Kinder und Familien auf der Flucht

Weltflüchtlingstag am 20. Juni

SOS-Kinderdörfer fordern Politiker zum Handeln auf

18.06.2015 - Anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstags richten die SOS-Kinderdörfer weltweit einmal mehr den dringenden Appell an die Politik rasch Lösungen für die prekäre Situation von Flüchtlingen zu finden. Ein Interview mit dem SOS-Pressesprecher Louay Yassin.

Fast täglich erreicht uns die Nachricht, dass wieder ein voll beladenes Schlepperboot im Mittelmeer aufgegriffen wurde und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht werden konnten. Doch leider gelingt dies nicht immer: Allein in diesem Jahr sind 1.800 Menschen beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren gestorben, so das UN-Flüchtlingshilfswerk. Auch in Südostasien sind Flüchtlinge zu Tausenden unterwegs. Bürgerkriege tragen ebenfalls dazu bei, dass im Jahr 2014 - erstmals wieder seit dem Zweiten Weltkrieg – mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht waren, so das UN-Flüchtlingshilfswerk. Anlässlich des „Internationalen Weltflüchtlingstages“ am 20. Juni erklärt Louay Yassin, der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, was von der Politik dringend getan werden muss, um die Situation für die Flüchtlinge zu verbessern.

Anhören:

 


Kinder leiden oft am meisten darunter, dass sie ihr Zuhause verloren haben. Alleine in Syrien mußten Millionen von Kindern fliehen.
Herr Yassin, seit Jahresbeginn sind nach neuesten Zahlen schon mehr als 100.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Die steigenden Flüchtlingszahlen stellen Europa vor neue Herausforderungen. Nun gab es kürzlich einen Vorschlag auf EU-Ebene Schlepperboote zu zerstören, damit sie nicht erneut für die Überfahrt eingesetzt werden können. Was denken Sie über solche Maßnahmen?

 

Davon halte ich gar nichts. Wie soll sichergestellt werden, dass Schlepperbote und keine Flüchtlings- oder Fischerboote mit Menschen darin, zerstört werden? Das kann man doch oft gar nicht unterscheiden. Zudem sind die Schlepper in ihren Ländern, vor allem in Syrien, sehr gut organisiert und bewaffnet. Will man also einen Guerilla-Krieg mit Schleppern vom Zaun brechen? Es muss doch humanitär, nicht militärisch reagiert werden.

Was sollte denn Ihrer Ansicht nach von Seiten der Politik getan werden, um die Situation zu verändern?

Drei Sachen: Menschen, die bereits ins Mittelmeer gelangt sind, müssen erstens gerettet werden. Man kann nicht zusehen, wie diese Verzweifelten, die vor Mord, Hunger oder Armut fliehen, jämmerlich im Mittelmeer ertrinken. Das ist eine Schande.

Zweitens muss man die Länder, in denen Armut herrscht, stärken. Man muss diese Länder unterstützen, Ausbildung und Jobs zu schaffen. Wenn das erreicht wird, müssen die Menschen nicht mehr wegen Armut und Perspektivlosigkeit ihr Land verlassen.

Und drittens muss auf die Länder, in denen Bürgerkrieg herrscht, intensiver Druck gemacht werden, die Kämpfe zu beenden. Da hält sich die Weltgemeinschaft weitgehend raus, siehe Syrien. Und Kriegsflüchtlingen muss man Asyl gewähren.


Kinder in einem Flüchtlingscamp in Syrien. Aktuelle Studien besagen, dass es zurzeit insgesamt 38 Millionen Binnenflüchtlinge gibt.

Studien sprechen von rund 38 Millionen Binnenflüchtlingen, also Menschen, die innerhalb ihres eines eigenen Landes auf der Flucht sind. Wo erleben Sie die Situation vor Ort als besonders schlimm?

Ich denke da besonders an Syrien, wo acht oder neun Millionen Menschen im eigenen Land noch immer unterwegs sind und verzweifelt nach Sicherheit suchen: Heute hier, morgen dort, in Ruinen leben, in Kellern, wo auch immer. Und viele dieser Flüchtlinge flüchten in die direkt angrenzenden Länder. Bei uns kommt nur ein Bruchteil dieser Flüchtlinge an.

Wie ist denn der Ansatz der SOS-Kinderdörfer, um der wachsenden Zahl von Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, zu begegnen?

Wir können nur in Ländern aktiv werden, in denen kein Krieg herrscht. Dort bieten die SOS-Kinderdörfer Schulen und Ausbildungszentren an, damit die Kinder und Jugendlichen eine gute Ausbildungsperspektive bekommen. Denn wer eine Perspektive im eigenen Land und die Chance auf ein ordentliches Leben hat, der flüchtet auch nicht in eine ungewisse Zukunft nach Europa.

Herr Yassin, ich bedanke mich für das Gespräch.

Syrien: Spenden Sie jetzt!

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