Ein realistisches Selbstbild ist der Schlüssel für exzellente Arbeit
Vorständin Dr. Sabina Schutter schreibt im fünften Beitrag ihrer Blogserie „Verantwortung übernehmen“ über die Fallhöhe positiver Selbstdarstellung und den Willen zur Lernbereitschaft und Weiterentwicklung.
Im Bericht „Der Aufarbeitung verpflichtet“ unseres deutschen Schwestervereins findet sich folgende sehr aufschlussreiche Passage: „Dementsprechend ist die Außendarstellung von SOS-Kinderdorf stark von einer durchgängig positiven Selbstdarstellung geprägt. (…) Das dargestellte Selbstverständnis des Vereins wirkt auch nach innen. Die aus der selbstbewussten Außendarstellung resultierende öffentliche Anerkennung des Trägers kann für die Mitarbeiter:innen ein relevanter Faktor sein, um sich mit dem Träger zu identifizieren und für ihn zu arbeiten.“
Tatsächlich identifizieren sich viele Mitarbeitende der SOS-Kinderdörfer mit ihrer Arbeit und das ist eine wertvolle Ressource. Im Gespräch mit Mitarbeitenden fällt mir immer wieder auf, wie stark sich viele unserer Mission verschrieben haben, und auch mir geht es so. Ich empfinde es als Geschenk, mich für junge Menschen und ihr Aufwachsen weltweit einsetzen zu dürfen.
Unsere positive Selbstdarstellung hat aber eine Fallhöhe. Lange Zeit standen die SOS-Kinderdörfer dafür ein, die Besten in Sachen Kinderschutz zu sein, mehr als andere zu leisten. Machen wir dann jedoch Fehler, ist die Enttäuschung umso größer.
Eine weitere Erkenntnis des Aufarbeitungsberichts: Die durchweg positive Selbstdarstellung erschwert den offenen und konstruktiven Umgang mit Fehlern. Gerade deshalb war es mir wichtig, bei der Entwicklung unseres Maßnahmenplans zum Thema ,Kinderschutz‘ auch unsere Organisationskultur in den Blick zu nehmen.
Denn angesichts der aktuellen Entwicklungen kommen Fragen auf, die tief in die Organisation hineinreichen: Wer sind wir, wenn wir Fehler machen? Und: Wie gelingt es uns, in der Arbeit mit jungen Menschen ein Selbstbild zu entwickeln, das kontinuierliches Lernen und Weiterentwicklung einschließt?
Ich bin überzeugt, dass diese Art der Selbstreflexion echte Chancen eröffnet. Ein realistisches Selbstverständnis unserer Organisation wird langfristig dazu beitragen, dass wir fachlich exzellente Arbeit für junge Menschen leisten.

