SOS-Kinderdörfer in der Ukraine

In den 90er Jahren äußerten mehrere humanitäre Organisationen in der Ukraine Interesse daran, auch in ihrem Land SOS-Kinderdorf-Programme einzuführen. Mit Hilfe des ukrainischen Samariterbundes wurde der Stadtverwaltung von Kiew ein SOS-Projekt vorgestellt. Der Vorschlag wurde positiv aufgenommen und SOS-Kinderdorf konnte seine Arbeit zur Unterstützung von Kindern, Jugendlichen sowie Familien beginnen.
SOS-Mutter und Sohn (Foto: M. Mägi)
SOS-Mutter und Sohn (Foto: M. Mägi)

Die Ukraine liegt in Osteuropa und hat geographisch gesehen eine sehr wichtige strategische Position, vor allem da die Gasleitungen von Russland nach Europa durch das Landesgebiet verlaufen.

Die Ukraine ist das zweitgrößte Land Europas, die Bevölkerung beläuft sich auf 44,9 Millionen. Die Hauptstadt Kiew hat ca. 2,8 Millionen Einwohner (2013, Schätzung). Der Großteil der Bevölkerung besteht aus Ukrainern, die größte Minderheit stellen die Russen mit 17 Prozent der Einwohner dar. Die offizielle Landessprache ist ukrainisch, in vielen Gebieten wird aber auch russisch gesprochen, vor allem in den Grenzregionen zu Russland im Osten und Süden des Landes.

Eins der ärmsten Länder Europas

Nach seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 versank die Ukraine - einst die Brotkammer der UdSSR - in tiefer Armut. Die ukrainische Wirtschaft befand sich acht Jahre lang in einer Rezession. Das Land ist langsam auf dem Wege der Erholung, und das Bruttoinlandsprodukt ist gestiegen. Die weltweite Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 hat jedoch auch die ukrainische Wirtschaft hart getroffen, und das Bruttoinlandsprodukt brach wieder drastisch ein. Trotz mehrerer Darlehen des Internationalen Währungsfonds in Milliardenhöhe hat sich die Wirtschaft nicht erholt, was eine Rolle in der ukrainischen Revolution von 2014 gespielt hat. Die folgenden politischen Veränderungen und Unruhen haben weitere negative Auswirkungen auf das Leben von Familien und Kindern, besonders in den östlichen Gebieten des Landes. Während der Preis für Grundnahrungsmittel und die Inflation gestiegen sind, sind die Löhne gesunken. 

Derzeit leben 24 Prozent der Bevölkerung unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze, und die Arbeitslosenquote beträgt 8 Prozent. Die Ukraine war in der Vergangenheit ein landwirtschaftlich geprägtes Land. Die Industrie spielt vor allem in den östlichen Regionen, wo die politischen Unruhen stärker waren, ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine wachsende Zahl von Erwerbstätigen ist im Dienstleistungssektor beschäftigt.

Allem Anschein nach durchläuft die Ukraine eine demographische Krise. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern ist die Lebenserwartung mit 68,25 Jahren sehr niedrig. Darüber hinaus weist die Ukraine eine der niedrigsten Geburtenraten und höchsten Sterblichkeitsraten in ganz Europa auf. Zu den Hauptursachen zählen die Umweltverschmutzung, schlechte Ernährung, Rauchen und Alkohol und ein finanziell schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem. Die hohe Arbeitslosenquote  und die politische Unsicherheit macht die Lage noch schlimmer; ein steigender Anteil des medizinischen Personals wandert auf der Suche nach Arbeit ins Ausland ab.

Die HIV/AIDS-Infektionsrate der Bevölkerung beträgt 0,9 Prozent - das ist eine der höchsten Infektionsraten in ganz Europa, und die Zahlen steigen weiter an. Die meisten Infizierten sind intravenöse Drogenkonsumenten (70 Prozent der injizierenden Abhängigen sind HIV-positiv), aber die Krankheit wird auch zunehmend durch heterosexuelle Übertragung verbreitet.

Armut betrifft das Leben von vielen Kindern

Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern in einem stabilen Zuhause auf. (Foto: M. Mägi)
Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern in einem stabilen Zuhause auf. (Foto: M. Mägi)

Kinder unter 14 Jahren machen ca. 14 Prozent der Bevölkerung aus. Nach Angaben der UN leiden die Kinder in der Ukraine hauptsächlich unter der Armut und dem schlechten Gesundheitssystem.
Mehr als 93 000 Kinder leben ohne elterliche Fürsorge. Die meisten Kinder in Fremdbetreuung wachsen in Heimen auf; wenn sie diese Institutionen verlassen, sind sie nicht gut auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereitet.

Der Anstieg der Scheidungsrate führt dazu, dass mehr Kinder in alleinerziehenden Haushalten aufwachsen. In ländlichen Gebieten werden junge Frauen mit unehelichen Kindern diskriminiert, was häufig dazu führt, dass eine Mutter ihr Kind ablehnt. Diese Kinder sind noch stärker von Verarmung bedroht und werden häufiger in Fremdbetreuung untergebracht.

Kinder leiden auch unter gesundheitlichen Problemen der Eltern. Es gibt beispielsweise zunehmend mehr Menschen, die drogen- oder alkoholabhängig sind. Auch HIV/AIDS stellt eine Bedrohung dar; wenn die Eltern krank werden oder sterben, bleiben die Kinder ohne elterliche Fürsorge zurück. In vielen Fällen sind die Verwandten nicht bereit, Kinder von HIV-positiven Müttern zu betreuen; diese werden daher in Fremdbetreuung untergebracht.
 

SOS-Kinderdorf in der Ukraine

SOS-Kinderdorf kümmert sich nach wie vor um die Bedürfnisse von Familien und Kindern in der Ukraine. Derzeit ist SOS-Kinderdorf in der Ukraine an drei Standorten vertreten. Im Jahr 2003 wurden mehrere SOS-Familienstärkungsprogramme gestartet, um vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern die Möglichkeit zu geben, in einer liebevollen familiären Umgebung aufzuwachsen. Zu den weiteren Programmen zur Unterstützung von Familien in den Gemeinden zählen Beratungsangebote, psychologischer Beistand und Bildungsprogramme. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.
 

  • Helfen Sie Kindern in der Ukraine

    Hilfe für Kinder in Ukraine

    Schenken Sie Not leidenden Kindern in der Ukraine eine Zukunft: Unterstützen Sie die SOS-Kinderdörfer mit Ihrer Spende oder Patenschaft!

     Jetzt helfen!