Hunger in Afrika: Fakten, Ursachen, Folgen

Kinder in der Subsahara-Region leiden besonders

Jeder vierte Mensch in Afrika südlich der Sahara hungert. Besonders leiden die Kinder. Chronischer Hunger ist eine Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit in der Subsahara-Region.

Ist das Ärmchen zu dünn? Ein Drittel der Kinder in Afrika leidet unter den Folgen chronischer Mangelernährung:  - Foto: Sylvain Cherkaoui

Nach der Definition der Welternährungsorganisation FAO leiden Menschen an chronischem Hunger, wenn ihre tägliche Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum unter dem liegt, was sie für ein gesundes und aktives Leben bräuchten. Als Untergrenze werden durchschnittlich 1800 Kalorien am Tag angesetzt.
Demnach hungern in Afrika 226,7 Millionen Menschen. Betroffen von extremer Armut und Hunger in Afrika sind vor allem die südlich der Sahara gelegenen Staaten. Jeder Vierte leidet dort Hunger - damit ist in Subsahara-Afrika der Anteil der Hungernden weltweit am höchsten.

In der Region leben 40 bis 50% der Menschen unter der Armutsgrenze, d. h., sie haben ein tägliches Einkommen, das durchschnittlich unterhalb von 1,25 US-Dollar liegt. Damit gehört Afrika südlich der Sahara neben dem südlichen Asien zu den ärmsten Regionen der Welt.

Mangelernährung und hohe Kindersterblichkeit

Besonders unter dem Hunger in Afrika leiden die Kinder. Mangelernährung führt zu körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen und ist eine Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit südlich der Sahara.

  • Nach UN-Angaben sind weltweit 165 Millionen Kinder infolge von chronischer Unterernährung für ihr Alter zu klein (englisch "stunted"). Drei Viertel dieser Kinder leben in Afrika südlich der Sahara sowie in Südasien. In Subsahara-Afrika sind 40 Prozent der Kinder betroffen, in Südasien 39 Prozent.
  • 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich in Afrika südlich der Sahara - das ist etwa die Hälfte aller weltweiten Todesfälle in dieser Altersgruppe.
  • Fast jeder zweiter Sterbefall bei Kindern unter fünf Jahren geht weltweit auf Mangelernährung zurück. Da diese das Immunsystem schwächt, führen häufig Krankheiten wie Lungenentzündung, Malaria oder Durchfall zum Tod.

So ist die Kindersterblichkeitsrate in den Ländern südlich der Sahara eine der höchsten der Welt: Eines von neun Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag, in Sierra Leone ist es sogar jedes sechste. Besonders viele Kleinkinder sterben in den Ländern Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo.

Wo der Hunger in Afrika am größten ist – besonders betroffene Regionen

Nach Angaben des Welthunger-Index 2013 des International Food Policy Research Institute sind Burundi, die Komoren und Eritrea die Länder mit dem höchsten Anteil an unterernährten Menschen. Unter den Ländern mit dem schlechtesten Welthunger-Index befinden sich außerdem afrikanische Staaten wie der Sudan, der Tschad, Äthiopien, Sambia, die Zentralafrikanische Republik, Sierra Leone und Burkina Faso.
Die Demokratische Republik Kongo, die in den vergangenen Berichten des Instituts mehrfach als Land mit den schlechtesten WHI-Werten gelistet wurde, ist 2013 nicht mehr unter den ersten zehn Ländern. Das liegt nach Angaben der Wissenschaftler aber vor allem an unzureichendem Datenmaterial. Experten gehen davon aus, dass die Lage in der Demokratischen Republik Kongo nach wie vor sehr kritisch ist.

Der Hunger in Afrika hat viele Ursachen

Die Gründe für den Hunger in Afrika sind komplex und liegen keineswegs, wie oft angenommen, ausschließlich in der mangelnden Produktivität der Landwirtschaft und den schwierigen klimatischen Bedingungen. In den Ländern Subsahara-Afrikas gibt es Millionen Hektar fruchtbaren Bodens. Der afrikanische Kontinent könnte sich selbst ernähren. Mehrere Faktoren verhindern jedoch eine Entwicklung zum Selbstversorger und einen Sieg im Kampf gegen den Hunger in Afrika:

  • Bevölkerungswachstum: In Afrika südlich der Sahara nimmt die Zahl der Menschen stark zu, die Nahrungsmittelproduktion hält damit jedoch nicht Schritt.
  • Ungerechte Handelsstrukturen: EU und USA subventionieren die heimische Landwirtschaft, afrikanische Bauern sind gegenüber billigen Nahrungsmittelimporten nicht konkurrenzfähig.
  • Schuldenfalle und Misswirtschaft: Die hohe Verschuldung vieler afrikanischer Länder sowie schlechte Regierungsführung und Korruption blockieren die wirtschaftliche Entwicklung. Massenarmut und Hunger sind die Folgen.
  • Krankheiten: Das Ausmaß der Aids-Epidemie oder auch Malaria hemmen in Afrika die landwirtschaftliche Produktion und nehmen Familien die Ernährer.
  • Bewaffnete Konflikte: Afrika ist ein Kontinent der Krisenherde. Die meisten Kriege weltweit toben südlich der Sahara. Flüchtlingselend und Hunger sind die Begleiter.

Kampf gegen den Hunger in Afrika – eines der UN-Millenniumsziele

2000 fand in New York die 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen statt, der Millenniums-Gipfel. Am 9. September 2000 verabschiedeten die 189 UN-Mitgliedsstaaten eine Erklärung mit den Millenniums-Zielen der Vereinten Nationen. An erster Stelle dieser acht Punkte umfassenden Agenda steht die Bekämpfung von Hunger und extremer Armut: Bis 2015 soll der Anteil der Menschen, die darunter leiden, halbiert werden. Die Umsetzung der Ziele droht zu scheitern, denn die Zahl der hungernden Menschen ist zwar seit 1990 um 170 Millionen gesunken, der Gesamtanteil halbiert sich aber aller Voraussicht nach nicht. Das liegt vor allem an den Ländern Subsahara-Afrikas und Südostasiens.

Erfolge und Rückschritte im Kampf gegen den Hunger in Afrika

Die Bestrebungen, dem Hunger in Afrika entgegenzuwirken, sind durch bedeutende Erfolge, aber auch durch verheerende Rückschritte gezeichnet.

Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:

  • Größere politische Stabilität in ehemaligen Bürgerkriegsländern
  • Wirtschaftliches Wachstum der Region Subsahara
  • Fortschritte im Kampf gegen HIV, AIDS und Malaria
  • Verringerung der Kindersterblichkeitsrate.

Zu den Rückschritten im Kampf gegen den Hunger in Afrika gehören:

  • Missernten infolge von Klimawandel und Umweltzerstörung
  • Weltweit steigende Lebensmittelpreise und Lebensmittelspekulationen
  • Humanitäre Krisen aufgrund bewaffneter Konflikte im Norden Malis, im Norden Nigerias und im Südsudan

"Land Grabbing" verschärft Hunger in Afrika

In Afrika wurden in den vergangenen Jahren große Landflächen an ausländische Investoren verkauft bzw. verpachtet, um landwirtschaftliche Produkte zu exportieren. Dieser Trend des sogenannten "Land Grabbing" hält seit 2008 an. Viele Hilfsorganisationen und einzelne Staaten stehen dem kritisch gegenüber, weil Bauern dadurch ihr Land und ihre Lebensgrundlage verlieren. Armut und Hunger werden durch „Land Grabbing“ verschärft.

SOS-Kinderdörfer helfen den Hungernden in Afrika

Die SOS-Kinderdörfer sind in 47 afrikanischen Ländern aktiv. In den derzeit 145 Kinderdörfern auf dem Kontinent finden verwaiste und verlassene Kinder ein Zuhause, die sonst akut von Hunger und Unterernährung bedroht wären. Im Kampf gegen den Hunger in Afrika engagiert sich SOS zudem durch langfristige Entwicklungsprojekte sowie durch humanitäre Hilfe: