14. Mai 2026 |  NEWS

Unsere Haltung: Anerkennen, aufklären und Verantwortung übernehmen

Wie die SOS-Kinderdörfer auf aktuelle Herausforderungen reagieren und welche Maßnahmen bereits eingeleitet wurden

Die internationale Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf setzt sich insbesondere seit Herbst 2025 mit schwerwiegenden Missbrauchsfällen auseinander. Dazu kommen organisatorische Herausforderungen. Gerne möchten wir Ihnen zu diesen unterschiedlichen Themen eine kurze Einordnung geben, unsere Haltung darlegen und aufzeigen, welche Schritte wir unternehmen, um Missständen entgegenzuwirken.

Organisatorische Herausforderungen

Seit Juni 2024 geht unser Dachverband SOS-Kinderdorf International durch große strukturelle Veränderungen. Es wurde eine Governance-Reform verabschiedet, die für mehr Transparenz und demokratischere Strukturen sowie verbesserte Aufsicht sorgt. Gleichzeitig bringt sie herausfordernde Umbauprozesse mit sich. Zudem wurde in Deutschland, unabhängig von den Kinderschutzvorfällen, der dreiköpfige Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit im Februar 2026 vom Aufsichtsrat aus dem Amt berufen. Im März 2026 wurden Prof. Dr. Sabina Schutter und Petra Sorge-Booms zu neuen Vorständinnen ernannt. Aufklärung, Transparenz und Kinderschutz bleiben für den neuen Vorstand zentrale Schwerpunkte der Arbeit und sollen noch weiter ausgebaut werden.

Kinderschutzverletzungen in Österreich

Im Herbst 2025 wurden Vorwürfe gegen SOS-Kinderdorf Österreich öffentlich bekannt. Demnach soll es an verschiedenen Programmstandorten über mehrere Jahre hinweg zu Kinderschutzverletzungen durch Mitarbeitende von SOS-Kinderdorf gekommen sein. Im Zuge der Aufarbeitung wurden im Oktober 2025 erstmals auch Vorwürfe gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, durch den österreichischen Länderverein öffentlich gemacht. Nach aktuellem Kenntnisstand soll dieser in den 1950er- bis 1980er-Jahren in mindestens 8 Fällen Programmteilnehmer körperlich und sexuell missbraucht haben. Inzwischen wurden weitere 5 Opferschutzverfahren eröffnet. Auch in Deutschland ist ein mutmaßlicher Fall von Belästigung durch Hermann Gmeiner bekannt geworden. Darüber hinaus bestätigte SOS-Kinderdorf Österreich, dass Helmut Kutin, langjähriger Präsident der Föderation der SOS-Kinderdörfer, jahrelang von Missbrauchsanschuldigungen gegenüber einem österreichischen Großspender gewusst haben und untätig geblieben sein soll.

Wir nehmen diese Vorgänge sehr ernst! Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen müssen immer und unter allen Umständen uneingeschränkt gewährleistet sein. Die Wahrheit darf niemals verschwiegen werden. Dafür stehen wir ein. Wenn Rechenschaftspflicht, Verantwortung und Transparenz fehlen, sind die Folgen verheerend. Wo Vertrauen missbraucht wird, müssen wir entschieden handeln. Nur durch Ehrlichkeit und den Mut zur Aufarbeitung können wir als Organisation wachsen und unserer Mission, Kinder weltweit zu schützen und zu begleiten, gerecht werden.

Aufklärung und Stärkung des Kinderschutzes auf allen Ebenen

Deswegen haben wir innerhalb der weltweiten Föderation der SOS-Kinderdörfer bereits vielfache Maßnahmen ergriffen:

  • In Österreich wurden seit Herbst 2025 vom österreichischen Länderverein eine unabhängige Reformkommission zur Aufklärung der Vorfälle eingesetzt, personelle Konsequenzen gezogen und die Geschäftsführung neu aufgestellt sowie umfassende Risikoanalysen an allen Standorten initiiert.
  • Auf Föderationsebene werden bereits seit 2021 zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung des Kinderschutzes in Form eines Aktionsplan Kinderschutz umgesetzt. Dazu zählen die Weiterentwicklung einer Kinderschutzrichtlinie, Schulungen für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf allen Ebenen sowie gezielte Initiativen zur Risikoprävention. Die Einführung eines globalen Ombudssystems stärkt die internen Kontrollmechanismen und stellt einen unabhängigen Meldeweg dar.

Weitere Schritte: Historische Aufarbeitung und Förderung von Positivbeispielen in den weltweiten Programmen

  1. Als deutscher Förderverein werden wir gemeinsam mit unseren Schwestervereinen SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. und SOS-Kinderdorf Österreich ein "Bündnis Kinderschutz" zur Aufarbeitung etablieren. Ziel ist es, die Entscheidungsstrukturen innerhalb der Föderation der SOS-Kinderdörfer wissenschaftlich zu untersuchen. So möchten wir die Ursachen von Machtmissbrauch in unseren Strukturen besser verstehen, um – wo dies noch nicht geschehen ist – konkrete Veränderungen vornehmen zu können.
  2. Wir initiieren zudem gegenwärtig ein neues Projekt, um Best-Practice-Beispiele im Kinderschutz in verschiedenen Ländervereinen zu identifizieren und innerhalb der Föderation als Vorbilder sichtbar zu machen. So soll eine internationale Lerngemeinschaft entstehen, die den Kinderschutz in den SOS-Kinderdörfern nachhaltig verbessert.
  3. SOS-Kinderdorf Österreich und SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. bereiten gemeinsam eine historische Studie vor, die die zurückliegenden Vorwürfe gegen zentrale Personen wie Hermann Gmeiner und Helmut Kutin wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse werden transparent dokumentiert und veröffentlicht.
  4. Eine besondere Verantwortung kommt der Föderation der SOS-Kinderdörfer auch in Syrien zu. Dort waren unter dem diktatorischen Assad-Regime zahlreiche Kinder gewaltsam von ihren Eltern getrennt und zum Teil in syrischen SOS-Kinderdörfern untergebracht worden. Im Mai 2024 waren externe Ermittler von den SOS-Kinderdörfern weltweit beauftragt worden, die Vorgänge zu untersuchen. Im November 2025 kündigte jedoch der damalige Vorstand das Mandat der Ermittler zum Jahresende 2025, ohne den Aufsichtsrat vorab zu informieren. Dies sowie weitere Verletzungen der Abstimmungs- und Berichtspflichten führte zur Abberufung der Vorstände. Der Aufsichtsrat sowie der neue Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit haben das Mandat für die Ermittler erneuert und werden die Untersuchungen nun zuende führen.

Als deutscher Förderverein sehen wir uns in der Verantwortung, uns vergangenem Unrecht in der globalen Organisation der SOS-Kinderdörfer zu stellen. Wir müssen genau hinsehen, aufklären, Konsequenzen ziehen und Strukturen nachhaltig verändern. Das gilt für alle Versäumnisse, egal wie weit sie zurückliegen. Über die weiteren Schritte werden wir Sie weiterhin hier auf der Website regelmäßig informieren.
 

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