Fragen zu stellen und ihnen zu begegnen, ist Ausdruck von Anteilnahme und Engagement
Im siebten Beitrag ihrer Blogserie "Verantwortung übernehmen" spricht Vorständin Dr. Sabina Schutter darüber, welche Fragen zum Kinderschutz gehören: die eigenen, die der Betroffenen und die, die unbeantwortet bleiben.
Im Austausch mit unseren Mitarbeitenden ist mir kürzlich wieder bewusst geworden, wie wichtig das Fragenstellen ist. An den Fragen, die jemand stellt, erkennen wir, worüber die Person nachdenkt, was sie bewegt und wo noch Informationen fehlen. Fragen eröffnen verschiedene Blickwinkel auf eine Sache: Während dem einen etwas selbstverständlich erscheint, kann ein anderer noch Klärungsbedarf haben.
Fragen zu stellen, gehört zum Aufarbeitungsprozess. Die klassischen Fragen sind naheliegend:
- Wie konnte das passieren?
- Wer ist wofür verantwortlich?
- Wer zieht welche Konsequenzen?
Mindestens genauso bedeutsam finde ich, welche Fragen unbeantwortet bleiben und welche zusätzlichen auftauchen. In Gesprächen mit Betroffenen bewegt es mich zum Beispiel sehr, wenn sie wissen wollen, welche Dokumente es noch über sie gibt, was die betreuenden Erwachsenen damals gedacht und getan haben oder ob sich jemand nach ihnen erkundigt hat.
Häufig gibt es dazu kaum Informationen. Das zeigt, wie wichtig die Anerkennung der individuellen Lebensgeschichten der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist. Ein Beispiel: Eine SOS-Kinderdorf-Mutter, der Gewalt vorgeworfen wurde, hat alle Fotos der von ihr betreuten Kinder gelöscht. Von außen betrachtet mag das nicht so wichtig erscheinen. Für die Kinder aber bedeutet es, dass ein Teil ihrer persönlichen Geschichte verloren gegangen ist.
Dazu kommen die Fragen, die wir uns als Mitarbeitende immer wieder stellen sollten:
- Was macht das mit mir?
- Welche Konsequenzen ziehe ich für mich aus den vorhandenen Informationen?
- Welche Verantwortung leitet sich ab, wenn ich für eine Organisation arbeite, die sich für verletzliche Kinder einsetzt?
Ich empfinde es als essenziell, dass wir uns dazu austauschen. Wir werden nie alle Fragen beantworten können. Aber die Auseinandersetzung mit unseren Fragen sowie denen der Betroffenen und der fortlaufende Austausch mit allen Beteiligten sind Teil unserer Verantwortung. Es ist ein Ausdruck dafür, dass wir uns für die SOS-Kinderdörfer weltweit und vor allem für die jungen Menschen einsetzen.

