Zurück in die Schule

Als ihre Familie in Not geriet, musste die 14-jährige Rani und ihre drei Schwestern ihre Ausbildung aufgeben und zu arbeiten beginnen. Nur ihr Bruder durfte weiter lernen. Die SOS-Familienstärkung half der Familie aus Chittor in Südindien, die schweren Zeiten zu überwinden – und Mädchen in einem anderen Licht zu sehen.

Lernen zu können war für Rani und ihre Schwestern keine Selbstverständlichkeit. Dank der SOS-Familienhilfe kann die Familie allen Töchtern eine Ausbildung ermöglichen.

"Meine Schwestern und ich hatten die Hoffnung schon aufgegeben, wieder zur Schule gehen zu können – bis wir von SOS unterstützt wurden. Jetzt lernen wir alle Vier weiter!"

Rani aus Chittor, Indien
Mutter Sameera ist stolz auf jedes ihrer Kinder und weiß nun, wie wichtig eine Ausbildung für sie ist.

Ein Mädchen oder ein Junge zu sein, machte in Ranis Familie lange Zeit einen großen Unterschied: Wurde ein Mädchen geboren, war das schon okay, aber nach den patriarchalen Strukturen, die hier in vielen Familien noch galten, war das eigentliche Ziel für eine Mutter, einen Jungen auf die Welt zu bringen. Ranis Mutter bekam vier Töchter und mit jeder wuchs der Druck, bis endlich ein Junge zur Welt kam.

Ein trauriger Tag für die vier Schwestern

Wie ihr Bruder, wurden auch die vier Mädchen in die Schule geschickt – bis die Jahre kamen, in denen in Chittor der Regen ausblieb und die Ernte ausfiel:

Die Familie lebte von der Landwirtschaft. Jedes Jahr, wenn im September die Regenzeit begann, pflanzte sie Reis, und anschließend, in den trockenen Monaten von März bis August, Erdnüsse. Reis – Erdnüsse – Reis – Erdnüsse - so lange das Wetter mitspielte.

Doch in der dürreanfälligen Region kam es in den letzten Jahren immer häufiger vor, dass der Regen ausblieb. Zwar besaß die Familie einen Brunnen, aber das Wasser reichte bei weitem nicht, um ihre Felder zu bewässern. So spitzte sich ihre finanzielle Situation weiter zu, bis die Eltern einen Entschluss fassten: Nur ihr Sohn durfte weiter zur Schule gehen, die vier Mädchen mussten Jobs annehmen und helfen, die Familie zu ernähren. Es war ein trauriger Tag für die vier Schwestern.

Heute ist es Sameera, die andere Frauen ermuntert, sich auf den Weg machen.

Dann wurde die SOS-Familienstärkung in Tirupati auf die Familie aufmerksam. Gemeinsam mit den Eltern stellten die SOS-Mitarbeiter einen Plan für die nächsten Jahre auf: Ranis Eltern bekamen Schulungen in biologischer Landwirtschaft, lernten, wie sie ihre Felder durch einen besseren Fruchtwechsel optimal nutzen konnten. Nun begannen sie, auch Gemüse anzupflanzen. SOS half der Familie außerdem, die nötigen Anträge auszufüllen, um von der Regierung gefördert zu werden: Sie bekamen finanzielle Unterstützung sowie einen zweiten Brunnen.

Und die vier Mädchen konnten ihre Bildung wiederaufnehmen! Ranis älteste Schwester begann eine Ausbildung zur Stickerin, Rani, die zweitälteste und die beiden Jüngeren bekamen neue Schulbücher, Hefte, Taschen und Uniformen – und gingen wieder zur Schule.

Für den Schulbesuch werden die Haare der Mädchen besonders ordentlich frisiert.

Gemeinsam mit anderen Familien wurde Ranis Eltern die Bedeutung der Ausbildung gerade auch für Mädchen nähergebracht. Für Sameera, Ranis Mutter, ging eine ganz neue Welt auf: Sie verstand sofort – und war nun ihrerseits nicht mehr aufzuhalten. Sameera nahm an weiteren Workshops teil, zur Gleichberechtigung, Kinderrechten, Frauenstärkung. Sie begann, ihre Töchter gezielt zu fördern und für sich selbst mehr Autonomie und Mitsprache in der Familie einzufordern.

Heute ist es Sameera, die andere Frauen berät und sie ermuntert, sich auf den Weg machen. Auch ihren Töchtern kann sie ein ganz anderes Vorbild sein. Sie ist heute stolz auf alle ihre fünf Kinder, egal, ob Mädchen oder Junge. Sameera sagt: "Ich habe das Vertrauen, dass sie ihren Weg gehen. Wo ich kann, werde ich sie unterstützen!"

*Namen zum Schutz der Familie geändert.

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