Warum wir ein Glaubwürdigkeitsproblem haben
Die SOS-Kinderdörfer haben jahrelang öffentlich versprochen, dass sie jedem Kind ein liebevolles Zuhause ermöglichen. Unter dem Label SOS-Kinderdörfer arbeiten wir weltweit in über 130 Ländern mit nationalen, eigenständigen SOS-Kinderdorf-Vereinen als Föderation zusammen. Sie alle haben den Anspruch, Kinder sehr gut oder sogar besser als andere zu begleiten.
Im Herbst 2024 ist im Auftrag unseres deutschen Schwestervereins SOS-Kinderdorf e.V. der Aufarbeitungsbericht "Der Aufarbeitung verpflichtet" einer unabhängigen Expertenkommission erschienen. In dem Bericht wird dieser hohe Anspruch, diese Selbstzuschreibung als ein zentrales Problem beschrieben. Denn das starke Bild, das die SOS-Kinderdörfer nach außen vertreten haben, verhinderte, sich innerhalb der Organisation mit echten Verfehlungen auseinanderzusetzen. Diese Informationen sind seitdem in der Öffentlichkeit und sie kollidieren mit dem makellosen Bild, das die SOS-Kinderdörfer lange Zeit vertreten haben. Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Glaubwürdigkeit steht und fällt mit transparenter Aufarbeitung und damit, die Verletzungen von Kindern anzuerkennen. Und: Glaubwürdigkeit verlangt echtes Bedauern und den Versuch, für die Betroffenen Gerechtigkeit zu schaffen.
Glaubwürdigkeit entsteht aber auch dadurch, dass wir als Organisation aufrichtig von der Ernsthaftigkeit unseres Handelns und der eigenen Verbesserungsfähigkeit überzeugt sind. Vertrauen wirkt von innen nach außen: Es nimmt seinen Anfang innerhalb der Organisation und schafft die Basis dafür, dass Spender und Spenderinnen und die Öffentlichkeit uns wieder vertrauen.
Das ist einer der Gründe, warum ich die Themen "Aufarbeitung und Aufklärung" so nachhaltig vertrete. Nur durch die ernsthafte Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit können wir glaubwürdig optimistisch in die Zukunft schauen.

