Hungrig und traumatisiert: Die Not der Rohingya-Kinder

Interview mit dem Leiter der SOS-Kinderdörfer in Bangladesch

17.11.2017 - Die Massenflucht der Rohingya hält an: Hunderttausende sind in den vergangenen Monaten aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen, die Mehrheit sind Kinder. Sie sind der Gewalt in ihrer Heimat entkommen, doch in den heillos überfüllten Flüchtlingslagern fehlt es am Nötigsten. Die SOS-Kinderdörfer richten in den Camps Nothilfe-Kitas für hunderte Kinder ein. Ghulam Ahmed Ishaque, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Bangladesch, im Interview.
615.000 Menschen sind bereits seit August aus Myanmar nach Bangladesch geflohen, mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Foto: Abir Abdullah/European Pressphoto Agency

Wie ist die aktuelle Lage der Rohingya-Flüchlinge in Bangladesch?

Die Lage vor Ort ist düster. Die Regierung von Bangladesch versucht, die Not der zahllosen Flüchtlinge zu lindern. Seit Ende August sind bereits rund 615.000 Menschen aus Myanmar eingetroffen. Diese Menschen leben in verschiedenen Lagern, die von der Regierung in Cox's Bazar im Distrikt Chittagong im Südosten von Bangladesch ausgewiesen werden.

Was brauchen die Flüchtlingskinder jetzt am dringendsten?

Die Kinder in den Camps sind nach wie vor großer Not ausgesetzt. Viele von ihnen leiden unter Unterernährung. Sie brauchen dringend lebensnotwendige Hilfe wie Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung. Es fehlt auch an Kleidung und Unterkünften. Viele Flüchtlingskinder sind traumatisiert, weil sie miterleben mussten, wie Angehörige Opfer der Gewalt in ihrer Heimat wurden. Sie benötigen daher psychologischen Beistand. Extrem gefährdet sind unbegleitete Flüchtlingskinder, die alleine auf der Flucht sind, sie brauchen Schutz.

Im Chaos der Flucht wurden viele Familien getrennt. Wie viele unbegleitete Rohingya-Kinder gibt es aktuell in Bangladesch?

Die Kinder und Frauen unter den Flüchtlingen sind in einer besonders gefährdeten Situation. Viele Familien wissen nicht, wo ihre Väter sind. Fast 37.000 Flüchtlingskinder haben nur noch einen Elternteil oder sie wurden von ihren Familien getrennt und sind nun entweder völlig alleine oder sie haben sich anderen Flüchtlingen angeschlossen. Schätzungsweise 7.500 dieser Flüchtlingskinder haben beide Elternteile verloren.
 
Wie helfen die SOS-Kinderdörfer in Bangladesch den Flüchtlingskindern?

SOS Bangladesch richtet gerade fünf Nothilfe-Kitas für 300 Kinder zwischen drei und acht Jahren ein. Dort bieten wir den Kindern Schutz und psychologische Begleitung, sie bekommen zu Essen, erhalten medizinische Versorgung und sie können dort lernen und spielen. So finden die Kinder wieder Halt.