Junge Menschen machen Zukunft
Jugendbeteiligung: SOS-Kinderdörfer verleihen „BANGER & HÄNGER Awards“ / Intensive Diskussion mit jungen Engagierten und Poltiker:innen auf re:publica
Wie können junge Menschen unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten? Wie gelingt echte Jugendbeteiligung – und wo läuft noch einiges schief? Genau darum ging es auf der re:publica 2026 in Berlin: Die SOS-Kinderdörfer weltweit verliehen die „BANGER & HÄNGER Awards“ und diskutierten mit Politiker:innen und jungen Engagierten.
"Never gonna give YOUTH up – Jugend. Macht. Zukunft." Unter diesem Motto stand der Talk auf der re:publica mit jungen Engagierten und Politiker:innen. Gleich zu Beginn wurden heiße Eisen angepackt: Studienfinanzierung, die Notwendigkeit einer Bafög-Reform und warum Jugendbeteiligung so wichtig ist. Darüber sprachen Robin Backhaus vom Jugendbeirat des Deutschen Jugendinstituts, Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit, und Moderatorin Tessniem Kadiri.
"Careleaver sind massiv von der Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendhilfe betroffen."
Robin Backhaus kennt die Herausforderungen für Careleaver aus eigener Erfahrung: Er wuchs in einem Kinderheim und bei einer Pflegefamilie auf. Heute studiert er Physik. Besonders beim BAföG gebe es große bürokratische Hürden, gerade für Careleaver, denn oft werde der Kontakt zu den Eltern für Unterlagen vorausgesetzt.
"Die Politik ist oft schnelllebig und emotionalisiert, sodass es wenig Raum für sachliche Debatten gibt."
Junge Menschen wollen mitentscheiden – und werden doch oft übergangen
Die Panel-Diskussion mit Polikter:innen und jungen Engagierten verlief emotional, direkt, teilweise hitzig. Es ging um Wehrpflicht, soziale Ungleichheit, Zukunftsängste – und immer wieder die Frage, wie ernst Jugendbeteiligung wirklich genommen wird.
Hier einige starke Statements aus der Diskussion:
"Über uns wird gesprochen, aber ohne uns zu beteiligen."
"Jugendliche müssen in ihrer Diversität begriffen werden – nicht wie eine homogene Masse oder wie Aliens."
"Die Frage ist eher: Warum sollte Jugendbeteiligung NICHT mitgedacht werden?"
BÄNGER Award für KiO Youth – Jugendliche setzen sich für Organspende ein
Junge Menschen reden mit, entscheiden und bewegen was: Mit dem "Bänger Award" zeichnen die SOS-Kinderdörfer weltweit Projekte aus, die zeigen, wie echte Jugendbeteiligung geht. In den Wochen vor der Verleihung haben über zweitausend junge Menschen online abgestimmt, wer gewinnt.
Dieses Jahr geht der Preis an KiO Youth, die Jugendorganisation der Kinderhilfe Organtransplantation. Paula Freese und Robert Grabowski nahmen den Award für KiO Youth auf der re:publica entgegen – und waren selbst völlig überrascht: "Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet zu gewinnen. Mit dem Preisgeld können wir dieses Jahr mindestens zwei Treffen für transplantierte junge Menschen ermöglichen."
"Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet zu gewinnen. Mit dem Preisgeld können wir dieses Jahr mindestens zwei Treffen für transplantierte junge Menschen ermöglichen."
Bei KiO Youth engagieren sich aktuell 35 junge Menschen, die selbst eine Organtransplantation erlebt haben. Mit ihrer Fotokampagne "Meine Geschichte" klären sie auf und geben der Bedeutung der Organspende buchstäblich ein Gesicht: Sie erzählen ihre persönlichen Erfahrungen, zeigen sich auf den ausdrucksstarken Porträtaufnahmen von Fotograf Micha Neugebauer - und geben so einen authentischen Einblick in ihr Leben nach der Transplantation. KiO Youth – das ist eine starke, offene Community junger Menschen, die mit Herzblut aufklärt, Mut macht und zeigt: Zusammen lässt sich echt was bewegen!
Der zweite Platz ging an Ruhrpott für Europa, eine Initiative, die junge Menschen im Ruhrgebiet aktiv an der Zukunft Europas und seiner Politik beteiligt. Im Mittelpunkt steht dabei, Stimmen aus der Region sichtbar zu machen, mit jungen Menschen über Mitbestimmung, Wahlen und die Bedeutung der EU ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Ideen für ein lebendiges, inklusives Europa zu entwickeln. Dabei bringt die Initiative politische Bildung direkt zu jungen Menschen: Mit Workshops an Schulen im gesamten Ruhrgebiet, Gesprächsreihen und Veranstaltungen. Eine Initiative, die junge Stimmen stärkt und zeigt, dass die EU nicht irgendwo weit weg, sondern vor Ort mitgestaltet werden kann.
Der dritte Platz wurde an das Jugendparlament Leipzig, auch JuPa genannt, vergeben. In der gewählten Interessenvertretung aller jungen Menschen zwischen 14 und 21 Jahren in der Stadt Leipzig können Jugendliche ihre Perspektiven, Anliegen und Ideen in die kommunale Politik einbringen und gegenüber dem Stadtrat und der Stadtverwaltung vertreten. Das Besondere: das JuPa ist formal in der Stadtpolitik verankert und junge Menschen sind basisdemokratisch an der Steuerung beteiligt. So entsteht ein Format, das nicht nur zuhört, sondern echte Mitwirkung ermöglicht.
HÄNGER Award: Jugendbeteiligung in der Stadtplanung – es bleibt noch viel zu tun!
Doch oft hakt es bei der Jugendbeteiligung – genau das will der HÄNGER Award sichtbar machen. In diesem Jahr geht der "Hänger" an die Stadtplanung. Denn hier werden junge Menschen, vor allem aus ländlichen Regionen oder marginalisierten Gruppen, oft erst spät, nur halbherzig oder sogar gar nicht eingebunden. Dabei betrifft Stadtentwicklung ihren Alltag ganz direkt: Mobilität, Freizeitangebote, Treffpunkte – all das sind Themen, die für Jugendliche wichtig sind.
Die klare Ansage an Politik und Verwaltung: Jugendbeteiligung darf kein leeres Versprechen bleiben – echte Mitbestimmung ist gefragt! Jugendforen, Beteiligungswerkstätten und eine feste Jugendquote wären wichtige Schritte, damit junge Stimmen mitreden können.
Der HÄNGER Award wurde symbolisch an Bundestagsabgeordnete übergeben – als Auftrag, die Wünsche und Anliegen junger Menschen in die Politik mitzunehmen.
Mehr Informationen unter: #BANGERundHÄNGER