hellblaue Grafik mit Aufschrift "Kinderschutz-Blog" und "Licht an!"
24. Juli 2026 |  NEWS

Haltung heißt, Betroffenen zu glauben

In der Pädagogik ist mit dem Begriff ,Haltung‘ oftmals die innere Einstellung gemeint, nach der eine pädagogische Fachkraft handelt. Dass Kinder als Rechteträger:innen verstanden werden, kann zum Beispiel so eine Handlungsmaxime sein oder auch, dass Familien stets auf Augenhöhe begegnet wird. Die pädagogische Haltung ist heute meistens auf die Wahrung von Rechten, Würde und Selbstbestimmung ausgerichtet.

Diese Haltung ist auf die Aufarbeitung übertragbar: Die Auseinandersetzung mit pädagogischem Fehlverhalten, Misshandlung, Missbrauch oder Rechteverletzungen ist schmerzhaft. Das kann dazu führen, dass Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Organisationen Erfahrungen kleinreden, sie nicht ernst nehmen oder Aufarbeitungsberichte ablehnen. 

Es ist hilfreich, sich in dem Zusammenhang drei Dinge zu vergegenwärtigen: 

  • Egal wie schmerzhaft die Auseinandersetzung mit Fehlverhalten und Missbrauch für mich als Vertreterin der Organisation ist, für die Betroffenen ist sie vermutlich schmerzhafter. Meine Haltung: Die Betroffenen stehen im Mittelpunkt. Ihr Erleben nehme ich ernst. 
  • Vielleicht sind nicht alle Berichte wahr. Die Mehrheit der Berichte ist wahr. Meine Haltung: Ich glaube den Betroffenen.
  • Ich persönlich habe die Kinderrechtsverletzungen vielleicht nicht verursacht, als Vertreterin der Organisation übernehme ich trotzdem Verantwortung. Meine Haltung: Ich kann jetzt Verantwortung für die Zukunft übernehmen und das Erleben der Betroffenen anerkennen. 

Die pädagogische Haltung, die auf der Wahrung von Rechten, auf Würde und Selbstbestimmung beruht, gilt also für jede Aufarbeitung, besonders bei der Anerkennung und im sensiblen Umgang mit Betroffenen. Und sie verlangt, dass die Organisation Verantwortung übernimmt. 

Verantwortung übernehmen – der Kinderschutz-Blog der SOS-Kinderdörfer 

Die SOS-Kinderdörfer stellen sich ihrer Vergangenheit. Wir benennen Fehler, arbeiten Kinderschutzvorfälle auf und drehen an allen Stellschrauben, damit Kinder in unseren Programmen den Schutz erfahren, der ihnen zusteht. Kompromisslos. Damit dies gelingt, braucht es Achtsamkeit, Expertise und fundierte Antworten auf schwierige Fragen: Wie kann ich das Interesse der Öffentlichkeit an Transparenz bedienen – und gleichzeitig die Persönlichkeitsrechte Betroffener schützen? Wie brechen wir mit der Glorifizierung von Gründerpersönlichkeiten? Wo braucht es Kontrolle – und wo besser Schulung und Selbstregulation? Diesen und weiteren Fragen geht Sabina Schutter, Kinderschutz-Expertin und Vorständin der SOS-Kinderdörfer in ihrem Blog nach. Fundiert und oft sehr persönlich.

Dr. Sabina Schutter, Vorständin der SOS-Kinderdörfer, in Interaktion
Dr. Sabina Schutter, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit. Foto: Max Baudrexl
Grafik mit der Aufschrift "Licht an!"

Licht an! heißt: genau hinsehen. Hier berichten wir über Kinderschutz bei den SOS-Kinderdörfern, Aufarbeitung und die Wirkung unserer Arbeit. Wir holen ans Licht, wo wir gescheitert sind. Wir beleuchten, wie wir heute handeln – und wir machen sichtbar, wie es weitergeht: Schritt für Schritt, überprüfbar, öffentlich. Dabei geben wir Einblick in unsere Arbeit und zeigen konkrete Ergebnisse.

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