Kinderschutz basiert auf einer Kultur des Hinsehens
Wenn wir den Kinderschutz als zentralen Maßstab anlegen, müssen sich auch unsere Organisationskultur, unsere Strukturen und Prozesse daran messen lassen. Im neuen Beitrag der Blogserie spricht Vorständin Dr. Sabina Schutter über Transparenz, Verantwortung und eine offene Fehlerkultur.
Natürlich geht es bei einer Aufarbeitung um Kinderschutz und darum, Vorfälle zu untersuchen: Gewalt gegen Kinder, sexualisierte Gewalt, Grenzverletzungen.
Doch diese Vorfälle sind nicht im luftleeren Raum geschehen. Sie sind in einem Umfeld geschehen, das Risiken nicht erkannt oder sie ignoriert hat. Manchmal hat das Umfeld sogar die Grenzverletzungen begünstigt.
Aufarbeitung setzt genau hier an. Wenn wir den Schutz und das Wohlergehen der Kinder als zentralen Maßstab anlegen, wird deutlich, wo es bei einer Organisation Schwachstellen gibt: in der Organisationskultur, den Strukturen und Prozessabläufen.
Das erklärt auch, warum Kinderschutz so oft mit Fragen zu Verantwortung und Rechenschaftspflicht einhergeht. Wo Regeln nicht ernst genommen werden, wo Fehler nicht angesprochen werden dürfen, entsteht ein Klima, in dem keine gegenseitige Kontrolle möglich ist.
Unter einem solchen Klima leiden am Ende die Schwächsten.
Kultur der Transparenz
Daraus folgt etwas, das mir besonders wichtig ist: Gerade Führungskräfte müssen sich überprüfbar machen. Sie müssen die Einhaltung von Regeln und Vereinbarungen einfordern und sich selbst daran messen lassen.
In einer Kultur der Transparenz, in der Beschwerden ohne Angst vor Konsequenzen geäußert werden können, sind Grenzverletzungen weniger wahrscheinlich. Und wenn sie geschehen, werden sie schneller beendet. Kinderschutz ist deshalb nie nur eine Frage einzelner Vorfälle.
Er ist auch eine Frage unserer gelebten Kultur.

