Philippinen: SOS warnt vor Menschenhändlern

SOS-Kinderdörfer raten von schnellen Adoptionen ab

21.11.2013 - Die SOS-Kinderdörfer warnen nach der Katastrophe auf den Philippinen vor schnellen Adoptionen philippinischer Kinder. Auf den Philippinen sind nach Taifun "Haiyan" tausende Kinder von ihren Eltern getrennt worden oder haben ihre Angehörigen verloren und irren nun durch die zerstörten Städte und Dörfer.

Alleine auf sich gestellt: Nach Katastrophen wie dem Taifun auf den Philippinen sind verwaiste und unbegleitete Kinder besonders gefährdet.

"Es ist verständlich und ehrenwert, dass Menschen hier in Deutschland alleingelassenen Kindern nach dem Taifun helfen wollen", sagte der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, Louay Yassin, in München. Allerdings beschwöre der Wunsch, Kinder zu adoptieren, auch Kriminalität in den betroffenen Gebieten herauf. "Im Katastrophengebiet ist die staatliche Sicherheit nicht gewährleistet. Das nutzen sehr schnell Kriminelle aus."

Bei dem großen Erdbeben in Haiti vor knapp vier Jahren hatten Menschenhändlerringe Kinder von der Straße entführt, um sie gegen viel Geld in die USA zu vermitteln. An der Grenze zur Dominikanischen Republik konnte ein Bus mit entführten haitianischen Kindern gestoppt werden. "Die meisten dieser Kinder hatten noch Eltern", erklärte Yassin. "Die Kinder kamen dann vorübergehend im SOS-Kinderdorf unter, bis wir ihre Eltern gefunden hatten."

Die Hilfsorganisation, die acht Kinderdörfer auf den Philippinen unterhält, davon eines direkt in der völlig zerstörten Stadt Tacloban, vermittelt keine Adoptionen. "Unsere Ansicht ist es, dass die Kinder am besten in ihrem Kulturkreis aufgehoben sind und dort versorgt werden", erklärte Yassin. Zudem sei bei vielen unbegleiteten Kindern auf den Philippinen gar nicht sicher, dass sie wirklich Waisen seien. Oftmals seien die Kinder nur durch den Sturm und das Chaos danach  von ihren Eltern oder Verwandten getrennt worden. "Nun ist es unsere wichtigste Aufgabe, diese Kinder einzusammeln und wieder mit ihren Angehörigen zusammenzubringen", sagte Yassin.

Das habe man auch in Haiti gemacht. Nach dem Erdbeben seien im SOS-Kinderdorf in Port-au-Prince zeitweise mehr als 700 zusätzliche Kinder untergekommen. Sie seien dort beschützt und versorgt worden, bis man die Eltern oder andere Angehörige gefunden habe. So habe man im Zeitraum von rund eineinhalb Jahren rund 600 Kinder wieder an Verwandte zurückvermitteln können. Nur etwa 100 Kinder hätten sich tatsächlich als Waisen herausgestellt, die jetzt in einem neugebauten Kinderdorf in SOS-Familien untergekommen seien.

Auch auf den Philippinen sei dieses Vorgehen notwendig, erklärte Yassin. Derzeit habe die Hilfsorganisation neben der Nothilfe für die Nachbarn um das SOS-Kinderdorf sogenannte child-friendly spaces in Tacloban eingerichtet. "Das sind Kindertagesstätten, in denen unbegleitete Kinder sicher spielen können, verpflegt und psychologisch betreut werden, solange ihre Eltern sich um Nahrungsmittel kümmern müssten. In der zweiten Stufe werden dann Kinder im Kinderdorf betreut, die von ihren Eltern getrennt wurden oder keine Eltern mehr haben."

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