Ukraine: Angst vor Krieg

Krise trifft Kinder und Familien – Preise explodieren

12.03.2014 - Der Konflikt in der Ukraine spitzt sich weiter zu. "Die Menschen haben Angst vor einem Krieg", sagt Olena Bilyk, Leiterin des SOS-Kinderdorfs Brovary bei Kiew. Gleichzeitig verschärft sich die soziale Not. Es kommt zu Hamsterkäufen, Preise explodieren. Darunter leiden vor allem Kinder und Familien.
Taurig blickendes Mädchen im SOS-Sozialzentrum Kiew
"Eine derartige Krisensituation weckt bei den Kindern alte Erinnerungen, mit einem Wort: Furcht": Trauriges Mädchen im SOS-Sozialzentrum Kiew.

Seit November 2013 steht die Ukraine vor einer Zerreißprobe. Die Straßenschlachten in Kiew forderten 100 Tote und versetzten das ganze Land in Aufruhr. Nach dem Umsturz droht der Ukraine nun die Abspaltung der Krim. Auf der Halbinsel wie auch im Osten des Landes ist die Bevölkerung mehrheitlich russischsprachig. Während das Nachbarland Russland die separatistischen Kräfte unterstützt, droht eine dramatische Eskalation des Konflikts.

Nahrungsmittel sind doppelt so teuer

Gleichzeitig steht das Land vor dem Finanzkollaps: Die politische Krise hat die miserable ökonomische Lage in der Ukraine weiter verschärft. Löhne werden tagelang nicht ausgezahlt und die Preise explodieren: Nahrungsmittel sind zum Teil doppelt so teuer geworden, Gaspreise sind um 30 Prozent gestiegen.
"Es ist schwierig in den Geschäften Brot zu bekommen", sagt SOS-Dorfleiterin Olena Bilyk. "Die Menschen kaufen auf Vorrat, z.B. Zucker und Weizenprodukte; viele können sich noch an den Krieg und den Hungern erinnern, andere kaufen, weil sie sehen, dass die Preise immer weiter nach oben gehen."

Soziale Not in der Ukraine

Die soziale Notlage großer Teile der Bevölkerung droht sich weiter zu verschärfen. 35 Prozent der Menschen in der Ukraine leben unter der Armutsgrenze. Der monatliche Durchschnittslohn in der Ukraine liegt nur bei 250 Euro, das Preisniveau ist jedoch mit dem in westlichen Staaten vergleichbar. Jeder zehnte Ukrainer hat keine Arbeit und lebt von einer monatlichen Unterstützung von weniger als 100 Euro.
Arme Familien spüren die Auswirkungen der Krise als erste. Das gilt gerade auch für die rund 300 Familien, die die SOS-Familienhilfe in den Nachbarschaften der beiden ukrainischen Kinderdörfer unterstützt.

Kinder leiden unter Traumata

Vitali Klitschko bei der Eröffnung des SOS-Kinderdorfs in Brovary 2010
Als das SOS-Kinderdorf Brovary 2010 feierlich eröffnet wurde, war Vitali Klitschko als prominenter Unterstützer mit dabei.

Angst und allgemeine Unsicherheit in der Ukraine sind auch in den SOS-Kinderdörfern in Brovary und Lugansk zu spüren.

Das im August 2012 eröffnete SOS-Kinderdorf in Lugansk befindet sich in der mehrheitlich russischsprachigen Ostukraine. Vergangenes Wochenende stürmten prorussische Aktivisten den Sitz der Gebietsregierung in Lugansk.

Das SOS-Kinderdorf in Brovary wiederum ist knapp 20 Kilometer von Kiew entfernt, wo wochenlang Straßenschlachten tobten. Auch im Zentrum von Brovary kam es zu Aufruhr. Auf dem Schulweg wurden SOS-Kinder Zeuge der Gewalt.

Die Kinder blieben daher im SOS-Kinderdorf, Studenten besuchten nicht die Universität in Kiew. Bei vielen SOS-Kindern brachen Traumata wieder auf. Die SOS-Mitarbeiter reagieren, indem sie im Dorf mehr Aktivitäten und Therapien anbieten. "Eine derartige Krisensituation weckt bei den Kindern alte Erinnerungen, mit einem Wort: Furcht", sagt SOS-Mutter Valya. "Alle meine Kinder leiden darunter, sie haben Schlafstörungen und wenn man sie bittet, sich selbst zu malen, dann malen sie Bilder von winzigen Kindern - als ob sie sich verstecken wollten."