Syrien: Verwundetes Mädchen aus Madaya evakuiert

SOS-Kinderdörfer ermöglichen medizinische Versorgung der Fünfjährigen

30.03.2016 - Die SOS-Kinderdörfer haben in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Syrisch Arabischer Roter Halbmond (SARC) am Freitag ein schwer verwundetes fünfjähriges Mädchen, ihren 18 Monate alten Bruder und deren Mutter aus der belagerten syrischen Stadt Madaya evakuiert und die medizinische Versorgung ermöglicht.

Nachdem das Mädchen am 24. März auf dem Weg zur Schule mehrfach angeschossen und schwer verletzt wurde, sah ihre Lage zunächst kritisch aus. In der seit 2015 belagerten Stadt Madaya gibt es kein Krankenhaus. So sah sich die Mutter gezwungen, einen Tierarzt zu konsultieren, der mit Hilfe eines telefonisch zugeschalteten Arztes aus Damaskus die dringend notwendigen Operationen durchführen wollte. In letzter Minute kam dann die Bestätigung via Telefon: Rama* darf evakuiert werden.

Evakuation in Zusammenarbeit mit SARC


Rama wurde auf dem Schulweg in der belagerten syrischen Stadt Madaya angeschossen. Nach einigen Operationen geht es ihr nun besser.

SARC-Mitarbeiter brachten die dreiköpfige Familie am Freitag in ein privates Krankenhaus in Damaskus. Dort musste das Mädchen mehrmals operiert werden. Nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation hat sich Ramas Lage nun stabilisiert. Die Kosten der Behandlung wurden von den SOS-Kinderdörfern übernommen.

Bereits vor drei Monaten konnte ein Nothilfeteam der SOS-Kinderdörfer erstmals in die belagerte Stadt Madaya vordringen. Damals berichtete SOS-Mitarbeiterin Abeer Pamuk von unmenschlichen Zuständen und hungernden Kindern.

Erster Erfolg bei Verhandlungen um belagerte Städte

Alia Al-Dalli, SOS-Direktorin für die Regionen Naher Osten und Nordafrika, wertet die Evakuierung als ersten Erfolg: „Die Evakuierung der Familie aus Madaya ist ein großer Durchbruch bei den Verhandlungen über den sicheren Transfer gefährdeter Kinder aus den belagerten syrischen Gebieten. Sie ist aber nur der Anfang auf einem langen Weg, um unzählige schutzbedürftige Kinder in Syrien zu erreichen.“

Auch die Mutter des verletzten Mädchens zieht Hoffnung aus der Befreiung: „Ich hoffe, mein Kind ist das erste von vielen Kindern, die aus Madaya und anderen syrischen Städten evakuiert werden müssten. Mein Traum war es, dass meine Tochter überlebt – und dank SOS und SARC ist dieser Traum wahr geworden.“

Das Leid der Menschen in Madaya

Die Familie hat bereits eine lange Geschichte des Leides hinter sich. Nachdem ihr Mann unter bisher ungeklärten Umständen verschwand, musste die Mutter ihre beiden Kinder allein großziehen. Mit dem Beginn der Belagerung Madayas im Sommer 2015 wurde ein normales Leben unmöglich. Die Not in der abgeriegelten Stadt ist unvorstellbar. Binnen kurzer Zeit waren für die meisten Bewohner alle Lebensmittelvorräte aufgebraucht und Ramas Mutter musste – wie viele ihrer Nachbarn – Blätter und Gras kochen. „Zuletzt hatten wir nur Salz und Wasser. In den letzten Wochen dachte ich wirklich, dass wir alle sterben werden“, erklärte die Frau bei einem Telefonat mit einer SOS-Mitarbeiterin am Dienstag.

SOS-Nothilfe in Syrien

Die SOS-Kinderdörfer leisten seit Jahren Nothilfe in Syrien. Im Bürgerkriegsland versorgen SOS-Mitarbeiter Familien mit Hilfsgütern und betreuen unbegleitete und traumatisierte Kinder.

 

*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert