Aufarbeitung von Unrecht: Wir stehen für Aufklärung und Transparenz

Auf dieser Seite informieren wir Sie über Kinderschutz-Vorfälle, unsere Haltung und ergriffene Maßnahmen.

Als weltweit agierende Kinderrechtsorganisation tragen wir große Verantwortung für den Schutz der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Ihnen ein sicheres und vertrauensvolles Aufwachsen zu ermöglichen, ist unsere absolute Priorität.

Heute müssen wir klar erkennen, dass uns dies in der Vergangenheit nicht in allen Fällen gelungen ist. Kinder und Jugendliche in unseren Programmen haben schweres Leid erfahren. Dies ist durch nichts zu rechtfertigen. Unser Mitgefühl gehört allen Betroffenen und wir setzen alles daran, die Vorfälle vollständig aufzuklären, Maßnahmen zu ergreifen, um den Kinderschutz in unseren weltweiten Einrichtungen dauerhaft zu stärken und Betroffene zu unterstützen. Dies ist ein Prozess, mit dem wir bereits vor vielen Jahren begonnen haben und den wir insbesondere ab 2021 intensiviert haben. So haben wir einen 25 Punkte umfassenden Kinderschutz-Aktionsplan umgesetzt. Wir werden diesen Weg unbeirrbar weiterführen.

Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner

Am 23. Oktober hat der Verein SOS-Kinderdorf Österreich schwerwiegende Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner, den Gründer der weltweiten Föderation der SOS-Kinderdörfer, bekannt gegeben. Dies erschüttert uns zutiefst und wir verurteilen diese Taten auf das Schärfste.  

Nach Angaben von SOS-Kinderdorf Österreich wurden die Vorwürfe im Zuge von Opferschutzverfahren zwischen 2013 und 2023 bekannt. Dennoch wurden die Informationen erst jetzt öffentlich gemacht. Auch der aktuelle Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit hat erst am 23. Oktober 2025 von den Missbrauchsvorwürfen gegen Hermann Gmeiner erfahren. Im Licht weiterer Missbrauchsfälle an österreichischen Standorten, die in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gekommen sind und ebenfalls erst jetzt vom Länderverein kommuniziert wurden, bleiben viele Fragen offen.  

In diesem Zusammenhang hat der internationale Aufsichtsrat der Föderation der SOS-Kinderdörfer am 23. Oktober 2025 beschlossen, den Länderverein SOS-Kinderdorf Österreich vorläufig zu suspendieren. Als deutscher Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit unterstützen wir die Entscheidung des internationalen Aufsichtsrats uneingeschränkt und erwarten vollständige Aufklärung durch SOS-Kinderdorf Österreich.  

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Vorwürfen gegen Hermann Gmeiner.

Vorwürfe gegen Helmut Kutin

Ein (inzwischen verstorbener) österreichischer Spender soll bei Besuchen in einem Kinderdorf in Nepal zwischen 2010 und 2014 Minderjährige sexuell missbraucht haben. SOS-Kinderdorf Österreich hatte Strafanzeige in Österreich erstattet, und der betroffenen Länderorganisation umfangreiche Unterstützung bei der Aufarbeitung zugesagt. Nachdem der Spender Ende August 2022 verstorben ist, wurden die polizeilichen Ermittlungen in Österreich eingestellt. 

Auch gegen den ehemaligen Präsidenten von SOS-Kinderdorf International, Helmut Kutin wurden in dem Zusammenhang Vorwürfe laut: Er soll den Spender gedeckt, ihm Zugang zum SOS-Kinderdorf gegeben und Missbrauch ermöglicht haben, wie uns 2022 bekannt wurde. 

Wir, der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit mit Sitz in München, fordern erneut und mit Nachdruck eine vollständige Aufklärung durch SOS-Kinderdorf Österreich. Wir haben bereits 2022 auf unserer Website transparent informiert. Am 07.11.2023 wurde der Ausschluss Helmut Kutins durch den Aufsichtsrat beschlossen, zugleich wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft entzogen. Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen, die Leid erfahren haben.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Vorwürfen gegen Helmut Kutin.  

Behördlich angewiesene Unterbringung von Kindern in Syrien

Im Jahr 2023 haben die SOS-Kinderdörfer weltweit zum ersten Mal davon erfahren, dass dem Länderverein SOS-Kinderdorf Syrien unter dem Assad-Regime 140 Kinder zwangsweise zugewiesen worden sind, die vorübergehend, jedoch auf unbestimmte Zeit vom Länderverein betreut werden sollten. Wir haben umgehend und dringend eine vollständige Aufklärung durch SOS-Kinderdorf Syrien gefordert und selbst 2024 eine unabhängige Sonderuntersuchung in Auftrag gegeben. Im Mittelpunkt stand und steht für uns die Suche nach den Kindern. Inzwischen ist es uns gelungen, von den 140 Kindern 67 ausfindig zu machen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Vorfällen in Syrien.

Vorfälle in russischen SOS-Kinderdörfern

Ende 2022 wurden wir über ernstzunehmende Vorgänge bei SOS-Kinderdorf Russland in Kenntnis gesetzt. Demnach hat der Verein massiv gegen die Werte der Föderation der SOS-Kinderdörfer verstoßen. Unter anderem war bekannt geworden, dass 13 ukrainische Kinder auf Veranlassung der russischen Regierung in Einrichtungen des Vereins SOS-Kinderdorf Russland betreut wurden. Nach sorgfältigen Erwägungen hat sich der Internationale Senat dazu entschieden, SOS-Kinderdorf Russland mit Wirkung zum 18. Mai 2023 zu suspendieren. Die Suspendierung hat weiter Bestand.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Vorfällen in Russland.


Unsere Haltung: Kinderschutz hat absolute Priorität!

Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder müssen immer und unter allen Umständen uneingeschränkt gewährleistet sein. Wahrheit darf niemals verschwiegen oder verdrängt werden. Dafür stehen wir ein. Wenn Rechenschaftspflicht, Verantwortung und Transparenz fehlen, sind die Folgen verheerend. Niemand – unabhängig von Position, Verdienst oder Geschichte – steht über dem Gesetz. Wo Vertrauen der Kinder und unserer Gemeinschaft missbraucht wird, müssen wir entschieden handeln. Nur durch Ehrlichkeit und den Mut zur Aufarbeitung können wir als Organisation wachsen und unserer Mission, Kinder weltweit zu schützen und zu begleiten, gerecht werden.  

Wir verpflichten uns zu einer umfassenden und schonungslosen und Aufarbeitung der Vergangenheit, transparenter Information und wir unterstützen unabhängige Untersuchungen in vollem Umfang. Betroffene müssen zu jedem Zeitpunkt Gehör finden und Unterstützung bekommen. Kinderschutz hat absolute Priorität. 

SOS-Kinderdorf-Vereine in über 135 Ländern sind seit ihrer Gründung dem Kinderschutz weltweit verpflichtet und arbeiten kontinuierlich daran, den Kinderschutz konsequent zu verbessern. Die international verbindliche Kinderschutzrichtlinie der SOS-Kinderdörfer enthält unter anderem ein Meldesystem, über das Betroffene oder Mitarbeitende Verdachtsfälle und aktuelle oder auch lang zurückliegende Vorwürfe weitergeben können.

Bereits 2016 war die unabhängige Kinderschutzorganisation "Keeping Children Safe" in London von den SOS-Kinderdörfern damit beauftragt worden, solchen Verdachtsfällen nachzugehen und vergangene Kinderschutzverletzungen aufzuarbeiten. Die Untersuchung förderte in einzelnen Ländern teils massive Verstöße gegen den Kinderschutz zutage, über die auch die SOS-Kinderdörfer weltweit die Öffentlichkeit informiert haben. Der Abschlussbericht ist hier einsehbar.

Wir müssen offen feststellen, dass unsere Maßnahmen für den Kinderschutz in der Vergangenheit nicht ausgereicht haben, um einen lückenlosen Kinderschutz in allen Fällen zu gewährleisten. Wir arbeiten die Vorkommnisse umfassend auf und hinterfragen kritisch, wie unsere Struktur diese Missstände zulassen konnte. Hierbei gehen wir schonungslos offen und transparent vor. Wir stellen uns den Versäumnissen ehrlich und haben bereits Schritte eingeleitet, um diese zu beheben und sind dabei, Strukturen zu schaffen, die einen lückenlosen Kinderschutz gewährleisten. 

Kommissionen zur Aufarbeitung

Um die Geschehnisse umfassend aufzuarbeiten, haben wir eine unabhängige Expertenkommission (Independent Special Commission, ISC) aus international anerkannten Rechtsexpert:innen damit beauftragt, jedem einzelnen Vorfall der Vergangenheit nachzugehen. Der Abschlussbericht wurde im Juni 2023 veröffentlicht. Die ISC spricht zudem für die betroffenen Länder konkrete Empfehlungen für eine verbesserte Struktur der nationalen Aufsicht, eine kritische Prüfung der Arbeitsbedingungen und verbesserte Methoden bei der Einstellung von Mitarbeitenden aus. Wir sind intensiv dabei, diese konsequent umzusetzen.

Auch in Deutschland gab es in Einrichtungen des SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. Vorwurfsfälle zu wiederholt kindeswohlgefährdenden Grenzverletzungen, die unser Schwesterverein von unabhängigen Experten untersuchen ließ. Weitere Informationen zur "Unabhängigen Kommission zur Anerkennung und Aufarbeitung erlittenen Unrechts" finden Sie hier.