Syrien: Kinder leiden unter toxischem Stress

Zur Geberkonferenz für Syrien (13./14. März) in Brüssel fordern die SOS-Kinderdörfer eine Aufstockung der Ressourcen für traumatisierte syrische Kinder

12.03.2019 - Der bereits acht Jahre andauernde Krieg in Syrien hat fatale Auswirkungen auf die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. "Die große Mehrheit der syrischen Kinder leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen und toxischem Stress", sagt Teresa Ngigi, Expertin für Traumatherapie bei den SOS-Kinderdörfern weltweit. Besonders gefährlich für die physische und psychische Gesundheit der Kinder sei der lange Zeitraum, in dem sie ständiger Angst, Unsicherheit und Gewalt ausgesetzt seien.
"Die große Mehrheit der syrischen Kinder leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen und toxischem Stress", sagt SOS-Psychologin Teresa Ngigi.
"Die große Mehrheit der syrischen Kinder leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen und toxischem Stress", sagt SOS-Psychologin Teresa Ngigi.

"Der permanente Ausstoß von Stresshormonen führt zu Entwicklungsstörungen des Gehirns, was wiederum dramatische Folgen für die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder mit sich bringt", so Ngigi weiter. "Wir dürfen uns nichts vormachen, die erlittenen Schäden dieser Kinder sind so groß, dass sie ohne intensive psychologische Betreuung, und zwar bis ins Erwachsenenalter hinein, niemals in ein normales Leben zurückfinden werden."

Langfristige Betreuung

Die SOS-Kinderdörfer fordern deshalb vor der internationalen Hilfskonferenz der Vereinten Nationen für Syrien, die am 13. und 14. März in Brüssel stattfindet, die Bundesregierung, die Europäische Union und die Vereinten Nationen dazu auf, finanzielle Hilfen bereitzustellen, die eine langfristige Betreuung der syrischen Kinder sicherstellen. Das sei auch im Interesse der westlichen Welt, denn die betroffenen Kinder wüchsen zu einer verlorenen Generation heran, anfällig für Radikalisierung, Kriminalität und neue Gewalt.
 
Acht Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind 11,7 Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter fünf Millionen Kinder. Praktisch jedes einzelne syrische Kind ist von Gewalt, Mangel, Verlust, Vertreibung, Flucht und Trennung von den Angehörigen betroffen.

Kindern eine Stimme geben

Um Kindern in Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, aber auch in den westlichen Gesellschaften, eine Stimme zu geben, haben die SOS-Kinderdörfer unter dem Motto #GiveKidsAVoice eine Onlinekampagne gestartet. Darin fordert SOS die Bundesregierung dazu auf, das Recht aller Kinder auf eine Familie in konkrete Politik umzusetzen.

Erfahren Sie hier, was hinter dieser Forderung steckt: www.givekidsavoice.de