freudenszenen ab, als SOS-Mitarbeiter die Familien empfingen. "Dies ist der glücklichste Moment meines Lebens", sagte SOS-Projektleiter Kiros Aregawi. Einige Kinder konnten nach den traumatischen Erlebnissen der vergangenen Wochen zunächst nicht glauben, in Sicherheit zu sein.
Die SOS-Familien aus Malakal wurden in einem angemieteten Haus einquartiert und als erstes mit Essen versorgt.

Weiter auf der Flucht

Unterdessen ist ein SOS-Jugendleiter mit einer Gruppe von 31 SOS-Kindern und -Jugendlichen weiter auf der Flucht. Sie flohen während der Kämpfe in Malakal aus dem Kinderdorf auf die andere Nil-Seite. Von dort zogen sie weiter bis in die Stadt Paloich. Die SOS-Kinderdörfer im Südsudan treffen derzeit Vorbereitungen, um auch diese Gruppe in Sicherheit zu bringen.

Nach wie vor werden zwei SOS-Kinder vermisst, die im Chaos von den anderen getrennt wurden. Die SOS-Kinderdörfer im Südsudan unternehmen alles, um die beiden ausfindig zu machen. Die UN-Mission im Südsudan (UNMISS), Unicef und die südsudanesischen Behörden haben Unterstützung zugesagt.

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